Beim Wohnheim Bethlehem in Wangen bei Olten gäbe es eigentlich schon genug zu tun: Die Institution, welchen bis zu 40 Frauen und Männern mit psychischen oder psychosozialen Problemen eine 24-Stundenbetreuung bietet, wird wegen neuer Auflagen und Vorschriften «vor grosse Herausforderungen» gestellt, wie es im letztjährigen Jahresbericht heisst. In der Vergangenheit schrieb man immer mal wieder ein Defizit, unter anderem weil nicht alle vorhandenen Wohnplätze besetzt werden konnten.

Beim zuständigen Trägerverein ist derzeit aber Feuer im Dach. Für heute Freitagabend wurde eine ausserordentliche Mitgliederversammlung angesetzt. Das einzige Traktandum: «Vizepräsident Walter Husi sei als Vorstandsmitglied abzusetzen/abzuwählen», wie es im Antrag heisst, der von 6 der 8 Vorstandsmitgliedern eingereicht wurde. Die Einladung, welche an die rund 80 Mitglieder gegangen ist, enthält keine Begründung für die Abwahl.

Vorstandsmitglied Andreas Ehrsam, der zusammen mit seinen fünf Amtskollegen den Antrag eingereicht hat, sagt auf Anfrage, dass das Verhalten von Walter Husi in den Sitzungen, gegenüber dem Personal aber auch gegen aussen nicht zumutbar sei und auch dem Ansehen des Vereins schade. «Aus Sicht von uns Antragsstellern ist es schlicht nicht zumutbar, ihn weiter im Vorstand zu halten.» Zudem sei ein eigentliches Engagement in seinem Tätigkeitsbereich – Husi hat die Verantwortung für die Öffentlichkeitsarbeit – nicht zu erkennen gewesen. Mit anderen Worten: Die Antragsteller werfen ihm vor, er hätte seine Aufgabe nicht wahrgenommen. Der Antrag auf Abwahl sei nicht von heute auf morgen entstanden. «Man hat über Jahre versucht, eine gute Zusammenarbeit zu finden.» Weitere Angaben wollte er aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht machen.

Walter Husi, der seit 2002 im Vorstand sitzt – davon 11 Jahre als Präsident – will die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen und kann etwa mit der Aussage, sein Verhalten schade dem Verein, «nichts anfangen». «Mein Verhalten ist absolut korrekt, aber das wurde bisher auch nie bestritten.» Er habe im Vorstand zum Teil auf mögliche Missstände und Pflichtverletzungen beim Heimbetrieb hingewiesen. Zudem würden es ihm die Vorstandsmitglieder übel nehmen, dass er in Zeitungsberichten zum Beispiel schreibe, dass die Jahresrechnung ein Defizit aufweise. «Auf Fakten geht die Mehrheit des Vorstandes prinzipiell nicht ein», schreibt er in einem Brief, den er im Vorfeld der ausserordentlichen Versammlung den meisten Mitgliedern zukommen liess. Zudem erachtet es Husi als «unverhältnismässig», für ein einziges Traktandum eine ausserordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen, wie er in diesem Brief weiter festhält. Im letzten Jahr ist Husi oppositionslos für weitere vier Jahr im Vorstand bestätigt worden.

Der 68-jährige Husi, der in der Vergangenheit für die SP im Kantonsrat sass und Gemeindevizepräsident in Wangen bei Olten war, steht beim Verein Wohnheim Bethlehem nicht das erste Mal in der Kritik. Bereits 2005 – damals war er noch Präsident – versuchte eine Oppositionsgruppe, ihn zu stürzen. Gemäss dieser Zeitung wurde ihm damals unter anderem mangelhafte Informationspolitik vorgeworfen. Ein Teil des Vorstandes hatte auf die Versammlung hin demissioniert. Husis Gegenkandidat zog sich dann aber während der Versammlung zurück. Er blieb bis 2013 Präsident. Und wurde laut Husi vom Vorstand aufgefordert weiterzumachen. Seither amtet er als Vizepräsident. «In meiner langen Karriere hatte ich nie so Probleme gehabt in einem Verein wie jetzt hier», sagt Husi.
Vereinspräsident Hans Jörg Burri war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er weilte noch in den Ferien.