Die Bewegungsjagden bilden in den Revieren in unserer Region den Höhepunkt des Jagdjahres. Gejagt wird oft im Siedlungsgebiet, in Naherholungsräumen oder im Bereich von Wegen und Strassen.

Wachsende Wohnbevölkerung

Seit 1950 hat die Wohnbevölkerung in der Schweiz um fast 50 Prozent zugenommen. Das nicht etwa in den ländlichen Gegenden, sondern in den schon bisher stark bevölkerten Regionen des Mittellandes.

Die Siedlungen haben sich ausgebreitet, Wohnhäuser stehen bis an die Waldränder, Strassen und Bahnlinien durchschneiden die Landschaft und Scharen von Erholungssuchenden durchstreifen an Wochenenden, auf der Suche nach der intakten Natur, Feld und Wald.

Das hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Jagdausübung von heute. Vor allem in den Revierkantonen, wie es auch der Kanton Solothurn ist.

Mehr Schalenwildpopulationen

Nicht nur die Wohnbevölkerung hat zugenommen, sondern gleichzeitig auch die Schalenwild-Bestände. Schätzte man den Rehwild-Bestand 1950 gemäss eidgenössischer Jagdstatistik auf knapp 20 000 Tiere, sind es heute über 40 000.

Ähnlich sieht es prozentual beim Rotwild und den Wildschweinen aus. Diese Tierarten profitieren von den verbesserten Lebensbedingungen durch den modernen Waldbau und, bei den Wildschweinen, vom grossflächigen Anbau von Mais.

Mit den Bewegungsjagden erfüllen Jägerinnen und Jäger die Abschusspläne und produzieren dabei Wildfleisch, ein hochwertiges Nahrungsmittel aus nachhaltiger Nutzung. Ohne Bejagung würden sich beispielsweise Pflanzenfresser wie Reh- oder Rotwild in unserer Kulturlandschaft stark vermehren und Bäume im Wald schädigen.

Wildschweine könnten ihren Bestand ohne Jagd übers Jahr sogar verdreifachen. Dadurch wären landwirtschaftlich genutzte Flächen bedroht. Aber auch anpassungsfähige Räuber wie der Fuchs könnten ohne Jagd die sowieso stark bedrohten Kleinsäuger und bodenbrütende Vogelarten regional auslöschen.

Rücksichtnehmen ist gefragt

Früher konnte Pirsch, Ansitz und Treibjagden meist in völliger Ungestörtheit ausgeübt werden und wenn einem auf der Jagd jemand begegnete, waren es in der Regel ein Bauer, Pilz- oder Beerensucher. Alles Naturnutzer auf Augenhöhe. Das ist heute vorbei. Denn die Zeiten haben sich definitiv geändert. Wald und Flur ist schon lange nicht mehr des Jägers Königreich, sondern Teilen ist angesagt.

Der Wald dient heute als Naherholungsgebiet für Reiter, Spaziergänger mit Hunden, Jogger, Pilzsucher, Orientierungsläufer usw. Gerade während den Herbstjagden, wenn sich an einzelnen Tagen eine Grosszahl von Jägern in den Wäldern befinden, können Interessenskonflikte verschiedener Bevölkerungsgruppen und ihrer Nutzungsansprüche an den Wald mit denen der Jäger kollidieren.

Deshalb gilt für alle Waldbenützer, statt sich ärgern und die Faust im Sack zu machen, suchen sie bei ihrem nächsten Herbstspaziergang das Gespräch mit den Jägern und lassen sie sich den Zweck und Nutzen der Jagd vor Ort erklären.

Sicherheitsvorkehrungen erhöht

Durch die Zunahme der Waldbenutzer wurden bei den Jagdgesellschaften in den letzten fünfzehn Jahren die Sicherheitsvorkehrungen massiv erhöht. Das beginnt bei klaren Vorgaben des Jagdleiters an die Jäger wie sie sich zu verhalten haben, welche Tiere zum Abschuss freigegeben werden und vor allem welche Schiesskorridore benutzt werden dürfen.

Dann bestehen von den Jagdgesellschaften erlassene Vorschriften über die Bekleidung der Jäger. Eine Warnweste ist mittlerweile Minimalbedingung um an der Jagd teilnehmen zu können. Im weiteren werden überall Signale gestellt um die Waldbenutzer auf die laufende Jagd aufmerksam zu machen.

Mit all diesen Massnahmen soll diesen Veränderungen Rechnung getragen werden und eine problemlose Durchführung der Jagden garantieren.