Der Aufmarsch: grossmächtig. Die Diskussionsfreudigkeit: beachtlich. Das Resultat: voraussehbar. 164 stimmberechtigte Fulenbacherinnen und Fulenbacher wollten am Dienstagabend dabei sein, als über die Zukunft einer fast 190'000 m2 grossen Fläche entschieden wurde. Auf der nämlich sollen knapp 1,7 Mio. m3 Kies abgebaut werden. Die Wiederaufforstung des Gebiets versteht sich von selbst. Rund 11,5 Mio. Franken würde der Abbau im Laufe der Jahre 2026 bis 2050 in die Gemeindekasse spülen. Das ist, Stand heute, mehr als das zweimalige jährliche Steueraufkommen der Einwohnergemeinde. Etwas plakativ ausgedrückt drehte sich also vieles um die Frage: Wald oder «Kies»?

Wie das offizielle Fulenbach den möglicherweise anrollenden «Kies» zu verwenden gedenkt und welche Bedeutung er diesem beimisst, machte Gemeindepräsident Thomas Blum in seiner Botschaft klar: «Der Gemeinderat sieht mit dem nun beabsichtigten Kiesabbau eine einzigartige Möglichkeit, die Gemeinde langfristig in ihrem Bestand und in ihrer möglichen und nachhaltigen Weiterentwicklung zu sichern.» Ja mehr noch: Ein Teil dieser Erträge ab 2026 soll, basierend auf einem strategischen Ausrichtungsentscheid des Gemeinderates, auch für einen allfälligen Bau von Kultur- und Sportinfrastruktur zur Verfügung stehen.

Skepsis befeuert

Wohl nicht zuletzt dieser Vorschlag befeuerte die Skepsis bezüglich Kiesabbau zusätzlich. Denn im Vorfeld waren die drei grössten Vereine im Dorf (Harmoniemusikgesellschaft, Sportclub und Turnverein) zu einer Infoveranstaltung eingeladen worden, weil das Projekt auch ein Generationenprojekt sei. «Es wurde dabei nichts versprochen, auch keine Turnhalle», so Blum an die Adresse der Versammlung.

Nun ja. Der Diskussionsfreudigkeit tat dies keinen Abbruch. «Auf den ersten Blick ist das Angebot verlockend», erklärte Umberto Somaini, der durch das Projekt allerdings den Naherholungsort Wald bedroht sah, auf Nichteintreten plädierte und schon mal Applaus einheimste. Selbiges galt für das Votum von Urs Wyss, der den fraglichen Waldabschnitt, entgegen den Äusserungen Blums, in seinem Bestand nicht als überaltert einschätzte. Auch jenes von Paul Jäggi-Conrad bekam Beifall. Der sah unter anderem das potenzielle Kiesgebiet in seiner Funktion als wichtiges Ökosystem bedroht. Auch Alberto Schneebeli votierte für Nichteintreten. Das Dorf sei von Wald umgeben und an der Aare liegend: ein positives Alleinstellungsmerkmal. Andern wiederum missfiel die stets im Raum schwebende Verquickung von Kiesgeld und möglichen Bauprojekten.

Die Befürworter hielten sich erst zurück. Heinz Baumgartner schiesslich gab zu bedenken, dass alle Kies bräuchten, Lukas Gaugler schlug in die selbe Kerbe. Remo Zamarian sprach von einer Güterabwägung und einer Chance für Fulenbach. Gleichzeitig versuchte er Bedenken zu zerstreuen, wonach den grössten Vereinen im Dorf irgendwelche Versprechungen abgegeben worden seien.

Eintreten befürwortet

Die Rückweisungsanträge fielen durch: Mit 88 zu 64 Stimmen wollte eine Mehrheit das Geschäft behandelt sehen. Die folgende Detailberatung allerdings brachte keine wesentlich neuen Aspekte und wohl auch keinen Meinungsumschwung mehr hervor. Fragen zum Gestaltungsplan beziehungsweise solche zum Abbaukonzept konnten nicht beantwortet werden, weil dieser noch nicht vorliegt. «Ein übliches Verfahren im Kanton», so Blum.

Aber dass der Kanton die Kontrollfunktion über das im Zuge der Wiederaufforstung verwendete Auffüllmaterial wahrnehme: klar. Dass es eine Rückversicherung gäbe, falls einer der Vertragspartner bankrott ginge: klar. Dass sich schliesslich der Antrag aus der Versammlung durchsetzen würde, einen so bedeutsamen Entscheid an der Urne zu fällen und nicht den 146 Anwesenden (knapp 12 Prozent aller Stimmberechtigten) zu überlassen: auch klar. Anträge dieser Art kommen fast immer auf das notwendige Quorum von einem Drittel der Anwesenden.

Das war auch in Fulenbach nicht anders. 77 Anwesende votierten für eine Urnenabstimmung. Damit war das Thema erledigt. Wann genau die Abstimmung sein wird, vermochte Blum nicht zu sagen. Aber er stellte ein sauberes Abstimmungsdossier in Aussicht.

Budget ging glatt durch

Zuvor hatte die Versammlung das Budget 2019 einstimmig verabschiedet. Bei einem Investitionsvolumen von knapp 320'000 Franken und einem Ertragsüberschuss von 232'000 Franken genehmigte der Souverän auch den unveränderten Steuerfuss von 110 Prozent für natürliche wie juristische Personen. Der Ertragsüberschuss ist auf Einnahmen aus Landverkäufen zurückzuführen.

Der Selbstfinanzierungsgrad liegt bei gut 114 Prozent. «Das heisst, die Nettoinvestitionen können wir aus eigenen Mitteln finanzieren», so Verwaltungsleiter Jörg Nützi. Ebenso gutgeheissen wurden eine Teilrevision der Gemeindeordnung (Zusammenlegung der Entsorgungs-, Natur- und Umweltkommission mit der Forst- und Allmendkommission) sowie ein Kredit zur kompletten Erneuerung des Verbandsreservoirs Buechban über 2,29 Mio. Franken. Fulenbach wird einen Anteil von rund 115'000 Franken zu leisten haben.