Auf einem Flyer, der im Herbst in der Gemeinde Kappel verteilt wurde, warnte ein unbekanntes Opfer vor einem Pädophilen, der es angeblich auf kleine Jungs abgesehen hat: «Liebe Gemeinde Kappel, bitte passen Sie auf Ihren Nachwuchs auf! Manuel S. in Kappel hat sich an kleinen, wehrlosen Jungen vergriffen (...).»

Laut «Blick» erhielt Manuel S. von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau einen Strafbefehl wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind unter 16 Jahren. Ausserdem sollte der Solothurner eine Busse von rund 3700 Franken bezahlen. So lautete das Urteil.

«Wir haben delegierte Ermittlungen in Auftrag gegeben und sind gestützt auf diese Ermittlungen zum Schluss gekommen, dass der Tatbestand der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind erfüllt ist», erklärt Fiona Strebel, Mediensprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft auf Anfrage.

Der Strafbefehl bezog sich auf Taten im Dezember 2002 und im Jahr zuvor. Das Opfer war 12 und 13 Jahre, als es missbraucht wurde, gab dieses an. Sexualdelikte an Kindern zwischen 12 und 16 Jahren verjähren laut Gesetz nach 15 Jahren. 

Drohende Verjährung

Der Strafbefehl wurde am 15. Dezember 2017 und damit gerade noch innerhalb der Verjährungsfrist erlassen. Warum dauerte es so lange, bis die Staatsanwaltschaft agierte? Das hat damit zu tun, dass sich das Opfer erst Ende Oktober 2017 bei der Kantonspolizei meldete.  «Bei der Staatsanwaltschaft landete der Fall Mitte November auf dem Tisch», so Fiona Strebel. «Wir haben sofort gesehen, dass die Verjährung droht. Wenn der Beschuldigte keine Einsprache erhoben hätte, wäre der Strafbefehl rechtskräftig geworden», sagt die Medienbeauftragte.

Durch die Beschwerde lief die Verjährungsfrist weiter und die Verjährung trat Ende 2017 ein. Die Staatsanwaltschaft stellt das Strafverfahren ein. 

Manuel S. bestreitet Vorwürfe

Der Beschuldigte hat laut Staatsanwaltschaft nicht gestanden. Bereits im Herbst bestritt Manuel S. gegenüber TeleM1 den Vorwurf, ein Kinderschänder zu sein. «Ich kann mir nicht vorstellen, von wem das kommt, ich kann mich auch an keinen Vorfall erinnern, der das rechtfertigen würde», erklärt S. «Ich bin kein Pädophiler und war es auch nie.»

Der heute 33-Jährige schrieb letzten Sommer mit seiner Organisation «Retter ohne Grenzen» als falscher Sanitäter Schlagzeilen, ausserdem machte er vor zwölf Jahren als Feuerteufel die Stadt Aarau unsicher. Unter anderem legte er in einer katholischen Kirche Feuer. (ldu/hts)

2018: «Kinderschänder» Manuel S. wehrt sich gegen Pädophilie-Vorwürfe

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