Mein Olten
Vorsichtig optimistisch

Lukas Lütolf, Olten
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Heute ist Silvester. Der Tag am Ende eines jeden Jahres, an welchem die vergangenen 365 Tage mit «Das ging ja so schnell vorbei», quittiert werden. Oft gepaart mit wunderbaren Vorsätzen fürs neue Jahr, die spätestens eine Woche danach wieder vergessen sind. Das kann man belächeln, doch die Idee dahinter ist nicht so verkehrt: Es geht grundsätzlich um eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Vergangenen und einer Weichenstellung für die nahe Zukunft. Eine Selbstreflexion, die in dieser Form eigentlich mehrmals pro Jahr stattfinden sollte.

Seien wir ehrlich, das letzte Jahr war wirklich das genaue Gegenteil eines gelungenen Starts in die «Golden Twenties» dieses Jahrhunderts. Es gibt nicht vieles schönzureden. Schlagartig wird ein grosser Lebensinhalt von uns Menschen – miteinander Zeit zu verbringen – zur epidemiologischen Sünde. Wir müssen uns unangenehmen Fragen stellen, es geht bis hin zur Abwägung von Menschenleben gegen scheinbar wirtschaftliche Interessen und Vertrauensverluste in die Wissenschaft. Keine einfachen Themen, nicht gerade förderlich für eine euphorische Stimmung beim diesjährigen Anstossen im engsten Familienkreis. Gerade deshalb sind wir auf die wenigen guten Nachrichten angewiesen, die trotz allem Mut machen fürs neue Jahr.

Eine gute Nachricht in diesem Dezember war für mich die Durchführung der 23 Oltner Sternschnuppen. Anfangs noch mit anwesenden Zuschauern – innen in der Schützi sowie Livestreams in den Kinos Capitol und KINOKONI, anschliessend nur noch online auf Youtube – schafften es 23 verschiedene Oltner Kulturveranstalter, gemeinsam ein eindrückliches Programm auf die Beine zu stellen. Dank des Streams konnte ich die Sternschnuppen sogar wochentags auswärts von meinem Zivildiensteinsatzort in der Romandie aus geniessen. Zusätzlich konnte die Musikschule von der bestehenden Infrastruktur profitieren und auch ihren Schülerinnen und Schülern noch einen (Online-)Auftritt ermöglichen. Allen Widrigkeiten zum Trotz wurden schnell und kreativ Lösungen gesucht, um unser Stadtleben nicht ganz verstummen zu lassen.

Dass in Olten Menschen leben, die nicht verzagen und konkrete Taten folgen lassen, hat bereits der letzte Frühling gezeigt. Als Reaktion auf den Lockdown wurde innert Tagen eine Plattform für Nachbarschaftshilfe, genannt «olteneinfach», auf die Beine gestellt: Diese bietet Einkaufsdienste für Risikogruppen, Hilfe bei der Kinderbetreuung oder ein offenes Ohr für einsame Menschen (natürlich Covid konform) an – alles getragen von freiwilligen Oltnerinnen und Oltnern jeglichen Alters. Die Menschen in Olten haben bewiesen, dass sie auf Krisen reagieren können. Das macht mir Mut.

Wie anfangs erwähnt, gehören zu Silvester neben der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zusätzlich die Vorsätze fürs neue Jahr. Es warten die Bewältigung der Pandemie und ihre längerfristigen Auswirkungen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich. Dort hat leider auch die Klimakrise nicht geschlafen: Es wird wärmer und wärmer und UN-Generalsekretär Antonio Guterres spricht bereits von einem notwendigen «Klimanotstand» für alle Mitgliedstaaten. Das sind grosse Herausforderungen, die über Olten hinausgehen. Und doch sind wir ein Teil des Ganzen und daher mitverantwortlich. Dank aktiven Oltnerinnen und Oltnern bin ich zuversichtlich, dass unsere Stadt ihren Teil beiträgt, diese Hürden zu meistern.

Ich wünsche Ihnen eine gute Portion Optimismus und Tatendrang fürs neue Jahr – zum Wohl!