Oltner Schulfest
Vor 200 Jahren wurden Noten öffentlich verlesen

Das Oltner Schulfest fand 1816 mit 159 Schülerinnen und Schülern zum ersten Mal statt.

isabel Hempen
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Schulfest 1927, Umzug auf der Frohburgstrasse Richtung Bahnhofbrücke.

Schulfest 1927, Umzug auf der Frohburgstrasse Richtung Bahnhofbrücke.

F. Stuessi

Das traditionelle Oltner Schulfest fand erstmals am 9. September 1816 statt. Als 1815 in Olten eine neue Schulordnung in Kraft trat, wurde ein Schulrat von sieben Mitgliedern ernannt. Dessen Aufgabe war es, die Schulkinder von Zeit zu Zeit zu prüfen. Die wichtigste dieser Prüfungen war das Examen im Herbst. An diese mehrtägige Prüfung schloss noch eine öffentliche Prüfung an. Im Rathaus — vor dem versammelten Schulrat und in Gegenwart der Behörden und Eltern — mussten die Schüler öffentlich Rechenschaft ablegen darüber, was sie im vergangenen Schuljahr gelernt hatten.

Mit der öffentlichen Prüfung war das Schuljahr aber noch nicht beendet, denn am Sonntag nach dem Examen fand in der Stadtkirche die «Ehrenmeldung» statt. Die Noten aller Schüler wurden öffentlich verlesen und die Preisträger mit einer Ehrengabe ausgezeichnet.

Danach erwartete die Schüler ein Fest. Die gesamte Schuljugend – damals 159 Schüler – belustigte sich beim Ballspiel auf der noch völlig unbebauten Hagmatte. Am Abend versammelten sich die Knaben im Schützenhaus in der Schützenmatte, die Mädchen im Schulsaal an der Marktgasse zu einem Abendessen. Ab 1823 wurden die Schüler im Gasthaus «Zum Mond» verpflegt, ab 1829 dann abwechselnd auch im Gasthaus «Zur Krone».

Obligate Kadettenmanöver

Ab 1835 führten die Kadetten den Umzug vom Rathaus aus an. 1838 zog man nach dem Essen ins Lager der Kadetten auf Burg Hagberg, wo neben dem Schlossfelsen ein Tanzboden errichtet worden war.

Als mit wachsender Bevölkerung das Schulfest immer grösser wurde, musste 1843 der öffentliche Tanz ins Schützenhaus verlegt werden. Damit war der Rahmen geschaffen, der noch heute den Ablauf des Schulfestes bestimmt. Die obligaten Kadettenmanöver wurden nach dem Ersten Weltkrieg fallen gelassen.

Zudem wurde, weil das Schulfest von 1920 wegen der ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche vom Regierungsrat verboten, dasjenige von 1922 aber wegen der durchgeführten Schulreisen ausgelassen worden war, von nun an nur noch alle zwei Jahre ein Schulfest gefeiert. Der Festakt in der Kirche mit Ehrenmeldung wurde 1836 dahingehend abgeändert, dass nun jeder Schüler ein schriftliches Zeugnis ausgehändigt erhielt.

Zwischen 1816 und 1914 wurde das Schulfest nur dreimal abgesagt, 1870 wegen des Deutsch-französischen Krieges, 1875 wegen einer Scharlachepidemie und 1910, weil die Schützenmatte unter Wasser stand. Die Schulfeste von 1915 bis 1918 fielen dem Ersten Weltkrieg zum Opfer. Seit 1923 ist das Schulfest erst ein Mal ausgefallen: 1941 wegen der bedrohlichen Lage im Zweiten Weltkrieg.

Quelle: Martin Eduard Fischer, Olten. Werden und Wachsen einer Kleinstadt, Walter-Verlag, 1987.

Erstes Schulfest 1816

Angenehmes Wetter trotz Jahr ohne Sommer

Am 5. April 1815 begannen beim Vulkan Tambora auf dem indonesischen Archipel die ersten heftigen Eruptionen, die vorerst bis am 15. April andauerten und sich später wiederholten. Es war der gewaltigste Vulkanausbruch, der in seinen Ausmassen und Folgen weit grösser war als der Krakatau-Ausbruch vom 27. August 1883. Die Explosionswelle reichte bis in eine Höhe von 45 Kilometern und beförderte einen grossen Teil der Gesteinsschichten des Vulkans in die oberen Teil der Atmosphäre. Höhenwinde verteilten die Gas- und Schwebepartikel über Asien, Europa bis nach Nordamerika. Die Aerosole verminderten die Sonnenstrahlung, verursachten eine globale Abkühlung. Das anschliessende Jahr 1816 ging dann als das «Jahr ohne Sommer» in die Klimageschichte ein, mit häufigen Regenfällen, Überschwemmungen und zeitweisen Schneefällen bis in tiefere Lagen. Aus der Temperaturreihe von Basel, die im Jahr 1755 begann, ergibt sich die bisher tiefste Mitteltemperatur des Sommers von 1816 mit 14,4 Grad.
Das erste Oltner Schulfest fand in diesem sommerlosen Jahr 1816 statt, allerdings erst am 9. September. Dies bei trockenem und angenehmem Wetter. Damals war wohl der Beginn des Wetterglücks. Das Schulfest konnte nämlich nur in einem Jahr, am 10. Juli 1910, wegen des schlechten Wetters nicht stattfinden – die Schützenmatte stand damals unter Wasser. (kfo)