Kinderfasnacht Olten

Von Risotto-Affen, Tee-Löwen und Konfetti-Räubern

«Es isch de heiss!» Der meistgehörte Imperativ am Kinderumzug in Olten. Und damit ist nicht etwa ausschliesslich die Stimmung gemeint, sondern auch der Risotto, der danach kiloweise schnabuliert wird.

Ganz gleich ob als Affe, Löwe, Prinzessin, Clown, Räuber, Polizist oder Wolf im Schafspelz verkleidet; was alle diese Oltner Kinderfasnachtsfiguren jedes Jahr eint: Am Schluss landen sie vor dem grossen Risotto-Topf auf dem Ildefonsplatz. Dieser Umstand hat sich schon so eingeschliffen, dass der offizielle Fasnachtsführer in diesem Zusammenhang von «heissem Tee und legendärem Risotto» spricht.

30 Kilo Reis haben die beiden Risottieri Manfred Fink (Tannzapfe) und Toni Schenker (Höckeler) «zwäg gmacht», wie sie sagen. Oder andersrum: «Das sind rund 600 Portionen, das reicht eigentlich immer», wie Fink bemerkt. Aber weil diese Fasnacht in die Ferien fällt und weniger Naaren erwartet werden, hat das Duo die Menge Reis um 5 Kilo reduziert. Zu Recht, wie sich zeigen wird.

Oltner Fasnacht 2018: Buntes Treiben am Kinderumzug

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Der Umzug fällt deutlich dünner aus als üblich. Aber doch immer noch werden zum Reis viereinhalb Liter Olivenöl, vier Kilogramm Lauch, anderthalb Kilo Petersilie oder etwa anderthalb Kilo Steinpilze verarbeitet. Von den 120 Litern Bouillon noch nicht mal zu reden. Das ganze Rezept wollen die zwei alten Risottieri mit insgesamt 35-jähriger Erfahrung aber dann doch nicht preisgeben. Man versteht. Und dass Beat Soland (Papapalagi) derweil noch als Sommelier für 120 Liter Tee wirkt, sei am Rande auch erwähnt.

Halbstündiger Umzug

Schon lange bevor sich der Naarenzug mit Obernaar Rahel an der Spitze im Sälipark bei leichtem Schneegestöber formiert und kurz nach 14 Uhr in Bewegung setzt, lässt das Männertrio ab 12 Uhr seinen Kochkünsten freien Lauf, damit die potenziellen Risotto-Affen und Tee-Löwen nach dem gut halbstündigen Umzug auf ihre Rechnung kommen. «In der Regel sinds bei guten äussern Bedingungen zwischen 2000 und 3000 Umzugsteilnehmer», ruft Fukorat Sepp Zihlmann dazwischen.

Was sich neben Tee und Risotto ebenso eingebürgert hat: Bereits kurz nach 13 Uhr sind Grosseltern, Onkel und Tanten, Vettern, Gotten und Göttis, am Rand der Umzugsroute in Position gegangen, um auf ihre Hauptdarsteller zu warten, worunter sich auch die notorischen Konfetti-Räuber befinden, die mit unschuldiger Miene Konfettihaufen vom Boden aufnehmen und werfend der Wiederverwertung zuführen. Auch gegen die eigenen Verwandten übrigens. Und ganz dreiste und in die Konfettischlacht vertiefte Räuber greifen auch schon mal in fremde Konfettitaschen. Ja klar, schon im Kochbuch heissts doch: Man nehme...

Larve weg

Aber wie gesagt: Schliesslich sind sie alle wieder vereint vor der Risottobude, wo es von wohlmeinenden Müttern oder Vätern heisst: «Es isch de heiss!» Dann ordnen die Konfetti-Räuber jedwelcher Couleur ganz schnell ihre farbigen Papiere zu adretten Reservehaufen auf Mauervorsprüngen, lüften die Risotto-Affen flugs ihre Larven und die Tee-Löwen entledigen sich ihrer Krallen bewehrten Maskerade-Pranken, um den Teebecher sicher in Händen halten zu können.

Dann kehrt so etwas wie Ruhe ein; irgendwo spielt noch eine Gugge einen Hit aus den 1980er-Jahren und Obernaar Rahel küsst Ex-Obernaar MacSven. «Ich glaub, denen ist der Risotto samt Tee egal», sagt einer und wirft seinen leeren Teller samt Besteck in die Mülltonne.

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