Franziska Müller, 54, sitzt am langen Esstisch in ihrem Haus beim Meierhof, den aufgeschlagenen Laptop vor sich. Die offene Küche blitzt vor Sauberkeit, kein Stäubchen ist zu sehen, Zufälliges oder Überflüssiges liegt nicht herum. Das anschliessende Wohnzimmer wirkt ebenso clean. Am Bildschirm öffnet sie die Internetseite swisstraveler.net, ihren Blog.

Hier beschreibt sie auf Englisch ihre Luxusreisen und Fine-Dining-Erlebnisse. Fünf Reisen unternehmen sie und ihr Mann im Schnitt jedes Jahr, die drei längeren dauern mindestens zwei Wochen. Zahlreich sind die Destinationen, die sie auf der ganzen Welt schon besucht haben – Dubai, Hongkong, Simbabwe, Singapur, die Liste ist lang. Manche Restaurants, die sie rezensiert, befinden sich auch in der Region, etwa die ehemalige «Felsenburg» in Olten oder das «Lampart’s» in Hägendorf.

Sie überlässt nichts dem Zufall

Ihre Reisen beginnt sie «Monate vorher» zu planen. Wenn sie gerade Zeit habe, suche sie nach Hotels und Restaurants, das sei ein richtiges Hobby. «Ich recherchiere sehr gerne», sagt sie. Von zu Hause aus buchen sie und ihr Mann sämtliche Hotels und Restaurants der oberen Preisklasse, die sie auf der Reise besuchen werden: «Wir verlassen uns nicht auf den Zufall.»

Nie würde sie spontan irgendwo anhalten und finden: Hier könnten wir jetzt essen. «Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass man oft reinläuft und das Restaurant nicht passt.» Sie erinnert sich an einen Aufenthalt in Paris, das Internet habe es noch nicht gegeben. Um drei Uhr nachmittags hätten sie und ihr Mann wieder im Hotel sein müssen, um in der Umgebung die Restaurants abzulaufen und zu bestimmen, welches fürs Abendessen infrage käme.

Ihr Hobby – als weitere Freizeitbeschäftigungen nennt sie Group Fitness und Lesen – ist eine kostspielige Angelegenheit. Müller ist nicht berufstätig; als sie vor 23 Jahren Mutter eines Jungen wurde, hörte sie auf zu arbeiten. Ihr Mann Marcel ist jedoch bei der Bank tätig, in einer guten Position, «wir sind gut situiert». Sie wohnten gerne schön und ässen gerne gut. Für andere Dinge hingegen gäben sie wenig Geld aus.

Sie schreibt fast täglich

Ihren Blog swisstraveler.net startete Müller 2009. «Zuvor hatte ich bereits auf Tripadvisor Kritiken geschrieben, die sammelte ich anfangs auf meinem Blog.» Als sie 2012 eine Ausbildung zur Lehrerin machte, setzte sie das Bloggen drei Jahre lang aus. Da ihr der Beruf nicht lag, gab sie ihn bald wieder auf. Und nahm sich vor, das Schreiben nun ernsthafter zu betreiben. Auf Englisch, hatte sie für die Lehrerausbildung doch gerade die Proficiency-Prüfung abgelegt.

«Praktisch täglich» beschäftigt sie sich mit dem Blog. «Ich recherchiere Hintergrundinformationen und versuche, möglichst fundiert zu berichten», sagt sie. Geld macht sie nicht damit, dafür hat sie zu wenig Follower:
58 sind es derzeit auf Facebook, 60 auf Twitter, 80 auf Instagram. Monatlich verzeichne ihre Seite rund 3000 Zugriffe.

Sie mag es komfortabel

Als Lieblingsdestination nennt sie die USA, das Land, von dem sie schon als Kind träumte. Auch Indien sei sehr eindrücklich, die Hochzeitsreise ging dahin. Sonst seien ihr Reiseziele am liebsten, die etwas abseits vom Massentourismus liegen. In Griechenland oder Thailand sei sie beispielsweise noch nie gewesen.

Bei Freunden komme ihr Blog zum Teil nicht so gut an: «Sie sagen es nicht, aber sie denken wohl, ich möchte angeben damit.» Doch sie und ihr Mann hätten es eben gerne komfortabel. «Dafür sind wir vor Ort immer zu Fuss unterwegs. Da erlebt man automatisch Dinge und sieht, wie die Leute leben.» Streetfood probiere sie indes «weniger» und Backpacken sei nicht ihr Ding: «Wir sind nicht geschaffen dafür, in irgendwelchen Unterkünften zu hausen.»