Olten
Von Klassik bis zu Musicalsongs: Zwei junge Musiker mit virtuoser Vielfalt

Klassik, Volkslieder und Musicalsongs: Das Duo Facettenreich brilliert in einem abwechslungsreichen Konzert im Oltner Stadttheater.

Peter Kaufmann
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Sängerin Michaela Gurten und Pianist Jean-Jacques Schmid überzeugten im Stadttheater als Duo Facettenreich mit grosser musikalischer Bandbreite.

Sängerin Michaela Gurten und Pianist Jean-Jacques Schmid überzeugten im Stadttheater als Duo Facettenreich mit grosser musikalischer Bandbreite.

Remo Fröhlicher

Heiteres Liebesgeplänkel am Wolfgangsee: Mit einem Medley aus der Erfolgsoperette «Im weissen Rössl» von Ralph Benatzky überraschte das Duo Facettenreich zum Auftakt des Konzertes im Oltner Stadttheater vom vergangenen Samstag. Die Themen Liebe und Gefühle zogen sich denn auch durch den ganzen Abend. Doch musikalisch führte der populäre Einstieg auf eine falsche Fährte. Die junge Sängerin Michaela Gurten und der Pianist Jean-Jacques Schmid stellten nämlich in 75 kurzweiligen Minuten vorab Trouvaillen aus verschiedensten musikalischen Welten vor. Wagemutig kombinierten sie Lieder, Songs, Chansons und klassische Musikstücke und boten sie so facettenreich an, wie es der Name des Duos verlangt. In drei thematisch abgestimmten Teilen und sieben verschiedenen Sprachen stellten sie im neuen Tourneeprogramm «Amethyst» strahlende kleine und teilweise auch seltene Kostbarkeiten vor, wie es der Titel des Konzerts verheisst mit seinem Verweis auf den violetten Edelstein, der unter anderem auch zum Meditieren dient.

Klassisch-romantische Lieder

Vom Glück, von der Liebe und vom Hereinbrechen des Frühlings handelten zwei bei uns eher selten zu hörende Lieder des russischen Komponisten Sergej Rachmaninow. Die beiden hochromantischen Lieder «Du meines Herzens Krönelein» und «Zueignung» von Richard Strauss gehören allerdings auch ins Repertoire vieler Gesangskünstler. In ihrer zurückhaltenden Interpretation verströmte die ehemalige Walliser Primarlehrerin Michaela Gurten viel Charme und Intensität. Dieser Gesangsteil mit klassisch-romantischen Liedern schloss mit einem der schönsten Songs von Samuel Barber ab: «Sure On This Shining Night» ist oft auch in einer Chorversion zu hören. Es ist daher sicher kein Zufall, dass die Sängerin diese Liedkomposition ausgewählt hat, leitet Michaela Gurten doch in ihrem Hauptberuf unter anderem den Projektchor Olten und den Kinder- und Jugendchor Olten/Starrkirch-Wil.

Ihre Sprachfertigkeit zeigte die junge Sängerin auch mit der italienischen Freundschaftshymne «Un Amico è così» und je einem in den Originalsprachen gesungenen, traditionellen Volkslied aus Japan und Norwegen. Zum Höhepunkt des Abends aber wurden zwei gefühlvolle berndeutsche Songs über Einsamkeit und Hoffnung, die beschwingt und doch nachdenklich vorgetragenen Pop-Balladen «Scharlachrot» und «Nachtgänger» von Patent Ochsner. Hier kamen die darstellerischen Qualitäten von Michaela Gurten hervorragend zur Geltung. Aber auch der Berner Pianist Jean-Jacques Schmid zeigte besondere Fähigkeiten: Mit der linken Hand griff er beim Intro direkt in die Saiten des Flügels und bespielte das Instrument so als Harfe. Später dann noch mehr Patent Ochsner: Der Liebessong «Ich schwöre» von Büne Huber in der walliserdeutschen Version von Sina beendete als Zugabe das gehaltvolle Konzert.

Prüfstein Musicalsongs

Zuvor kam indes noch ein Block mit Musicalsongs, hat Michaela Gurten doch in München eine fundierte Musicalausbildung absolviert und arbeitet in diesem Fach oft auf der Bühne. «Momente» aus dem Kindermärchenmusical von Stephen Sondheim, die Liebesballade «On My Own» aus dem Musical «Les Misérables» und die weniger bekannte Irrenhaus-Ballade der Sissi aus dem Musical «Elisabeth» führten zum Schlussmedley, das einen Prüfstein für jede Sängerin enthielt. «Don’t Cry For Me Argentina» aus Lloyd Webbers Musical-Welterfolg «Evita» ist bereits von so vielen berühmten Sängerinnen gesungen worden, dass man befürchten muss, es könne es wohl niemand mehr besser machen. Kann man wohl: Michaela Gurten nahm die Lautstärke des Ohrwurm-Refrains zurück und ganz zum Schluss überliess sie diesen Part ganz ihrem Partner am Klavier.

Zwischen den dominierenden Gesangsteilen spielte Jean-Jacques Schmid mit kraftvollem Anschlag und akzentuiert perlenden Läufen drei klassische Klavierstücke, die Ungarische Rhapsodie Nr. 6 in Des-Dur von Franz Liszt, das Impromptu Nr. 5 h-Moll von Jan Sibelius sowie eine Pianotranskription der Arie «Largo al Factotum» aus dem «Barbiere di Siviglia». Bei den Aufführungen einer schweizerdeutschen Fassung der beliebten komischen Oper von Gioachino Rossini, hätten sie sich kennen gelernt und sogleich zu einer Zusammenarbeit gefunden, verriet Pianist Schmid in einer kleinen Ansage. Ein Zusammentreffen, das sich künstlerisch gelohnt hat.