Als er noch im Parlament war, ist er manchmal von der Mehrheitsmeinung der FDP-Fraktion abgewichen. Nun tut er es erneut: Thomas Rauch tritt als wilder Kandidat der Freisinnigen zu den Stadtratswahlen vom kommenden März an. Er wolle sich als «unabhängige Kraft» zur Verfügung stellen, wie es in einer Mitteilung heisst. Der international erfahrene Volkswirtschafter und Finanzanalyst will das Wirtschaftsprofil seiner Partei stärken, das er bei den Freisinnigen und einer Mehrheit der Kandidaten derzeit nicht vorhanden sieht.


Er begründet das Interesse am Stadtratsamt mit der gemachten Erfahrung aus seiner Zeit als langjähriger Gemeinderat: «Wenn man als Politiker in Olten etwas direkt bewirken will, muss man in die Exekutive.» Und er sei es von seinem Job her gewohnt, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Olten habe in der Vergangenheit insbesondere darunter gelitten, dass wichtige Entscheide auf die lange Bank geschoben worden seien. Zudem verfüge er über die nötige Fach- und Führungserfahrung für eine erfolgreiche Ausübung des Amtes.

Der 51-Jährige hat die Partei vorgängig nicht offiziell informiert. Rauch machte dem Vorstand aber immer klar, dass er wild kandidieren werde, sofern keine wirtschaftsnahe Bewerbung mit Erfahrungen in der Privatwirtschaft erfolgt. An der Nominationsversammlung der FDP Mitte November war er einer von drei Anwärtern für den zweiten Platz neben dem wieder antretenden Stadtrat Benvenuto Savoldelli. Die Mitglieder hoben schliesslich die Präsidentin Monique Rudolf von Rohr in der internen Ausmarchung auf das Zweierticket.


Präsidentin Rudolf von Rohr bestätigt, dass Rauch die Partei über seine wilde Kandidatur vorgängig nicht informiert hat. «Es ist jedem selbst überlassen zu kandidieren, wir nehmen das zur Kenntnis», sagt Rudolf von Rohr, welche just dieses Jahr für den zurückgetretenen Rauch ins Parlament nachgerutscht ist. Ob Rauchs Antritt nun ihre eigenen Chancen schmälert, gewählt zu werden? «Es ist klar, dass jede Kandidatur gewisse Stimmen auf sich vereinigt.» Doch man sei überzeugt, mit den beiden offiziell von der Partei nominierten Kandidaten gute Aussichten auf die zwei angestrebten Stadtratssitze zu haben.


Die FDP hat bereits Erfahrung gemacht mit wild kandidierenden Mitgliedern. 2009 trat Mario Clematide ohne offiziellen Segen der Partei zu den Stadtratswahlen an. Und wurde prompt im zweiten Wahlgang gewählt. Vier Jahre später versuchte er die Bestätigung – wiederum als nicht-offizieller FDP-Kandidat – , und fiel beim Wahlvolk durch. Stattdessen gewählt wurde der von der Partei nominierte politische Quereinsteiger Benvenuto Savoldelli.

Die kommende Stadtratswahl vom 12. März 2017 verspricht nun spannender zu werden als ursprünglich angenommen. Im August konnten die Wähler noch davon ausgehen, dass alle fünf bisherigen Stadträte wieder antreten. Nun schielen aber nach der FDP auch die SVP auf den frei werdenden SP-Sitz von Peter Schafer, der von der eigenen Partei abgesägt wurde. Bisher bekannt sind neun Kandidaten für das Fünfergremium.

Bei den Linken tritt die Grüne Iris Schelbert nochmals an, bei der SP der bisherige Thomas Marbet und Marion Rauber anstelle von Peter Schafer und von der Jungen SP Region Olten Simon Gomm. Bei den Bürgerlichen hat neben dem Stadtpräsidenten Martin Wey von der CVP die FDP den bisherigen Benvenuto Savoldelli und neu Monique Rudolf von Rohr aufgestellt.

Von den Freisinnigen wild antreten wird nun auch der eigentlich nicht nominierte Thomas Rauch. Und die SVP schickt die politische Quereinsteigerin Ursula Rüegg ins Rennen.