Wangen

Von der Vorband zum Hauptact – Rapper Scube will auf die grosse Bühne

Seit heute Dienstag verfügbar: Der Videoclip zu «Öppis Zsäge» von Rapper Scube

Seit heute Dienstag verfügbar: Der Videoclip zu «Öppis Zsäge» von Rapper Scube

Nach «Jeans» folgt heute Dienstag bereits der nächste Videoclip des Rappers Scube aus Wangen.

In seinem Youtube-Video «Jeans» zieht Scube rappend durch Olten. Die Lyrics erzählen seine Geschichte von Geldproblemen, von schlechteren Zeiten – und wie am Ende doch alles gut kommt. Dazu eine Prise Humor und Wortspiel. Denn ganz so ernst sein will Scube nicht.

Er will beides: Ernste Themen ansprechen und doch Spass haben und den Zuhörer zum Lachen bringen. «Zwei Persönlichkeiten auf einmal», sagt er augenzwinkernd.

So wie er gerade vor einem sitzt, gibt es wohl noch eine dritte Persönlichkeit: Soobishanth Suppiah, wie Scube mit bürgerlichem Namen heisst. Seit drei Jahren ist der 28-Jährige Team-Leiter in einem Zürcher Call Center.

Seinem Blick ist abzulesen, dass er bereits eine negative Konnotation erwartet. «Ich will niemandem eine Versicherung andrehen, so läuft das nicht bei uns», sagt er lachend. Dieses Klischee führe leider dazu, dass Call Agent kein wirklich angesehener Beruf sei – zumindest nicht in der Schweiz. «In anderen Ländern wirst du sogar dafür bewundert», fügt er an.

Der Arbeitslosigkeit entkommen

Er ist stolz auf seinen Beruf. Zu Beginn nur als Übergangslösung aus dem Arbeitslosen-Teufelskreis geplant, merkte der gelernte Mediamatiker schnell, dass ihm dieses Berufsfeld nicht nur Spass macht, sondern auch wirklich liegt.

In kurzer Zeit konnte er sich als Call Agent entwickeln und mehr und mehr Verantwortung übernehmen. «Mein Ziel ist es, mit dem, was mir Freude bereitet, etwas zu erreichen, Anerkennung dafür zu bekommen.»

Ganz so unterschiedlich sind sich Scube und Soobishanth Suppiah also doch nicht. «Ich mache Musik, um sie mit der Welt zu teilen. Ich möchte auf einer Bühne stehen, gesehen und gehört werden.»

Ganz einfach der Drang nach Aufmerksamkeit also? Soobishanth «Scube» Suppiah lehnt sich im Stuhl zurück, seine Lippen bewegen sich bereits, bevor er zu sprechen beginnt. Er könne das nicht verallgemeinern, doch würde er behaupten, dass die meisten Rapper, ja, die meisten grossen Bühnenstars egal welcher Musikgattung, in der Schule nicht die Beliebtesten waren. Die Bestätigung, die einem als Kind gefehlt hat, sucht man später umso mehr. «Und auf der Bühne zu stehen, vor einem Publikum, ist das direkteste Feedback, das du kriegen kannst.»

Während er von diesem intensiven Gefühl vor einem Auftritt, während dem Konzert auf der Bühne erzählt, leuchten seine Augen auf. Seine Hände gestikulieren beim Erzählen fast so wild wie in seinem Youtube-Video «Jeans».

Doch es ist nicht «der grosse Fame», der ihn ins Rampenlicht zieht. Seine Lyrics sollen nicht nur bewegen, sie sollen zum Nachdenken anregen, jemandem in einer schwierigen Situation das Gefühl geben, nicht alleine zu sein. Und eben doch ein gewisses Augenzwinkern haben und einfach Spass machen.

Deshalb möchte er auch dabei bleiben, seine ganz persönliche Geschichte in den Lyrics zu verarbeiten und zu teilen. «Ich könnte ja auch einfach auf eines dieser Hype-Themen aufspringen, das würde wohl mehr Klicks bringen. Doch das will ich gar nicht», sagt er und faltet die Hände über dem Tisch.

Soobishanth Suppiah sitzt wieder ganz gerade und spricht ruhiger, ohne zu gestikulieren. Man müsse es einfach «fühlen», die Lyrics müssen «fliessen», sonst wirke das Ganze als Konzept nicht authentisch, irgendwie künstlich. Deshalb rappe er auch auf Schwiizerdütsch und nicht, wie in seinen Anfangsversuchen, auf Englisch.

Seine ersten Versuche als Rapper hatte der ursprünglich aus Sri Lanka stammende Soobishanth Suppiah in seiner Schulzeit im Kanton Bern. Durch seine älteren Brüder hörte er das erste Mal von dieser Musikrichtung.

Völlig begeistert von Biggie, noch heute sein grosses Idol, aber auch von Tupac, Dr. Dre und Eminem, rappte er zu Hause. Alleine für sich, mit Kopfhörern. Um die Texte besser zu verstehen, schrieb er sich seitenweise die gehörten Lyrics auf Papier. Selber geschriebene Stücke nach aussen zu tragen, das kam erst später.

Im Videoclip "Jeans" zieht Scube rappend durch Olten.

Im Videoclip "Jeans" zieht Scube rappend durch Olten.

Prioritäten setzen

Angefangen mit Battle-Rap, zog es «Scube», wie er sich inzwischen nannte, nach der Lehre immer mehr in die Region Olten. Sein Freundeskreis und seine heutige Frau waren in der Region Olten daheim, sein Leben spielte sich immer mehr hier ab.

Er begann, eigentlich nur zum Spass, auf Schweizerdeutsch anstatt auf Englisch zu rappen. Der Schweizer Rap passte zu ihm und blieb. So wie auch seine Wahlheimat Olten. Seit 2010 lebt er in der Region.

Es folgten erste Tracks und Auftritte. So konnte Scube auch als Vorband von Künstlern wie Manillio, Prinz Pi und Greis auftreten. Doch mit der Zeit «verging dieser Moment» für Soobishanth Suppiah, denn es hiess, aus der Schuldenfalle zu entkommen, den Lebensunterhalt zu verdienen. Er ist stolz darauf, diese Prioritäten gesetzt zu haben.

Neuer Videoclip am Start

Heute sind die Hürden von damals überwunden, der 28-Jährige ist als Scube zurück und bereit, für eine neue Herausforderung. Ähnlich wie in seiner beruflichen Laufbahn, ist er auch äusserst ehrgeizig, wenn es um die Musik geht.

Nach dem Release seines gratis erhältlichen Mini-Albums «Jeans» vor knapp einem Monat, ist es bereits Zeit für etwas Neues: Heute Dienstag erscheint das Youtube-Video zu «Öppis Zsäge». Als Geburtstagsgeschenk an sich selbst, wie er erklärt.

Die Hände ruhen noch immer auf dem Tisch. Trägt er seine Brille, ist er nämlich Soobishanth Suppiah. Ohne Brille Scube. So trennt er sein Arbeitsleben von seiner Persönlichkeit als Musiker. «Wie Superman», erklärt er lachend.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1