Fulenbach
Von Choral-Aposteln, Rüpeln, Popmusik und noch ganz anderen Preziosen

Die Harmoniemusikgesellschaft Fulenbach ist heuer 200-jährig; die grossmächtigen Feiern hat die älteste «Musig» im Kanton dem Coronavirus opfern und auf’s kommende Jahr verschieben müssen. Aber ein Baustein des Jubiläumsjahres hat der ganzen Unbill getrotzt. Die Festschrift wurde termingerecht fertig.

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1820–2020: Blick in das gelungene Jubiläumswerk zum 200. Geburtstag der Harmoniemusikgesellschaft Fulenbach.

1820–2020: Blick in das gelungene Jubiläumswerk zum 200. Geburtstag der Harmoniemusikgesellschaft Fulenbach.

Urs Huber

Was hätte dieser Sommer doch nicht alles bringen müssen; Regionalmusiktag, Jugendmusiktag, Fahnenweihe und, und, und. Alles in Fulenbach, wo die örtliche Harmoniemusikgesellschaft ihren 200. Geburtstag hätte feiern können.

Hätte. Aber eben: alles bloss gute und ernst gemeinte Absicht, aber letztlich doch nur Schall und Rauch. Vielleicht gehen die Festivitäten im kommenden Sommer doch noch über die Bühne, wenn die Coronakrise passé ist. Wer weiss das schon. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ein Element

im Jubiläumsjahr liegt vor

Ein Baustein aus der langen Reihe an Aktionen und Attraktionen aber hat dieser Tage die Ziellinie doch überschritten: Die Festschrift nämlich, die vom Verein in Auftrag gegeben wurde und vor allem das jüngste Vierteljahrhundert dokumentieren sollte. «Das war natürlich lediglich die Basis», sagt Stephan Jäggi, Administrator der sechsköpfigen Arbeitsgruppe, die innert zweieinhalb Jahren das Produkt verwirklichte. «Das wäre dem eigentlichen Jubiläum auch gar nicht gerecht geworden.»

Obwohl schon zahlreiche Festschriften zu all den Jubiläen der Musig, wie sie in der neusten Festschrift genannt wird, existieren. Es musste doch ein bisschen mehr sein. Voilà: Mit der aktuellen Festschrift ist jetzt quasi offizialisiert, in welchem Pool die Mitglieder der Musig jeweils nach einem Ständeli ein spontan-erfrischendes Bad nehmen, wo die musikalischen Erfolge gefeiert wurden, welche Aktivitäten ausserhalb des musikalischen Bereichs laufen, warum im Skigebiet von Sedrun ein Fulenbacher-Mast steht, was Musikantinnen über Gott und die Welt denken oder was Prominente zum 200. Geburtstag der ältesten Musikgesellschaft im Kanton Solothurn zu erzählen wissen. Bandleader Pepe Lienhard etwa gibt freudig zu verstehen: «Dass die Harmoniemusikgesellschaft Fulenbach ihr 200-jähriges Bestehen feiern kann, ist schon aussergewöhnlich.» Und der Fulenbacher Fernando von Arb, Gitarrist von Krokus und selbst einst bei der Musig dabei, meint: «Zusammen musizieren ist etwas vom Schönsten. Geniesst diese Zeit!»

Zu insgesamt 14 Kapiteln hat’s schliesslich gereicht, zu handlichen 116 Seiten. «Ich finde, der Verein ist darin gut abgebildet», sagt Walter Kiener, Präsident der Musig und ebenfalls Mitglied der Arbeitsgruppe. «Und nicht nur im positiven, heroischen Licht», wie er nachreicht. «Auch Probleme werden darin angesprochen.» Der Musig nämlich fehlen derzeit etwa Klarinettenstimmen, manchmal gibt’s Schwierigkeiten mit dem nicht konsequenten Probenbesuch, solche wegen des vernachlässigten Übens im stillen Kämmerlein, Uneinigkeiten darüber, ob ein Musikfest besucht werden soll. Ja, die Musig ist ein dynamischer Verein. Und in der Festschrift kommt er als solcher auch zum Ausdruck.

Rom-Reise, noch heute in aller Munde

Dass die Musig vor knapp 20 Jahren auch in Rom weilte und für die Schweizergarde zum 1. August aufspielte: Noch heute eine der vielen bleibenden Erinnerungen und in der Festschrift als der Glanzpunkt zu Beginn der 2000er-Jahre festgehalten. Glanzpunkte? Ja, solche gab’s viele; aber es blieben schliesslich für die Festschrift nur 5 Auserwählte übrig. Jeweils einer für das in 5 Abschnitte segmentierte jüngste Vierteljahrhundert der Musig. Der Besuch des Eidgenössischen Musikfestes in Montreux 2016 gehört dazu, jener am Marché-Concours national de Chevaux in Saignelégier (2012), die beginnenden Kinderkonzerte (ab 2006) und der Auftakt der speziellen Arbeitseinsätze (Mitte der 1990er-Jahre), welche die notwendigen Mittel in die Kasse spülen.

Wer durch die Festschrift blättert, dem fällt auf: Die Harmoniemusikgesellschaft Fulenbach hatte dann und wann Schwierigkeiten, ihre Jubiläen termingerecht feiern zu können. Belege zu einer 25-Jahr-Feier aus dem Jahr 1845 fehlen gänzlich, das 50-Jährige feiert man zwei Jahre zu früh. Die Gründe dafür liegen im Dunkeln. Das 125-Jährige fiel den Kriegszeiten der 40er-Jahre zu Opfer und konnte erst 1946 abgehalten werden. Und eben: Auch das 200-Jährige musste bekanntlich der Coronakrise Platz machen.

Was, wann und wo von der Musig gespielt wurde

Auch an Konzerthistorikerinnen und -historiker hat das Autorenteam gedacht. Sämtliche Literatur der Jahreskonzerte aus den letzten 25 Jahren findet sich in der Festschrift, dazu jene der besuchten Eidgenössischen Musikfeste. Diese Anregung fand schliesslich ebenso Aufnahme im Buch wie der Wortlaut der Originalstatuen des Jahres 1820: «Wenn einer ohne Vorwissen des Musig-Meisters ein Stück anderer Musig fortgibt, so zahlt er für jedes Stück 20 Bz Straf in die Musig-Cassa.» Das waren noch Zeiten.

Und jetzt: Nach zweieinhalb Jahren und einem guten Dutzend strategischer Zusammenkünfte die Bilanz zweier Mitglieder der Arbeitsgruppe: «Wir waren ein gutes Team», so Jäggi. «Und wir haben uns auch nie gefetzt, sondern jeweils gut arrangiert.» Auch Kiener lobt die angenehme Arbeitsatmosphäre und den Umstand, dass die Gruppe altersmässig gut austariert war. «Ich glaube, der Verein war darin sehr gut repräsentiert.» Und mit dabei waren nicht nur ehemalige oder aktuelle Musikantinnen und Musikanten.

Bei aller Zufriedenheit: Verbesserungsmöglichkeiten gibt’s immer. «Vielleicht hätte das Projekt mehr Fotos erlaubt», so Jäggi. Und weniger Text. «Nun, wer historisch etwas erläutern will, braucht eben auch Text», meint Kiener dazu. Unterschiedliche Haltungen halt; das ist immer wieder mal vorgekommen in den letzten beiden Jahren. Aber gefetzt hat man sich tatsächlich nie.

Hinweis

Festschrift «1820–2020; 200 Jahre Harmoniemusikgesellschaft Fulenbach»; Autorenteam, 116 Seiten. Erhältlich über www.mgfulenbach.ch.