Olten
Vom Dach der Kanti visuell zu Planeten und Sternen reisen

14-jährig ist er; Mike Wyss aus Olten. Zusammen mit drei weiteren Schulkameraden hat sich der Gymnasiast in seiner Freizeit auf weite Fernen spezialisiert und will diese allen Interessierten auch näherbringen.

Urs Huber
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Mike Wyss lädt am 7. Februar erstmals zum Blick in die Sterne ab dem Kantidach. hub

Mike Wyss lädt am 7. Februar erstmals zum Blick in die Sterne ab dem Kantidach. hub

Urs Huber

Und wenn dabei von weiten Fernen die Rede ist, dann sind visuelle Reisen gedacht, zu Planeten, Sternen. Der neunte Stock der hiesigen Kantonsschule, beziehungsweise die dortige Terrasse dient als «Startrampe», wo platzierte Spiegel- und Linsenteleskope den Blick ans Himmelszelt freigebenden. «Wenn das Wetter gut ist», sagt Mike Wyss.

Ein Jahr lang gewirkt

Seit einem guten Jahr hat der Hobbyastronom zusammen mit drei Kollegen die Idee des kleinen Observatoriums an der Kanti verfolgt. Und schliesslich die Erlaubnis der Schulleitung dafür erhalten. «Wenn es am 7. Februar losgeht, werden uns wohl mehr Leute einen Besuch abstatten, als wir Kapazitäten anbieten können«, mutmasst Wyss mit schon fast ernster Miene. Und weil der Weg in den 9. Stock der Kanti für Ortsunkundige nicht ganz einfach zu finden ist, verabredet man sich eben an jenem besagten Freitag um 20 Uhr in der Tiefgarage der Kantonsschule, wo die neugierigen «Sterngucker» erwartet und zur Sternwarte «AstrO» geführt werden. Deren Name erkläre sich einfach, so Wyss, sei die Kurzform von Astronomie Olten. Klar.

Sternen ins Antlitz blicken: für den Oltner eine Sache der Leidenschaft. Allerdings weiss er als Mitglied der astronomischen Vereinigung Aarau aus Erfahrung, dass Laien beim ersten Blick durchs Teleskop häufig auch enttäuscht sind. «Es ist eben schon so; Planeten in Zeitschriften etwa werden immer relativ gross abgebildet. Wer sie aber durchs Fernrohr betrachtet, dem erscheinen sie sehr klein. So wird aus Saturn eben plötzlich ein Satürnli», sagt Wyss nüchtern.

Sterne und Planeten sind das eine, das Interesse dafür das andere. Wie kam der 14-Jährige eigentlich dazu, sich in der Freizeit dem Firmament zu widmen? Begonnen habe die Geschichte, als Viertklässler, weiss Wyss. «Astronomie war ein Thema im Unterricht.» Den Funken ins «Pulverfass des Gwunders» aber warf nicht das Thema an sich, sondern ein Sachtext, den die damaligen Viertklässler als Hausaufgabe zu lesen hatten. «Ich glaube, der Text hiess ‹Die Sternwarte auf meinem Dach›; damals hat die Faszination für Sterne und Planeten begonnen», erklärt der Gymnasiast.

«Goldener Henkel»

Die vom Klub der vier Astronomen betriebene Homepage gibt bereits jetzt Hinweise auf Auffälligkeiten an Himmel. So etwa auf das Phänomen des «Goldenen Henkels». Wenn nämlich Sonnenlicht auf die am Rande des Mare Imbrium liegende Gebirgsgruppe Montes Jura fällt, welche den Krater Sinus Iridum halbkreisförmig umrahmt, ist der Erdmond mit dem sogenannten Goldenen Henkel» bestückt. Das Phänomen ist am 11. März auch mit einem guten Feldstecher zu beobachten, verrät die Homepage.

Sinn für Lichtjahre

Wer in die Weiten des Alls schaut, der muss den Begriff Lichtjahre verinnerlicht haben. Mike Wyss hat das. Mit der Distanz von 9,460 Billionen Kilometern kann der Sterngucker, der später Ingenieur für Luft- und Raumfahrt werden will, durchaus was anfangen. «Es heisst, man kriege halt im Laufe der Jahre irgendwie ein Gefühl dafür», lächelt er. Kein Wunder, denn wer auf der Milchstrasse, zu der unser Sonnensystem gehört, unterwegs ist, legt Distanzen zurück. Der Durchmesser der Milchstrasse beträgt etwa 100 000 Lichtjahre, verrät das Lexikon. «Diesen Gedanken der schieren Unendlichkeit des Alls find’ ich eben besonders interessant», bringt Wyss das Faszinosum Astronomie auf den Punkt. Vom vermeintlichen Parallelbereich Astrologie hält der im Sternzeichen des Fischs Geborene übrigens gar nichts, schüttelt bloss den Kopf. «Ich glaube nicht, dass die Gestirne und deren Konstellation Einfluss auf die Geschicke unseres Lebens haben», sagt er..

Fliegen und Musik

Auch wenn sich der 14-Jährige nicht in die Sphären astrologischer Schaumschlägerei befördern lassen will – mit Abheben hat ers doch irgendwie am Hut. Allerdings auch da vor physikalischem Hintergrund: Aviatik bezeichnet er als sein zweites Hobby. Wen wunderts also, dass er sich vom Unterricht dispensieren liess, als das derzeit weltgrösste Flugzeug, die Antonov An-225 letzten September in Zürich-Kloten weilte. Mit dem Fotoapparat ist er überhaupt häufig auf Flughäfen unterwegs. «In Basel und Zürich, manchmal in Olten», sagt er. Was denn an der Aviatik heute noch zu entdecken ist? «Es ist interessant, wo Flugzeugbauer derzeit ihre Prioritäten setzen», erklärt er. «Während Boeing eher auf Flüstertechnologie fokussiert ist, operiert Airbus eher mit Grösse», sinniert der 14-Jährige, der aber auch gängigere Freizeitvergnügen kennt. «Die Simpsons, die Zeichentrickfilmserie, die schau ich mir eigentlich immer an, die gehören sozusagen zum Stammprogramm», erzählt er.

Bis zur Sanierung des Kantonsschulgebäudes in rund zwei Jahren will Mike Wyss mit seinen Kollegen das Observatorium der Öffentlichkeit einmal pro Monat zugänglich halten. Dann wird er kurz vor der Matura stehen. Dass seine Wahl aufs naturwissenschaftliche Profil fiel, war kein zufälliger Entscheid. «Ich habe mich an der Uni beraten lassen, welches der Profile in Hinblick auf meine Berufsvorstellung am geeignetsten wäre», erklärt er. Denn auch das musische Profil hätte dem vielseitigen Gymnasiasten durchaus entsprochen. Als Perkussionist wirkt er zum einen bei der Musikgesellschaft Wisen und zum andern bei der Jugendmusik Olten. Und am Klavier ist er privat ebenfalls anzutreffen. Virtuos? «Keine Ahnung», sagt er. Das habe er sich selbst beigebracht; als Autodidakt.

Anmeldungen für Besuche bei AstrO über: astronomieolten.jimdo.com