Olten
Volle Veloparkings beim Oltner Bahnhof – nun will die Stadt Abhilfe schaffen: Reicht das?

Die Stadt Olten will beim Amthausquai 56 neue Veloabstellplätze realisieren – das reiche aber nicht aus, monieren Kritiker. Ein Augenschein vor Ort zeigt, wie es täglich am Bahnhof Olten aussieht.

Fabian Muster
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Volle Veloparkings beim Bahnhof Olten
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Beim Töff- und Mofaparkplatz gegenüber dem Hotel Amaris sind Velos eigentlich nicht geduldet, parkiert werden sie trotzdem.
Die vor zwei Jahren eröffnete Velostation Olten Ost ist schon an ihrer Kapazitätsgrenze: Im grünen Sektor sind Velos erlaubt, zwischen den Helmschliessfächern nicht.
Die Velostation Olten West an der Gösgerstrasse ist gut ausgelastet. Im rötlichen Bereich darf eigentlich das Velo nicht parkiert werden.

Volle Veloparkings beim Bahnhof Olten

Fabian Muster

Die Stadt Olten plant für 40 000 Franken, 56 neue Veloabstellplätze beim Amthausquai als Provisorium gegenüber dem Stadttheater zu schaffen. Dass mehr Veloparkplätze in der Nähe des Bahnhofs entstehen, wird von Pro Velo Region Olten begrüsst: «Je mehr Veloparkplätze es gibt, umso besser», sagt Präsidentin Käthi Dubach. Doch auch kritische Stimmen melden sich zu Wort, wie Leserbriefe oder Diskussionen in der Oltner Facebook-Gruppe zeigen.

Einer davon ist Grünliberale-Gemeindeparlamentarier Christian Ginsig, der via Facebook eine Umfrage zum Thema lanciert hat: «Der Standort ist unglücklich, weil eine Flaniermeile von Olten wegen 56 zusätzlichen Veloabstellplätzen zugestellt wird», sagt er auf Anfrage. Zudem seien die Plätze zu weit weg vom Bahnhof. «Die Distanz zwischen Veloparking und Bahnhof ist entscheidend, ob eine Anlage überhaupt genutzt wird», weiss Ginsig von den SBB, wo er als Mediensprecher am Hauptsitz in Bern arbeitet. Laut Google Maps beträgt die Distanz von den zwei geplanten Velounterständen rund 180 Meter bis zur Aussentreppe, die hinunter zur Martin-Disteli-Unterführung führt.

Doch für die Kritiker reicht der Ausbau am Amtshausquai bei weitem nicht aus, um die Nachfrage an Veloplätzen beim Bahnhof zu stillen. «Das ist ein Tropfen auf den heissen Stein», sagt Ginsig. Und Dubach ergänzt: «Es wäre schöner, gäbe es mehr Parkplätze beim Bahnhof selbst.» Noch härter ins Gericht mit der Stadt geht Anita Wüthrich, die in Solothurn die VCS-Geschäftsstelle der Sektion Solothurn leitet: «Es ist eine Katastrophe, wie die Situation beim Veloparking beim Bahnhofquai aussieht.» Dort sei man gezwungen, das Velo irgendwo hinzustellen.

Bewachter Teil schlecht ausgelastet

Ein Rundgang beim Bahnhof bestätigt den Befund. Am schlimmsten ist die Situation beim bereits erwähnten Veloparking hinter der Bushaltestelle beim Bahnhofquai (siehe Frontbild): Weil die doppelstöckige Velostation meist voll ist, stellen die Pendler ihre Velos wild ab. Ein Augenschein zeigt, dass diesen Montagnachmittag alleine rund 50 Velos ans Geländer gestellt waren, Dutzende standen zusätzlich auf dem Trottoir. Auch die Velostation Olten West an der Gösgerstrasse mit 400 unbewachten Plätzen ist ausgelastet. Und die vor zwei Jahren eröffnete unterirdische Velostation Olten Ost mit rund 600 Plätzen kommt bereits jetzt an ihre Kapazitätsgrenze. Velos werden auf dem grünen Sektor vor dem vollen doppelstöckigen Veloständer abgestellt (was erlaubt ist), aber auch zwischen den Helmschliessfächern (was nicht erlaubt ist). Daher weichen auf der rechten Stadtseite bereits etliche Velofahrer auf den Töff- und Mofaparkplatz an der Tannwaldstrasse vis-à-vis des Hotels Amaris aus (wo Velos laut dem Hinweisschild eigentlich nicht mehr geduldet sind) oder stellen ihr Velo wild an der Martin-Disteli-Strasse ab.

Ein anderes Bild zeigt sich hingegen beim bewachten Teil der Velostation Olten Ost. Dort sind mehr als die Hälfte aller Plätze leer. Etwas besser sieht es beim bewachten Teil der Velostation Olten West aus. Die Nachfrage bei Velostation-Leiter Lukas Sieber ergibt: 107 Badges sind derzeit verkauft – für rund 240 bewachte Plätze. Mehr als die Hälfte davon bleiben also ungenutzt. Allerdings Tendenz steigend.

Die Stadt ist sich der derzeit unbefriedigenden Situation bewusst. «Es ist klar, dass die neuen Veloabstellplätze nicht ausreichen», sagt Stadtschreiber Markus Dietler. Zurzeit seien aber keine weiteren Kapazitätserhöhungen geplant. Er verweist auf den bis in einigen Jahren umgebauten Bahnhofplatz, wo unterirdisch 1000 Veloplätze entstünden. Zu den von den Kritikern provisorisch vorgeschlagenen Ausbauten etwa beim bisherigen Veloparking hinter der Bushaltestelle sagt Dietler: aufwendige Bauten nur als Übergangslösungen zu realisieren, lohne sich aus finanzieller Sicht kaum. Das Einzige, was die Kritiker derzeit hoffen können, um mehr Veloparkplätze zu erhalten: Dass Veloleichen bei den zwei Velostationen weiter konsequent aussortiert werden. Beim Veloparking beim Bahnhofquai geschieht dies hingegen nur sporadisch durch die Kantonspolizei.