Der eine wirft nach dreieinhalb Jahren das Handtuch, ein weiterer nach fünf, der dritte nach acht und der vierte nach zehn Jahren. Boningen mit knapp 750 Seelen steht vor einer doch eher seltenen Situation: Gleich vier der fünf Gemeinderäte geben ihr Mandat spätestens zum Ende der laufenden Amtsperiode zurück.

Zurück bleibt Gemeindepräsident Manfred Zimmerli (FDP), dessen berufliche Situation sich so entwickelt hat, dass er sein Amt als Gemeindepräsident weiter führen kann. «Die Tatsache, dass vier meiner Ratskollegen den Rücktritt erklärt haben, spielte beim Entscheid, mich noch einmal zur Verfügung zu stellen, keine Rolle», so Zimmerli.

Durchaus zuversichtlich, dass die Exekutive auf die kommende Legislatur hin vollzählig wird antreten können, ist der Boninger Gemeindepräsident schon. Aber er sagt auch: «Einfach wird es mit Sicherheit nicht.» Bereits würde in den Ortsparteien nach Kandidatinnen und Kandidaten gesucht.

Umzug nach Fulenbach

Der erste Rücktritt folgt bereits per Ende Jahr. Stefan Probst von der Interessengemeinschaft Boningen (IGB) ist nach dreieinhalb Jahren nicht etwa amtsmüde. Er tritt zurück, weil er mit seiner Familie ins Heimat- und Nachbardorf Fulenbach zieht. «Ich hätte mir eine weitere Amtszeit im Rat durchaus vorstellen können», sagt Probst, noch bis Ende Jahr zuständig fürs Ressort Bau.

Die IGB, der Probst angehört, hat bereits eine Nachfolgeregelung treffen können. Rahel Kallweit, derzeit Vizepräsidentin der IGB, wird ab Neujahr für Probst im Rat nachrücken. «Dieses Problem ist gelöst», meint Probst, der die IG frühzeitig über seinen Umzug informiert hat. Im Übrigen ist der Fulenbacher zuversichtlich, die die vier Vakanzen in Sinne der Kontinuität wieder besetzen zu können.

Und noch ein Umzug

Nach etwas mehr als einer Amtsperiode tritt auch Beat Niggli (FDP) nicht mehr an. Ebenfalls nicht wegen Amtsmüdigkeit. Auch den 32-Jährigen ziehts zurück in die Heimat, nach Wolfwil nämlich. «So viele Rücktritte, das ist natürlich etwas unglücklich», so Niggli, «zwei gar wegen Umzugs.» Auch für ihn ist klar: Er hätte sich für eine nächste Amtsperiode sicher wieder zur Verfügung gestellt.

Niggli hat seine Rücktrittsabsichten seit einiger Zeit der FDP gemeldet und ist auch um mögliche Nachfolger oder Nachfolgerinnen bemüht. «Ich habe schon einige Personen auf die Vakanz angesprochen und ihnen gesagt, sie könnten sich bei Interesse melden.»

Ob bei der Partei, bei ihm persönlich oder auf der Gemeindeverwaltung ist einerlei. «Es gibt immer wieder Interessierte, die sich nicht unbedingt einer Partei zuordnen lassen wollen, deshalb ist der Tipp mit der Gemeindekanzlei durchaus berechtigt», sagt er.

Keine Unstimmigkeiten

Auch der 63-jährige Vizegemeindepräsident Dieter Weuffen (CVP) tritt nach gut zwei Legislaturperioden zurück. Nein, wer etwa meine, es habe Unstimmigkeiten gegeben im Rat, der täusche sich, sagt er. Weuffen möchte einfach etwas kürzer treten.

Denn: «Ich bin auch nicht mehr der Jüngste.» Es brauche schon Zeit, wenn man das Amt seriös ausfüllen wolle, erklärt der Mann aus dem Ressort Bildung. Und schliesslich habe er auch ein Geschäft nebenher.

Beruhigend für den CVP-Mann: Dem Vernehmen nach ist bereits eine Nachfolge in Sicht. Weuffen ist grundsätzlich zuversichtlich, dass die vier Vakanzen wieder besetzt werden können.

Der selben Meinung ist auch der dienstälteste noch aktive Gemeinderat, Peter Joss von der IGB. «Ich glaube nicht, dass uns diese Situation vor besondere Schwierigkeiten stellt», meint er und verweist auf den Umstand ,dass die IGB, einst im Dorf als Kurzzeiterscheinung apostrophiert, mittlerweile schon ein Vierteljahrhundert lang wirkt.

Der Dienstälteste sagt Adieu

Davon hat Joss während zehn Jahren in unterschiedlich langen Tranchen Einsitz gehabt im Rat. Zuletzt als Verantwortlicher Finanzen. «Mir war wichtig, in meiner jetzt auslaufenden Amtszeit die Finanzen einigermassen auf den Weg zu bringen», sagt er und findet gleichzeitig, dass nun neue Kräfte an die Schalthebel der Gemeinde gehören. Leute mit Kindern im schulpflichtigen Alter etwa.

Hinsichtlich der Belastung meint er: «Es ist schon von Vorteil, wenn der Arbeitgeber eine gewisse Flexibilität ermöglicht. Denn es kommt immer wieder vor, dass ein Gemeinderat halt schnell und unbedingt irgendwo sein muss, weil das Amt dies verlangt. » Joss fand solche als Betriebsleiter der Elektra Untergäu.