Eppenberg
Vier Klettergärten als Lebenswerk – jetzt übergibt er sie in neue Hände

Paul Hunziker (82) sorgt sich um seine Klettergärten zwischen Schönenwerd und Aarau.

Christian Von Arx
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Der Klettergarten-Erbauer: Paul Hunziker (82) in der überhängenden Wand beim Steinbruch Roggenhausen. Bruno Kissling

Der Klettergarten-Erbauer: Paul Hunziker (82) in der überhängenden Wand beim Steinbruch Roggenhausen. Bruno Kissling

Bruno Kissling

«Ich bin eigentlich kein Kletterer. Ich bin Alpinist.» Was der 81-jährige Paul Hunziker vor der überhängenden Wand beim Roggenhauser Steinbruch sagt, verblüfft den Laien doppelt. Zum einen: Was ist der Unterschied? Hunziker sagt es anschaulich: «Ich will nicht stundenlang in eine Felswand schauen. Ich will hinauf auf Grat und Gipfel, die Bergwelt von oben sehen.» Zum andern: Wie kann einer kein Kletterer sein, wenn er im Lauf von Jahrzehnten eine Serie von Klettergärten mit Dutzenden von Routen geschaffen hat?

Paul Hunziker, wohnhaft in Kölliken, ist an den Wänden und auf den Kreten der Schweizer Berge daheim. Von den Viertausendern in den Alpen redet er ebenso vertraut wie vom Solothurner Jura oder den Hügeln im Mittelland. Aber sein Reich ist der Nordhang des Eppenbergs. Die steile Felswand, die das Aaretal zwischen Schönenwerd und Aarau um fast 100 Meter überragt, ist von weit her sichtbar. Doch um Hunzikers Werk zu entdecken, muss man ganz nah ran: Es sind Tausende von Metallhaken und -plättchen, die die Wände für die Kletterer bezwingbar machen.

Aus vier Abschnitten besteht die ganze Anlage. Im Kletterführer «Solothurner Jura» des SAC sind die Sektoren von Ost nach West mit A bis D bezeichnet. A und B liegen im Nordosten des Eppenbergs, gegen das Roggenhauser Täli, und tragen die Namen Roggenhusersteinbruch und Roggehuse 2. C und D, benannt als Klettergarten Links und Klettergarten Rechts, finden sich im Nordwesten des Hangs, just über der Grossbaustelle, wo jetzt die Tunnelbohrmaschine für den Eppenbergtunnel zusammengebaut wird. A bis C liegen in der Gemeinde Eppenberg-Wöschnau, D auf Gebiet von Schönenwerd. Der Wald gehört der Ortsbürgergemeinde Aarau.

Klettergärten: Fast 120 Routen In jedem der vier Klettergärten am Eppenberg hat Paul Hunziker rund 30 Kletterrouten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade angelegt. Er hat sie auch alle benannt; im Roggenhusersteinbruch gibt es zum Beispiel «Die Unmögliche», die «Ornithologen-Promenade» oder «Mary’s Albtraum». Die Routen sind in den im Text erwähnten Kletterführern detailliert eingetragen, aber auch auf gut lesbaren Tafeln vor Ort (Bild).Parkplätze gibt es in der Wöschnau, auf dem Eppenberg nahe dem Waldhaus Schönenwerd sowie bei der Abzweigung des Fusswegs zum Wildpark Roggenhausen. Mit dem öffentlichen Verkehr bietet sich der Zugang von der Bushaltestelle Wöschnau des Aarauer Busbetriebs aar bus + bahn (Linie 3, Gretzenbach) her an.

Klettergärten: Fast 120 Routen In jedem der vier Klettergärten am Eppenberg hat Paul Hunziker rund 30 Kletterrouten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade angelegt. Er hat sie auch alle benannt; im Roggenhusersteinbruch gibt es zum Beispiel «Die Unmögliche», die «Ornithologen-Promenade» oder «Mary’s Albtraum». Die Routen sind in den im Text erwähnten Kletterführern detailliert eingetragen, aber auch auf gut lesbaren Tafeln vor Ort (Bild).Parkplätze gibt es in der Wöschnau, auf dem Eppenberg nahe dem Waldhaus Schönenwerd sowie bei der Abzweigung des Fusswegs zum Wildpark Roggenhausen. Mit dem öffentlichen Verkehr bietet sich der Zugang von der Bushaltestelle Wöschnau des Aarauer Busbetriebs aar bus + bahn (Linie 3, Gretzenbach) her an.

Bruno Kissling

Das Drogenelend vor Augen

Paul Hunziker war Bähnler, hat in Kölliken Billette verkauft und auch im Rangierdienst gearbeitet. Mit der Anlage begonnen hat er 1989, in seiner Freizeit. «Es war die Zeit der Drögeler», bemerkt er. Das Elend der Jungen, die in den Drogen landeten, muss ihm nahe gegangen sein. Er wollte junge Leute zu einer sinnvollen Beschäftigung führen, sie vor eine Herausforderung in der Natur stellen. «Wer klettert, ist abends müde», sagt er.

Hunzikers Klettergärten sind leicht zugänglich, und mit der Publikation in den einschlägigen Führern – nebst dem SAC-Werk auch in von Känels Plaisir-Führer Jura – werden sie von Kletterern intensiv genutzt. «Die Mitglieder des SAC Aarau schätzen es, dass sie hier eine Gelegenheit vor der Haustür haben.» Nicht selten kommen Besucher aber auch aus dem Ausland. Feuerwehr und Sanität würden ebenso am Eppenberg üben wie Familien mit Kindern. «Für Kinder braucht es Brätelstellen», weiss Hunziker, und an solchen ist hier kein Mangel. «Der Zugang ist kinderwagenfreundlich, das ist einzigartig.»

Paul Hunziker kann zufrieden auf sein Lebenswerk blicken. Nur: Sein Klettergarten braucht regelmässige Kontrolle und Pflege. Die Wand muss von Blättern und Erde gesäubert werden, auch am Fuss der Wand muss das Laub geräumt werden. Einen Grossteil seiner Zeit als Pensionierter hat Paul Hunziker dafür eingesetzt, dabei auch nicht Franken und Rappen fürs Material gezählt. Doch nächstes Frühjahr wird er 82, er denkt an die Zukunft.

SAC Aarau will einsteigen

«Ich bin sehr zufrieden, dass der SAC Aarau es machen will», sagt Hunziker. Bernhard Meichtry, der Klettergarten-Betreuer der Sektion Aarau, bestätigt: «Ja, wir haben die Aufgabe übernommen.» Veränderungen am Werk Hunzikers kommen für Meichtry nicht infrage, das sei Ehrensache. Nur in einem Punkt macht er Paul Hunziker einen Vorwurf: «Er hätte nur einen Klettergarten bauen sollen, aber er hat vier gemacht. Das gibt verdammt viel Arbeit.»

Sind Klettergegner am Werk?

Zunehmend stellt Paul Hunziker bei seinen Kontrollgängen fest, dass in den Klettergärten am Eppenberg einzelne Bohrhaken und -plättchen entfernt werden. «Das ist für die Kletterer gefährlich, wenn auf einer Route plötzlich ein solches Teil fehlt», meint er. Stutzig macht Hunziker, dass in letzter Zeit am Wanderweg über die Felsenzinne zwei Baumstrünke mit Markierungen ausgebrannt sind. Einer davon, gegabelt und mannshoch, trug eine gelbe Raute der Solothurner Wanderwege und eine silberne Raute mit dem Symbol für den Klettergarten sowie einen gemalten Hinweispfeil zum Einstieg und ist als Orientierungshilfe im SAC-Kletterführer abgebildet. Doch über das letzte Wochenende ist dieser Strunk vollständig abgebrannt, die Asche in der Brandgrube im Boden war am Mittwoch noch warm. Paul Hunziker vermutet Gegner des Kletterns als Verursacher. Auch diese Brandentfachung an der windexponierten Kante im bis dahin sehr trockenen Wald sei gefährlich: «Das hätte einen Waldbrand geben können.» (cva)