Olten
Vielversprechender Start zur Theatersaison 2013/4 mit Annette Postel

In ihrem musikalischen Programm «Inteam» entführte die Sopranistin und Kabarettistin Annette Postel, begleitet vom Salonorchester Schwanen, das Oltner Theaterpublikum zur Saisoneröffnung für eine Nacht nach Monte Carlo.

Peter Kaufmann
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Lehar’s «Dein ist mein ganzes Herz» als Blues – auf diese Idee muss man zuerst einmal kommen. bko

Lehar’s «Dein ist mein ganzes Herz» als Blues – auf diese Idee muss man zuerst einmal kommen. bko

Bruno Kissling

«Eine Nacht in Monte Carlo» versprach Annette Postel gleich zu Beginn ihres Oltner Auftritts. Mit dem einmaligen Schmelz einer geschulten Sopranistin, die sich in Tangogefilde wagt, versetzte die attraktive Blondine die Männer im Publikum in Stimmung. Doch dieser klassische Song über unerfüllte Liebessehnsucht war gleichzeitig auch ein unerfülltes Versprechen: In ihrem musikalischen Kabarettprogramm «Inteam» brachte sie zwar alle ihre Lieblingslieder aus den Golden Twenties unter, doch verfremdete sie die Ohrwürmer und dazu auch noch einige beliebte Opernarien mit viel Intelligenz und Witz.

Neue Texte und Arrangements

Mit einigem Hintersinn sang Annette Postel, subtil und aufmerksam begleitet vom vorzüglichen Salonorchester Schwanen, die teilweise abgeänderten Texte und musikalisch völlig neu arrangierten Arien und Songs, Lieder und Schlager.

Kein bisschen Operettenschmalz beispielsweise bei der Arie «Dein ist mein ganzes Herz» aus dem zweiten Akt von Franz Lehárs «Land des Lächelns»: Die Sängerin, im ersten Teil in Weiss gekleidet, sang es als abgrundtieftraurigen, abschiedsschweren Blues - auf diese Idee muss man zuerst einmal kommen!

Gekonnte Sprachparodien

Das Publikum aber wusste bei diesem einmaligen, geglückten Experiment bereits, dass die sympathische deutsche Entertainerin auf die Männer nicht immer gut zu sprechen ist, denn «Die Wahrheit ertragen sie nicht» meinte sie maliziös. Dieses ebenfalls neu arrangierte Georg-Kreisler-Lied folgte dem Ratschlag «Nehm Se n Alten», dem traditionellen Couplet des Humoristen Otto Reutter aus den 1920er-Jahren, das von Herrn Georg (Salonorchester-Bandleader Georg Huber) vortrefflich vorgetragen wurde.

Und schliesslich erfuhren die Oltner auch noch in einem halben Dutzend Sprachen, was es mit der «Liebe in der Tasche» für eine Bewandtnis hat, wenn man sie dem gestrengen und ungerechten Theaterdirektor vortragen muss.

Eine ernsthafte Liebes-Hymne an den Tango, die Mühen einer lispelnden Opernsängerin, veralberte «Zauberflöten»-Klänge, die Entstehung des Boeuf Stroganoff, Mick Jaggers Rocksong «I Can’t Get No Satisfaction» als klassische Arie, «Donna Klara» mit dem Refrain eines Herrn aus Posen oder ab Schellack-Platte mit Kratzer – dies sind nur einige weitere von vielen Höhepunkten aus einem klug zusammengestellten Kabarettabend, bei dem sogar die Zwischentexte und Ansagen kleine schauspielerische Kabinettstücke waren.

Nach der Pause trat Annette Postel ganz in Rot auf, der «Farbe des Lasters und der Wollust», wie sie meinte. Doch nach ihrer köstlichen, temperamentvollen «Carmen»-Parodie zeigte sie zum Schluss dem begeisterten Publikum, dass sie auch ernst sein kann mit der berührenden Zugabe «Bei dir war es immer so schön».

Gelungene Saisoneröffnung

Als Geschäftsführer des Stadttheaters Olten konnte Herbert Schibler zur gelungenen Saisoneröffnung eine grosse Schar an Gästen begrüssen, unter ihnen Behörden von Kanton und Stadt sowie zahlreiche Sponsoren. Schibler versprach eine abwechslungsreiche Saison 2013/14, seien doch noch 33 weitere Vorstellungen auf dem Spielplan notiert. Einige Highlights seien schon gut besetzt, alle Gastspiele der laufenden Saison könnten bereits gebucht werden.

Der fulminante Auftakt mit Annette Postel und dem Salonorchester Schwanen war jedenfalls vielversprechend.

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