Sein Rücktritt kommt, zumindest für Aussenstehende, überraschend. Nach nur drei Jahren als Leiter des Pastoralraums Olten und Gemeindeleiter der Pfarreien in Olten, Trimbach, Hauenstein-Ifenthal und Wisen nimmt der 55-jährige Andreas Brun per Ende November den Hut.

In seinem Informationsschreiben an Mitarbeitende und Freiwillige, das dieser Zeitung vorliegt, spricht der Diakon davon, der Entscheid sei ihm nicht leicht gefallen. Dennoch: Gespräche mit Fachpersonen und die Zeit der Exerzitien hätten ihn dazu geführt, seinen Dienst abzugeben. «Im Mai stand mein Entschluss fest», sagt Brun heute.

Konkreter will er sich dazu nicht äussern. Zumindest aber ist herauszuspüren, dass er mit den Prozessen im Pastoralraum Olten nicht einverstanden war. Offensichtlich war oder ist dessen Entwicklung von internen Richtungskämpfen geprägt, die Brun veranlassten, seinem Wirkungsort den Rücken zu kehren.

Bezeichnenderweise berichtete diese Zeitung im Mai letzten Jahres über dortige Streitigkeiten hinsichtlich der Frage, wie sich die Kirchgemeinden organisieren sollen. Ein Zweckverband unter den fünf involvierten Kirchgemeinden? Ein Zusammenarbeitsvertrag? Gar eine Fusion? Die Frage hatte seinerzeit gar zu Kampfwahlen in den Kirchgemeinderat geführt: Eine «Gruppe für eine lebendige Kirche» war angetreten, um die Zusammenarbeit unter den Gemeinden im Pastoralraum zu optimieren, oder, wie diese Zeitung damals schrieb, «zu deblockieren».

Selber überrascht

Die persönliche Entwicklung überrascht Brun eigentlich selber. «Ich bin schon nicht mit der Erwartung angetreten, lediglich drei Jahre zu bleiben», sagt er. Gefreut habe er sich auf das Amt, gepaart aber auch mit Respekt vor der Aufgabe. «Die Bildung des Pastoralraumes brauchte viel Energie», erzählt er, der sich eher zum progressiven Flügel der katholischen Kirche zählt.

Als er im Herbst 2015 das Amt übernahm, genoss die Errichtung des Pastoralraumes absolute Priorität. Für ihn bedeute dieser die Möglichkeit, die kirchliche Tätigkeit auf neuen Strukturen fussend zu öffnen, auf gesellschaftliche Veränderungen hin zu untersuchen und anzupassen. Dass dabei die unterschiedlichsten Haltungen zum Tragen kommen, restaurative und progressive, ist leicht auszumalen.

«Die Leitungsaufgabe im Pastoralraum Olten und der dazugehörenden Pfarreien entspricht nicht meinen Vorstellungen», bilanziert Brun. Gut möglich, dass er die Prozesse in dieser Entwicklung unterschätzt habe. Jedenfalls habe er begonnen, «Vorkommnisse persönlich zu nehmen».

Keine schmutzige Wäsche waschen

Er nahm sie schliesslich so persönlich, dass die Enttäuschungen nicht mehr mit einem Wisch zu verscheuchen waren, sondern sich aufstauten und er letztlich zur Überzeugung kam: Es ist besser, wenn ich das Amt zu Verfügung stelle, auch aus gesundheitlichen Überlegungen.

Inwiefern welche Personen bei seinem Entscheid eine Rolle spielten? «Schmutzige Wäsche waschen ist nicht meine Sache», so Brun. Er gebe seinen Auftrag Ende November zurück. «Das Wochenende vom 24./25. wird mein letzter Einsatz sein; damit ist die Sache für mich abgeschlossen.»

Er bitte Mitarbeitende und Freiwillige um Verständnis für seinen persönlichen Schritt und wünsche allen weiterhin viel Kraft, die Offenheit und Dynamik des Heiligen Geistes, um den Weg des Pastoralraumes Olten zu prägen», hatte Brun sein Informationsschreiben enden lassen. «Natürlich habe ich auch ein Stück weit das Gefühl, versagt zu haben», sagt er ungeniert. Ein Gefühl, das schmerze. «Vielleicht war ich zu wenig konfliktfähig», räumt er ein. Er, der den Pastoralraum und dessen Möglichkeiten und Intentionen ernst genommen hat, sehr ernst sogar.

Bischof Felix Gmür hat seine Demission akzeptiert. Was Brun ab Ende November machen wird, steht in den Sternen. In der Region hat er sich gut etabliert, ist etwa bei der Sänger-Clique der Guggi Zunft dabei und wirkt als Laiendarsteller bei «1918». Was nicht wenige überraschen mag: Der aus dem Entlebuch stammenden und in Winznau wohnhafte dreifache Vater und Ehemann kann sich durchaus auch ein berufliches Engagement ausserhalb der Institution Kirche vorstellen.