Wie die Stadt Olten am Freitag verlauten liess, wird im Rahmen des zweiten Entlastungspakets auch der Beitrag ans Provisorium 8 gestrichen.

Begründet wurde der Entscheid damit, Angebot und Konzept des Provisorium 8 seien nicht mehr zeitgemäss und müssten angepasst werden. Die Stadt hat dem Provisorium 8 im letzten Jahr 262 000 Franken zur Verfügung gestellt, wobei direkt wieder Fr. 100 000.- an die Baudirektion der Stadt als Miete abgegeben werden mussten, wie die Stellungnahmen verschiedener Organisationen übereinstimmend festhalten.

Die Junge SP etwa ist empört über einen solchen Vorschlag und akzeptiert nicht, dass der Stadtrat empfiehlt, sämtliche Ausgaben für die Jugendarbeit zu streichen. Wie Stadtpräsident Martin Wey in einem Radiointerview ausführt, brauche es heute auch Bandräume oder Partyräume für die Jugendlichen. Der Stadtrat weiss offenbar nicht: Exakt dies und noch mehr bietet das Provisorium 8. Er stösst mit seinem Entscheid Tausende Nutzer des Provisorium 8 sowie auch die Mitarbeitenden vor den Kopf. «Das Provisorium 8 war bis zur stadträtlichen Pressekonferenz immer noch in Verhandlung mit dem Stadtrat, wie das Angebot der Jugendarbeit in Zukunft aussehen soll, und musste Sparmöglichkeiten aufzeigen. Diese Verhandlungen wurden plötzlich und ohne Ankündigung in den Wind gesetzt. Die Kommunikationsweise des Stadtrates ist einmal mehr kläglich gescheitert», hält die Junge SP fest und kündigt an, «vehement gegen die Vernichtung der Jugendarbeit in Olten kämpfen.» Es dürfe nicht sein, dass einer der wichtigsten Orte für die Jugend sowie auch für die Kultur der Stadt Olten fristlos abgeschafft wird. Hinter dem Provisorium 8 steckt extrem viel Freiwilligenarbeit, welche hauptsächlich durch die Jugendlichen selbst geleistet werde. Ein Fehlen des Provisorium 8 wäre ein massiver Schaden für diese Stadt, so die Junge SP.

Die Junge CVP Kanton Solothurn zeigt sich enttäuscht über den Entscheid des Oltner Stadtrates, das Jugendkulturhaus Provisorium 8 ab 2015 aus dem Budget zu streichen. «Das Jugendkulturhaus Provisorium 8 ist der Pfeiler der Jugendkultur der Stadt Olten und der umliegenden Gemeinden. Sollte das Provisorium 8 tatsächlich aus dem Budget gestrichen werden, hätte dies eine negative Signalwirkung für die Jugendlichen der Region», so der Co-Präsident der Jungen CVP Jonas Hufschmid. Ebenfalls führe die Schliessung gemäss der jungen Familienpartei zu einem Standortnachteil für Olten. Damit es jedoch nicht so weit kommt, wird sich die Junge CVP in den nächsten Monaten für das Jugendkulturhaus einsetzen.

Die Jungen Grünen wehren sich vehement gegen die Schliessung des Provisorium 8 in Olten. Möglichen Einsparungen im Budget der Stadt steht der Verlust der erfolgreichen und beliebten Jugendarbeit gegenüber. «Das Provisorium 8 erfüllt einen wertvollen Auftrag für die Stadt und die Jugend», sagt Mattias Ruchti, Mitglied der Jungen Grünen. «Die Behauptungen des Stadtpräsidenten Martin Wey, dass das Provisorium 8 über kein zeitgemässes Angebot verfügt, ist völlig aus der Luft gegriffen.» Für die Jungen Grünen Kt. Solothurn steht fest, dass Stadtpräsident Wey die Bedürfnisse der eigenen Jugend nicht kennt. «Mit seinen Aussagen betreffend des Provi 8 im Radio 32 beweist der bürgerliche Stadtpräsident, dass er von moderner Jugendarbeit nicht viel versteht», sagt Niels Kruse, Co-Präsident der Jungen Grünen. «Wir kündigen hiermit Widerstand gegen die Schliessung des Provisorium 8 an und fordern die Bevölkerung auf, sich gemeinsam mit der Jugend für das Provisorium 8 einzusetzen. Das Sparpotenzial in der Jugendarbeit steht in keinem Verhältnis zum Schaden, der durch diesen finanziellen Kahlschlag angerichtet wird», so die Jungen Grünen. «Eine nachhaltige und soziale Finanzpolitik sieht anders aus», sagt Mattias Ruchti, Mitglied der Jungen Grünen Solothurn.

Das Provisorium 8 seinerseits «versteht die Welt nicht mehr! Was bitte schön soll an einem Eventraum für Partys, Konzerte, Theater etc. nicht zeitgemäss sein? Was bitte schön soll an Proberäumen für Bands, Tanzgruppen etc. nicht zeitgemäss sein? Was bitte schön soll an einem Aufenthaltsraum für Begegnungen, Kreativität, Motivation und Freude nicht zeitgemäss sein? Wie gesagt, wie die Stadt Olten auf die Aussage ‹nicht zeitgemäss› kommt, ist uns schlicht schleierhaft. Zumal in den vergangenen Jahren kein Vertreter der Stadt Olten den Weg ins Provisorium 8 gefunden hat und das trotz mehrmaliger Einladung seitens Provisorium 8. Interessanterweise wurde in der Vergangenheit bei den zweimal jährlich stattfinden Gesprächen zwischen der Stadt Olten und dem Provisorium 8 die Arbeit des Provi 8-Teams immer sehr gelobt und anerkannt. Was hat sich da geändert? Wir wissen es ehrlich gesagt nicht! Ist es die Sparmassnahmenschlinge, die der Stadt Olten den Atem raubt, oder ein hilfloser Kamikazesparflieger, der gerade unkontrolliert ins Provisorium 8 kracht?», fragt das Jugendhaus in seiner Pressemitteilung. Und Provisorium 8 hält weiter fest: «Lange Rede, kurzer Sinn. Ein Ort soll ausradiert werden, der Jugendlichen und ihren Bedürfnissen ein zeitgemässes Angebot bietet.» (mgt/otr)