Männerturnverein Wangen

Via Tellersammlung zum neuen Faustball: 100 Jahre Turngeschichte

Der Männerturnverein Wangen bei Olten im Juli 1921 am kantonalen Turnfest in Olten.

Vor 100 Jahren wurde mit der Gründung des Männerturnvereins Wangen ein echtes Bedürfnis umgesetzt; Eigeninitiative war angesagt.

Vor 100 Jahren wurde der Männerturnverein Wangen (MTV) aus der Taufe gehoben. An der Gründungsversammlung vom 2. August 1919 schrieben sich 24 künftige Mitglieder ein. Die Hauptaktivität ist heute das regelmässige Wandern in verschiedenen Gruppen.

Auf den Tag genau 100 Jahre nach der Gründung wird das Jubiläum vereinsintern im engeren, aber würdigen Rahmen gefeiert. Leider ist das Gründungsprotokoll nicht mehr vorhanden, aber anhand von ausführlich verfassten späteren Protokollbüchern liess sich doch das meiste rekonstruieren. So konnte festgestellt werden, dass die Anzahl Turner regelmässig zunahm und im Jahre 1926, beim Bezug der neuen Turnhalle im Alpschulhaus, bereits 46 Mitglieder betrug.

Treue Besucher der Turnstunden

Die Gründung des Männerturnvereins entsprach wohl einem echten Bedürfnis. Die mehrheitlich aus dem im Jahre 1896 gegründeten ETV hervorgegangenen Turner besuchten regelmässig und diszipliniert die Turnstunden. Nur so war es möglich, dass sich der junge Verein bereits im zweiten Jahr seines Bestehens für die Teilnahme am in Olten zur Austragung gelangten Kantonalen Turnfest anmeldete.

Der Besuch von Turnfesten war auch in den Folgejahren eine Ehrensache, wie beispielsweise im Jahre 1932 das Eidgenössische Turnfest in Aarau. Der Verein zahlte damals jedem Mitglied drei Franken an die Kosten der Festkarte.

Aus dem Protokollbuch ist von der Generalversammlung 1936 im zwanzigseitigen, handgeschriebenen Bericht Folgendes zu entnehmen: «Ein Antrag auf die Anschaffung eines neuen Faustballes ab Vereinsvermögen wurde ‹abgeschmettert›. Doch die spontan durchgeführte Tellersammlung ergab 36 Franken, wodurch die Faustballfans doch noch zu ihrem Spielgerät kamen.»

Die schwierigen Jahre des Kriegs

In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 war es schwierig oder fast unmöglich, einen geregelten Turnbetrieb aufrechtzuerhalten. Einerseits war die Turnhalle durch das Militär besetzt, oder dann mussten die Männer ihren Dienst leisten. So musste auch auf das vorgesehene 25-Jahr-Jubiläum 1944 verzichtet werden. Immerhin konnte diese Feier im Oktober 1945 im Casino-Saal nachgeholt werden. Neun Gründungsmitglieder wurden dabei mit einem Holzteller mit Widmung geehrt.

Noch wurden die Turnstunden regelmässig besucht und es wurde auch grosser Wert auf interessant gestaltete Übungen gelegt. Das war auch nötig, wollte man sich auch weiterhin einer breiten Öffentlichkeit präsentieren wie beispielsweise am Eidgenössischen Turnfest 1959 in Bern, an dem 25 Männerturner aktiv teilnahmen. Leider sagt das Protokoll nichts über das Abschneiden aus. Hingegen wird kritisiert, dass bei der Rückkehr der Wirt des besuchten Lokales nicht geheizt hatte und das servierte Essen wenig «gefrässig» gewesen sei.

Tendenziell rückläufige Zahl an Turnern

Als Anzeichen einer rückläufigen Mitgliederzahl kann die Feststellung gedeutet werden, dass der MTV Wangen am nächsten Eidgenössischen Turnfest in Luzern 1963 nur noch mit 14 Mann teilnahm. Ein bekanntes Dauerthema blieb, wie der Übergang der Turner vom Turnverein zum Männerturnverein bewerkstelligt werden könnte. Eine Lösung allerdings konnte bis heute nicht gefunden werden, weshalb sich der Vorstand ernsthafte Gedanken machte, welche Aktivitäten einen Beitritt zum Männerturnverein wieder attraktiver machen könnten. Hans Kiefer war Initiant für die Gründung einer Kulturkommission innerhalb des MTV. Unter Kiefers Leitung wurden mehrere Kunstausstellungen durchgeführt. Doch mit dem Rücktritt des Initianten verschwand auch diese Aktivität wieder aus der Agenda.

Das Wandern ist des Turners Lust

Mehr Erfolg hatte Walter Meier. Als passionierter Wanderer wollte er seine Kenntnisse schöner Wanderrouten seinen Turnerkollegen weitergeben, und er organisierte erste Wanderungen in der näheren Umgebung. Die Teilnehmer kamen auf den Geschmack und signalisierten auch an Ausflügen mit der Bahn Interesse, verbunden mit einer Wanderung. Diese neu entstandene Wandergruppe wuchs zusehends. Der letzte Mittwoch eines jeden Monates wurde zum Wandertag erklärt. Nur noch ein kleineres Grüppchen Männerturner besuchen die Turnstunden in der Halle. Doch die Teilnehmerzahl an den Wanderungen erreicht nicht selten dreissig und noch mehr. Heute ist es die Wandergruppe, welche die Fahne des Männerturnvereins aufrechthält und den Fortbestand ins nächst Jahrhundert garantiert. 

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