Wangen

«Versprechungen nicht eingehalten»: Aus Protest bezahlt ein Wirt seinen Pachtzins nicht

Pächter Martin Müller sagt nach rund anderthalb Jahren auf der «Alten Post» in Wangen per Ende Juni Adieu.

Pächter Martin Müller sagt nach rund anderthalb Jahren auf der «Alten Post» in Wangen per Ende Juni Adieu.

Nach rund anderthalb Jahren schliesst in Wangen die «Alte Post» unter Pächter Martin Müller die Tore. Die letzten beiden Monate behält er den Pachtzins zurück. Gemachte Versprechungen seien nicht eingehalten worden.

Nach anderthalb Jahren als Pächter auf der «Alten Post» in Wangen zieht der 50-jährige Steirer Martin Müller eine eher triste Bilanz: «Ich glaube, ich war zu blauäugig», meint er ernüchtert. Zu viele Dinge hätten unter den gegebenen Voraussetzungen nicht gestimmt oder hätten sich nicht korrigieren lassen, meint er.

Versprechungen, die vom Verpächter nicht eingehalten worden seien, eine schwierige Startphase, die eine regelrechte Durststrecke bedeutet hätte, letztlich ein zu hoher Pachtzins. «Unter diesen Umständen hat es sich einfach nicht gerechnet», sagt Müller, seines Zeichens Sternekoch mit einem durchaus respektablen Renommee. Bevor er mit Partnerin Sandra Frieden die «Alte Post» in Wangen übernahm, hatte er die Geschäfte des Hotel-Restaurant-Flugplatz Hasenstrick am Bachtel geleitet.

Nur davon geredet

Von nicht eingehaltenen Versprechungen will Rolf Lang, Gatte der Liegenschaftsbesitzerin Kathrin Lang, indes nichts wissen, wie er auf Anfrage erklärt. «Wir haben davon geredet, was man wie sanieren könnte, das stimmt», so Lang. Aber er präzisiert: «Davon reden ist nicht versprechen.» Lang meint auch, dass der Betrieb offenbar einfach nicht gut genug gelaufen sei. An einem überrissenen Pachtzins kanns seiner Einschätzung nach nicht gelegen haben. Dessen Höhe sei selbst von Fachstellen als durchaus vernünftig eingeschätzt worden.

Man trennt sich also nicht in Minne, Pächter und Verpächter. Aufgrund schwelender Konflikte hat Müller die letzten beiden Pachtzinse zurückbehalten, weil «die gemachten Versprechungen bei Pachtantritt nie eingelöst wurden und auch keine Aussicht darauf bestand, dass sie jemals eingelöst werden», wie der Steirer sagt. Lang sieht das hingegen anders. «Zurückbehalten wurden insgesamt vier Pachtzinszahlungen. Und Pachtzinse haben nun mal Priorität.»

Lang vermutet eher andere Gründe hinter dem Scheitern. «Herr Müller ist sicher ein guter Koch», sagt er. Aber Koch und Wirt, das sei nicht dasselbe. Müller seinerseits gibt gerne zu, dass es zu Beginn eine Durststrecke gegeben habe. «Es dauert manchmal halt, bis die Leute einen kennen», sagt er. Mittlerweile werden in der «Alten Post» über Mittag zwischen 20 und 40 Mittagessen serviert, zählt Müller auf, und mehr als 50 Personen, die den Apéro-Stammtisch beleben. Apéro-Stammtisch? «Das sind Leute, die etwa nach Feierabend auf ein Bier vorbeikommen.» Und er erzählt nicht ohne Stolz, dass für seine Wiener Schnitzel sogar Kundschaft aus Solothurn anreiste.

Manchmal sei ihm auch das Zubereiten dieses Klassikers der österreichischen Küche fast ein bisschen verleidet: Denn die Schnitzel mit Petersilienkartoffeln liefen ausgezeichnet; sogar mit den Preiselbeeren als Garnitur, über die die Kundschaft erst spottete. «Als die Preiselbeeren mal aus waren, gabs sogar Kunden, die sich über deren Ausbleiben beschwerten», lacht Müller, der seinen Auszug per Ende Juni zwar bedauert, aber letztlich auch nichts ändern kann. Er habe sich nichts vorzuwerfen, sei seinen Verpflichtungen stets nachgekommen, sagt er. Lang seinerseits gibt sich da eher skeptisch.

Allenfalls wären noch Lieferanten in dieser Hinsicht zu befragen, meint er. Und bei der Wartung von Kücheneinrichtungen habe es auch Probleme mit nicht bezahlten Rechnungen gegeben. Folge: «Dann kommt die fragliche Servicefirma halt beim zweiten Mal nicht mehr vorbei», bilanziert Lang. Seis drum. Nun müsse wieder nach einem neuen Pächter gesucht werden.

Mangelnde Kontinuität

Es fehle halt an Kontinuität in diesem Haus, sagt Müller, und er meint damit die «Alte Post». Mal offen, dann wieder geschlossen, mal Shisha-Lokal, dann wieder Speiserestaurant. Dieser ewige Wechsel lasse auch keine trianguläre Identifikation von Gast, Betrieb und Wirt zu, meint er. «Dabei liegt das Haus gar nicht schlecht.» Dennoch: Ende Monat zieht er aus. Vielleicht Richtung Berner Oberland. Müller jedenfalls redet von der Option Interlaken.

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