Es gab im vergangenen Jahr regelrechte Völkerwanderungen zum Chrebskanal (Mittelgäubach) in der Ebene nördlich von Kestenholz. An einem einzigen Tag im März wurden fast 250 Personen gezählt. Nahe der St.Peterskapelle hatten sich Biber niedergelassen und einen Damm aufgebaut, den höchsten im Kanton Solothurn, wie damals Fachleute festhielten.

Verdächtige Veränderungen

Der Damm und die Biberburg sind zwar noch da, doch die Biber sind weg. «Wir vermissen sie», gibt Arno Bürgi, Ressortleiter Umwelt im Gemeinderat, spontan zu. «Das war schon eine Attraktion. Die Wegroute, die beim Naturreservat am Chrebskanal vorbeiführt, wurde für Spaziergänger noch beliebter, als sie sonst schon ist.»

Und Spaziergänger seien es auch gewesen, die verdächtige Veränderungen am Damm festgestellt und gefragt hatten: «Ist der Biber weg?» Wenn der Damm nicht mehr regelmässig gepflegt werde, so sei dies ein Zeichen dafür, dass das Revier verlassen worden ist, erklärt Bürgi.

Bei der Autobahn umgekommen

Im Juli herrschte dann Gewissheit. Es wurden zwei tote Biber registriert, der eine kam bei der Autobahnauffahrt Oensingen ums Leben, der andere auf der Autobahn Richtung Egerkingen, wie Mark Struch, Wildbiologe beim Amt für Jagd und Fischerei des Kantons Solothurn, bestätigt. «Man muss davon ausgehen, dass es die beiden Tiere von Kestenholz waren.»

Anfänglich war nicht ganz klar, ob dort die Biber wirklich zu zweit waren. «Doch aufgrund der Spuren war es dann praktisch sicher. Und es bestand Aussicht darauf, dass sie eine Familie gründen würden. Das Revier eignet sich nämlich bestens dafür», führt Struch aus. Eine Überflutung der angrenzenden Felder, was beispielsweise in Wolfwil Probleme macht, könne in Kestenholz aufgrund der Topografie ausgeschlossen werden.

Ob wieder Biber hinkommen?

Warum haben sich die Biber eigentlich so weit von ihren Bau entfernt in Richtung Autobahn? «Einerseits erkunden sie ihr Revier, denn dieses markieren sie sehr strikte», antwortet Struch. Anderseits würden sie bei der Futtersuche auch weitere Strecken zurücklegen. «Zum Beispiel Zuckerrüben haben sie sehr gerne.»

Besteht die Möglichkeit, dass der Bau in Kestenholz wieder belebt wird? «Ja, die besteht», sagt Struch. «Man kennt die Route der Biber von der Aare her hinüber zum Mittelgäubach, auf der die erwähnten Tiere vermutlich nach Kestenholz gelangt sind.»