Des Lobes voll war man im Foyer des Stadthauses in Olten. Dort wurde die Ausstellung «Areal Bahnhof Nord» eröffnet und gleichzeitig das Mitwirkungsverfahren lanciert, welches bis 1. Juli dauert.

«starken städtebaulichen Akzent»

Stadtpräsident Ernst Zingg sprach in diesem Zusammenhang von einem «starken städtebaulichen Akzent», den es mit klaren Entscheiden zu begleiten gelte, «wenn es darum geht, dass 13 Geschosse mit maximal 46 Metern Höhe möglich sein werden.» Das sei zwar nicht mit Wolkenkratzern vergleichbar, aber doch «eine neue Dimension für unsere Stadt». Zum Vergleich: Oltens Stadthaus weist eine Höhe von 51 Metern auf.

Arbeits- und Wohnquartier

Vorbei also ist es mit dem Werkstatt-Groove, der dort seit rund 150 Jahren herrschte. Im Areal Bahnhof Nord, wo früher die SBB-Hauptwerkstätte Olten stand, tut sich nämlich was. Nicht nur wird aktuell die Betriebszentrale Mitte der SBB erstellt; das ganze Gebiet soll sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu einem neuen Arbeits- und Wohnquartier an zentralster Lage entwickeln. Zurzeit wird der Gestaltungsplan erarbeitet. Und was irgendwie noch utopisch klingt, tönt in den Ohren der Planer plausibel. Sie jedenfalls gaben sich überzeugt, dass Oltens Bahnhof Nord und die dort zur Realisierung vorgesehenen Projekte einem aktuellen Bedürfnis entsprechen. «Zürich und Olten rücken näher zusammen», so ein Satz aus dem Mund eines Vernissageteilnehmers. Und weiter: Auch Interessenten aus der Region würden sich um einen Platz auf dem neuen Standort Areal Bahnhof Nord bemühen.

Wohnen und Arbeiten

Seit der Erweiterung des SBB-Industriewerks Tannwald an der Industriestrasse im Jahr 2005 wurde die 1855 errichtete Hauptwerkstätte beim Bahnhof an der Gösgerstrasse Schritt für Schritt stillgelegt. Ebenfalls in Etappen soll an zentralster Lage unmittelbar neben dem Bahnhof Olten ein neues Arbeits- und Wohnquartier entstehen. Der erste Schritt ist auf der Basis eines eisenbahnrechtlichen Verfahrens bereits in Umsetzung: Ab Mitte 2014 wird ungefähr in der Mitte des Areals eine der vier Betriebszentralen der SBB in Betrieb genommen; von hier aus werden künftig 350 Mitarbeitende den Bahnverkehr der Region Mitte steuern. Die Zentralisierung von heute über hundert regionalen Standorten auf deren vier erlaubt die gegenseitige Unterstützung.

Verdichtet in die Höhe bauen

Für das übrige Areal wird derzeit ein Gestaltungsplanverfahren durchgeführt. Der Gestaltungsplan legt die Rahmenbedingungen für die Nutzung fest; im Rahmen eines Mitwirkungsverfahrens erhält dabei die Bevölkerung Gelegenheit, sich über die Planung zu informieren. Mit der Vernissage nun liess man die sprichwörtliche Katze aus dem Sack. Das Areal in Gleisnähe ist hervorragend geeignet, um verdichtet in die Höhe zu bauen und einen deutlichen städtebaulichen Akzent zu setzen. Die Umsetzung der Überbauung (5 Kuben) soll in zwei Etappen vor sich gehen.

Entlang des öffentlich zugänglichen Boulevards, der durchs ganze Areal und teilweise durch bereits bestehende Gebäude führt, sind in den Erdgeschossen mehrheitlich publikumsorientierte Nutzungen mit Bezug zum öffentlichen Raum (Läden, Schalterbereiche, Restaurants) vorgesehen; ein zentrales Anliegen der Planer. Denn nur so lässt sich der anvisierte belebte Boulevard, wie er im Faltprospekt erwähnt wird, realisieren.

Keine Einkaufszentren

Verkehrsintensive Anlagen wie zum Beispiel Einkaufszentren sind hingegen nicht zugelassen. In der gemischten Nutzung mit Dienstleistungen und Wohnen gilt ein Mindestwohnanteil von 30 Prozent Wohnanteil (Raum für ca. 300 Personen), die aber nicht gleichmässig auf alle Gebäude verteilt sein müssen. Zwischen den neuen Gebäuden bleiben einige Altbauten der SBB teilweise oder ganz erhalten und werden in die neue Überbauung integriert. Ab 2016 wird mit dem Baubeginn der ersten Etappe (die beiden Bauten rechts im Bild) im Süden des Areals gerechnet.

Akzent auf Nachhaltigkeit

Im von der Einwohnergemeinde gemeinsam mit der SBB Immobilien AG geplanten Projekt spielen für die Energiestadt Olten auch die Ansprüche an Nachhaltigkeit und sorgfältigen Umgang mit Umwelt, Energie und Ressourcen eine grosse Rolle: Die kommunale Energieplanung ist dabei fester Bestandteil und alle Neubauten erfüllen die Ziele des Minergie- oder eines vergleichbaren Standards. Auf dem Areal wird der Langsamverkehr gefördert. Durch die Nähe zum Bahnhof besteht eine optimale Anbindung an den öffentlichen Verkehr, die durch zwei am Areal entlang führende Buslinien ergänzt wird. Carsharing, Akku-Aufladestationen für E-Bikes und Veloabstellplätze sind weitere Stichwörter.

Bahnhof Nord wird mit den weiteren laufenden Vorhaben in dessen Nähe abgestimmt; so mit der Neugestaltung des Bahnhofplatzes und mit ANDAARE, das die Zugänglichkeit des Aareraums verbessern und die Innenstadt mit dem Bahnhof attraktiver verbinden will. (sko/hub)