Zu Beginn eine Grundsatzfrage: Wie gehts dem Oltner Gewerbe: gut oder schlecht?

Andreas Jäggi: Ich hoffe, dem Oltner Gewerbe gehts gut. Es gehört ja zur Mentalität der Oltner, dass man sich schlechter macht, als man eigentlich ist. Generell ist das Geschäft wegen des Einkaufstourismus oder des Online-Shoppings sicher härter geworden. Dem Oltner Gewerbe gehts aber gleich gut oder gleich schlecht wie überall.

Kürzlich war ein Testkäufer im Auftrag des Gewerbes Olten unterwegs. Ihm ist aufgefallen, dass Olten tot wirke. Was sagen Sie dazu?

Jäggi: Tot ist zu hart ausgedrückt. Ihm sind vor allem Schaufenster aufgefallen, die Staub angesetzt haben und daher wenig lebendig wirkten. Andererseits sah er auch das grosse Potenzial der Stadt Olten.

Daniela Gaiotto: Erwähnenswert ist auch, dass es bei seinem Besuch nicht sehr warm war. Wenns nun wieder wärmer wird, ist die Stadt zum Beispiel in der Kirchgasse viel belebter als in der kälteren Jahreszeit. Das ist auch zu berücksichtigen.

Der Testkäufer war auch in Läden, in denen er trotz grossem Interesse an Produkten vom Verkaufspersonal nicht angesprochen wurde. Was halten Sie davon?

Gaiotto: Zum einen ist es natürlich eine verpasste Gelegenheit, zum anderen ist so ein Testkauf jeweils nur eine Momentaufnahme. Wir sollten daraus nicht generell auf schlecht geschultes Verkaufspersonal schliessen.

Jäggi: Für solche Fälle haben wir Treffen wie den Detaillistenzirkel: Wir halten den Gewerblern so den Spiegel vor den Kopf: Wenn der Kunde schon im Laden ist, dann muss man ihn auch dort behalten!

Wie könnte die Einkaufsstadt Olten wieder mehr belebt werden?

Jäggi: Unser Verband kann eine Plattform bieten für den Gedankenaustausch, aber zuletzt müssen die Gewerbler das Heft auch selbst in die Hand nehmen. Es ist nicht die Idee, dass der Gewerbeverband zig Sachen anteigt. Er soll einfach für gute Rahmenbedingungen sorgen.

Gaiotto: Es gibt kleine Sachen, die etwas bewirken können. Zum Beispiel hat Stadtpräsident Martin Wey spontan angeboten, in einigen Läden Klavier zu spielen. Solche Massnahmen sind das eine, wir müssen diese aber auch kommunizieren, damit die Leute davon wissen.

Jäggi: Wichtig ist auch, dass die Gewerbler die heutigen Herausforderungen im Detailhandel miteinander statt gegeneinander angehen und versuchen, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.

Stichwort Ladenöffnungszeiten: Auch der Coop City hat am Samstag nun bis 18 Uhr offen. Müssten nun andere Läden in der Innenstadt nachziehen?

Jäggi: Nein, nicht unbedingt. Jeder Ladenbesitzer kann das selbst entscheiden und er muss dann geöffnet haben, wenn er Kunden hat.

Gaiotto: Da würden wir gegen Windmühlen ankämpfen. So eine Vorgabe könnten wir nie durchsetzen. Das Ziel müsste es eher sein, dass wir es schafften, die verschiedenen Öffnungszeiten den Kunden zu kommunizieren.

Der Abendverkauf am Donnerstag ist ebenfalls ein Sorgenkind.

Jäggi: Wenn ich abends um acht keine Schuhe mehr verkaufen kann, bringt es nichts, den Laden geöffnet zu haben. Jeder Ladenbesitzer soll bis dann offen halten, wie er es für sich am besten hält.

Gaiotto: Gewisse Läden sind von Ketten fremdgesteuert, da können wir wenig beeinflussen. Von den kleinen Läden dürfen wir nun aber nicht erwarten, dass diese bei den Öffnungszeiten mit den grossen Playern mitziehen.

Man hört immer wieder, die Mieten in der Stadt Olten seien zu hoch. Die Miete des Hauses an der Kirchgasse 4, wo früher das Schuhgeschäft Vögele Shoes untergebracht war, kostet über 16 000 Franken pro Monat. Wie sehen Sie das?

Gaiotto: Ich kenne die einzelnen Zahlen nicht im Detail. Aber das ist in Olten ein Riesenproblem. Wenn ein Ladeninhaber überlegen muss, ob er überhaupt den Umsatz generiert, um die Miete bezahlen zu können, ist das bitter. In solchen Fällen wünschten wir, dass die Vermieter den Ladenbetreibern beim Preis entgegenkommen würden.

Jäggi: Letztlich bewegen wir uns aber in einem freien Markt. Und wenn jemand eine so hohe Miete bezahlt, ist es halt so.

Was erhoffen Sie sich vom neuen Sälipark 2020?

Gaiotto: Es ist erfreulich, dass die Giroud-Olma in dieser Stadt so viel Geld investiert. Ich sehe gute Chancen, dass mit dem neuen Sälipark Läden entstehen, die es bisher in Olten nicht gab. Das könnte Kunden ausserhalb Oltens dazu bewegen, deswegen in die Stadt zu kommen. Ich halte den neuen Sälipark für eine Riesenchance.

Jäggi: Ich hoffe, dass mit dem neuen Sälipark nicht nur Olten attraktiver wird als Einkaufsort, sondern auch die Innenstadt davon profitiert und die Kunden in unsere Altstadt kommen.

Ihr Vorgänger hat professionellere Strukturen angesprochen: Müssten sich die verschiedenen Organisationen in Olten (Wirtschaftsförderung Region Olten, Industrie- und Handelsverein Olten etc.) verbünden, um schlagkräftiger zu sein?

Gaiotto: Es wäre gut, wenn wir unsere Kräfte bündeln würden und somit mehr Gewicht hätten. Ich sehe zum Beispiel Potenzial mit Olten Tourismus.

Jäggi: Es gibt eine Marke, und die heisst Olten. Diese sollten wir vermehrt in den Vordergrund rücken. Wir verzetteln uns manchmal. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir mit der Zeit mehr mit anderen Partnern in Olten zusammenarbeiten.

Frau Gaiotto, Sie sind in der Kommunikation der Pallas Kliniken tätig. Müsste man die Stadt einfach besser bei den Kunden verkaufen, dann kommts gut?

Das ist sicher zum Teil so. Ich finde, die Stadt hat ein gutes Angebot, eine tolle Gastronomie und attraktive Anlässe – wie zum Beispiel am vergangenen Sonntag den Spendenlauf Wings For Life, um nur einen aktuellen zu nennen. Aber sie müssten auch in anderen Städten bekannt gemacht werden.

Herr Jäggi, Sie sind Geschäftsführer einer Elektrofirma: Wenn ein Kunde bei einem Auftrag zögert, weil er eine günstigere Offerte von einer anderen Firma hat. Wie überzeugen Sie ihn?

Mit meiner Firma biete ich Dienstleistungen aus einer Hand an. Bei uns ist der Kunde am besten aufgehoben, weil er einen Ansprechpartner für all seine Anliegen im Bereich Elektro hat. Ich meinte, so müssten die Detaillisten ihren Kunden auch die eigenen Vorteile aufzeigen können.