Sie gibt zu reden, die Begegnungszone in Olten. Jüngstes Beispiel: Parlamentsmitglied Thomas Rauch (FDP) und Mitunterzeichnende haben am 17. August eine dringliche Interpellation eingereicht, welche in der Parlamentssitzung von kommendem Donnerstag, 22. August behandelt wird.

Ziel des Vorstosses: Die Klärung der Frage, welche Sofortmassnahmen ergriffen würden, «damit die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer, Kinder im Vorschulalter und diejenigen in den unteren Schuljahren auch ohne die lenkenden Fussgängerstreifen gewährleistet ist», wie der Interpellationstext verrät.

Besonders brisant, so Rauch, sei in dieser Angelegenheit etwa der Bereich Hübelischulhaus. Aber darüber hinaus macht der Interpellant noch weitere Mankozonen aus. «Auch in der Schützenmatte ist die Situation für jüngste Verkehrsteilnehmende äusserst unübersichtlich», argumentiert er.

Die Aufhebung aller Fussgängerstreifen in den entschleunigten Verkehrszonen (20 km/h) und jene in der Schützenmatte (30 km/h) habe zu einer allgemeinen Verunsicherung geführt und stelle die Verkehrssicherheit infrage.

«Wie etwa findet sich ein Bewohner des Martinsheims zurecht, wenn er nur schon ins Hammercenter will?», gibt Rauch zu bedenken, nach dessen Ansicht auch der Perimeter der entschleunigten Zone zu grosszügig ausgefallen ist. So oder so: Die aktuelle Situation generiere ein hohes Mass an Verunsicherung, stellt Rauch fest.

Es fehlen bauliche Massnahmen?

Sauer stösst dem FDP-Mitglied auch der Umstand auf, dass die verkehrsberuhigten Zonen weitgehend ohne bauliche Massnahmen umgesetzt wurden. Und er zitiert aus dem Bericht der TCS Sicherheitsabteilung, welcher unter dem Titel «Zonen unter der Lupe» festhält: «Eine Zone wird zur blossen Alibiübung, wenn sie lediglich bei der Einfahrt signalisiert ist und auf die notwendigen, gestalterischen Massnahmen verzichtet wurde, welche das Fahren in hohem Tempo verhindern soll.»

Und der Bericht fährt fort: «Ideal wäre die Zone, wenn eine spontane Temporeduktion einzig durch die Ausgestaltung ausgelöst wird, ohne dass eine Signalisierung nötig wäre.»

Eben genau dies vermisst Rauch in Olten. Darum will er vom Stadtrat auch wissen, weshalb die Begegnungszone (20 km/h) eingeführt wurde, ohne die zwingenden baulichen Massnahmen vorher umgesetzt zu haben. Und weil diese fehlen, hakt der Interpellant nach und will auch Auskunft darüber, wann diese gestalterischen Massnahmen vollzogen würden.

Dringlichkeit befürworten

Die Stadt ihrerseits verweist auf den Umstand, dass auch der Stadtrat die Dringlichkeit der Interpellation stützen und diese - falls das Parlament dies wolle - in der Sitzung vom 22. August beantworten werde.

Stadtschreiber Markus Dietler gibt hinsichtlich der Fussgängerstreifen zu bedenken, dass in der Begegnungszone der Fussgänger auf jeden Fall vortrittsberechtigt sei und ein aufgebrachter Fussgängerstreifen dieses generelle Vortrittsrecht vermeintlich wieder einschränken und damit für Verwirrung sorgen würde.

«Es ist klar, dass die Neuordnung eine gewisse Anpassungszeit braucht», so der Stadtschreiber weiter. In der schulischen Verkehrserziehung etwa werde grundsätzlich darauf hingearbeitet.

Hinsichtlich der Umgestaltung der Tempo-20-Zone (Konradstrasse) weist der Stadtschreiber darauf hin, dass schon in der Abstimmungszeitung zu lesen war, dass die Umsetzung der Strategie «Entwicklung Innenstadt» in unabhängigen «Bausteinen» geschehe, abgestimmt auf Sanierungszyklen, politische Entscheide und auch finanzielle Möglichkeiten. Mit der vollendeten Realisierung Umgestaltung Kirchgasse im Juni diesen Jahres sei vorläufig der Baustein A dieser Strategie umgesetzt worden.