Autor Joseph Jung legt in der Buch-Reihe «Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik» einen Band über das Leben und Wirken des gebürtigen Oltners Hans Künzi (1924–2004) vor. Diese Woche wurde es an der Universität Zürich unter Anwesenheit von viel Prominenz der Öffentlichkeit vorgestellt.

Künzi stammte aus einer Emmentaler Familie, der Vater war als Elektrotechniker bei der Atel in Olten angestellt. Der begabte Junge kam nach den Grundschulen in Olten als 17-Jähriger ins «Kosthaus» nach Solothurn, um die Kantonsschule besuchen zu können. Hier machte Künzi prägende, kollegiale Erfahrungen in der «Wengia», der freisinnig-liberal orientierten Studentenverbindung.

Nach der Matur gab es bei der Wahl des Studienfaches mehrere Möglichkeiten: Literaturwissenschaften, Mathematik oder gar Theologie? Künzi entschied sich für die Mathematik. 1943 nahm er Wohnsitz in Zürich und schrieb sich an der ETH für die Fächer Mathematik und Physik ein. Dieses Studium verlangte seine ganze Aufmerksamkeit.

Künzis Eltern berappten dem Sohn die Semestergebühren und Kollegiengelder, die restlichen Auslagen musste sich der junge Student selbst verdienen. Dies tat er mit Unterrichten während den Semesterferien an Volks- und Fachschulen. Doch von der Mutter gabs jeden Sonntagabend, wenn Hans nach dem Wochenende bei den Eltern wieder nach Zürich reiste, einen Fünfliber und ein Mödeli Anke. Solche und noch viele andere Anekdoten aus dem Leben des leutseligen Wissenschafters und Politikers hat Autor Jung in seinem Buch zusammengetragen.

Er zeichnet das Bild eines überaus aktiven und gewinnbringenden Menschen; einer der das Herz auf dem rechten Fleck hatte und der sich meistens in seinem Leben auch zur rechten Zeit am rechten Ort befand.

Jüngster ETH-Professor

1947 schloss Künzi das Studium ab und 1949 reichte er seine Dissertation mit dem Titel «Der Fatou’sche Satz für harmonische und subharmonische Funktionen in n-dimensionalen Kugeln» ein. Zunächst aber wurde der junge Mathematiker als Hauptlehrer für Mathematik und Physik an die kantonale Handelsschule Zürich gewählt.

1954 erfolgte dann die Habilitation an die ETH. Als Dreissigjähriger war er nun verpflichtet, Lehrveranstaltungen durchzuführen, was ihm sehr viel Freude machte. Etwas schwerer tat sich der junge Professor damit, eine Partnerin zu finden. Seine Mutter stiess ihn immer wieder an, auf diesem Gebiet endlich tätig zu werden. Durch einen Zufall lernte er Magdalen Girsberger, aus der gleichnamigen Stuhldynastie, kennen und besuchte mit ihr den Polyball der Universität 1955. Ein Jahr später heirateten sie.

Künzis Werdegang führte ihn von der reinen zur angewandten Mathematik. Er wird heute als Visionär der Datenverarbeitung betrachtet, denn dank ihm machte die Uni Zürich die ersten Schritte ins Computerzeitalter. Seit 1955 war Künzi von der neuen, aus Amerika stammenden Disziplin «Operations Research» fasziniert.

Von der Schweizer Armee wurde der Mathematiker mehrfach mit der Durchführung von wissenschaftlich betreuter Projekten betraut. So erarbeitete er mittels wissenschaftlicher Studien Grundlagen zur Flugzeugbeschaffung in den 1960er Jahren. Doch der Bundesrat entschied sich für ein anderes, als das von Künzi vorgeschlagene Flugzeug. Ein Skandal damals. Im Buch ist diese Episode detailreich nachzulesen.

Schritt in die Politik

1970 wurde der Wissenschafter Hans Künzi Politiker. Er wurde Zürcher FDP-Regierungsrat und damit Volkswirtschaftsdirektor und ein Jahr später auch Zürcher Nationalrat. Heute noch lässt sich sagen, dass der Oltner Künzi der beliebteste Zürcher Regierungsrat war. Ganze 16 Jahre lang übte er sein Doppelmandat aus, das heute nicht mehr möglich ist. Als Regierungsrat entwickelte er das Konzept für die S-Bahn und den Zürcher Verkehrsbund ZVV der bis heute wegweisend ist und Bestand hat.

Jung, Joseph «Hans Künzi – Operations Research und Verkehrspolitik» Reihe Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik Bd. 109. 184 S. mit zahlreichen Fotos. www.pioniere.ch/produkt/band-109