Wangen bei Olten

Vereinspräsident wirft nach Anschuldigungen das Handtuch

Unruhe im Vorstand: Innert acht Monaten nahmen Präsident und Vizepräsident des Vereins Wohnheim Bethlehem den Hut; Letzterer nicht freiwillig.

Im Verein Wohnheim Bethlehem in Wangen bei Olten hat sich die Vorstandsspitze innert acht Monaten zurückgezogen: eine Flurbereinigung?

Es wirkt wie eine «Usruumete», was sich in den letzten knapp acht Monaten im Vorstand des Vereins Wohnheim Bethlehem in Wangen bei Olten abspielte. Zur Erinnerung: Ende Oktober letzten Jahres hatte die Mitgliederversammlung den Vizepräsidenten des Vereins, Walter Husi, abgewählt und in die Wüste geschickt, etwas unschön formuliert (wir berichteten). Auf Antrag des Vereinsvorstandes, wohl gemerkt. Er, Husi, schade dem Ansehen des Vereins und der Institution Wohnheim Bethlehem, hatte die Mehrheit in der achtköpfigen Vereinsleitung moniert. Husi selbst gab im Vorfeld seiner Abwahl zu verstehen, er sei sich keiner Schuld bewusst. Die Mehrheit im Vorstand würde ihm halt verübeln, dass er in seiner Medienarbeit jeweils auch zum Ausdruck bringe, dass die Rechnungen defizitär ausfallen würden. Im Weiteren lege er den Finger auf wunde Punkte. Er habe vorstandsintern etwa auf mögliche Missstände und Versäumnisse im Heimbetrieb hingewiesen. Erfolglos, wie Husi damals meinte.

Die Abwahl: bemerkenswert in zweierlei Hinsicht. Erstens: Es ist aussergewöhnlich, dass eine Mitgliederversammlung ein Vorstandsmitglied in die Wüste schickt. Zweitens: An der seinerzeitigen Vereinsversammlung, die über Husis Abwahl zu bestimmen hatte, war Präsident Hans-Jörg Burri der einzige, der dem Vize die Stange hielt und ihn als «nützlichen Querdenker» bezeichnete. Vergeblich. Dass damit auch die Position des Präsidenten ins Wanken geraten könnte, ahnten damals vielleicht nur die gewieftesten Insider.

Nach dem Vizepräsidenten geht auch der Präsident

Und doch kam es so: Mittlerweile ist nämlich auch Vereinspräsident Hans-Jörg Burri zurückgetreten. Mitte Juni. Überraschend. Zu den Gründen äussert sich Burri nur sehr zurückhaltend. Immerhin so viel: «Der Schritt ist mir nicht leicht gefallen, da ich mich sehr mit dem Verein verbunden fühle.» Im Übrigen macht der ehemalige Präsident persönliche Gründe für seinen plötzlichen Entscheid geltend und präzisiert: «Aufgrund der ungerechten Anschuldigungen an meine Person und scheinbar unüberwindbaren Meinungsverschiedenheiten sah ich keine andere Möglichkeit als den Weg für eine Nachfolgerin oder Nachfolger mit sofortiger Wirkung frei zu machen.» Ursachen also, die zum plötzlichen Rücktritt als Vereinspräsident und Vorstandsmitglied des Verein Wohnheim, Bethlehem führten. Aber Burri sagt auch: «Ich möchte Abstand halten von negativen Emotionen und verletzenden Worten."

Indiskretionen dürften Auslöser sein

Worauf lässt das schliessen? Dass nicht nur hübsch geredet wurde im Vorstand? Oder irgendwelche zwischenmenschlichen Dissonanzen vorherrschten? Sich Missverständnisse aneinanderreihten? Womöglich gibt eine Notiz Walter Husis Aufschluss über die Geschehnisse im Vorstand. In seinem Leserbrief von Mitte August kritisiert der im Oktober geschasste Vizepräsident abermals, die mediale Berichterstattung über den Verlauf der Generalversammlung des Vereins sei lückenhaft. Es fehlten Zahlen zum Jahresabschluss, die Erwähnung der nicht ernst genommenen Anregung Husis nach einem Finanzplan für drei Jahre. Und schliesslich monierte er die im Medienbericht fehlende Erwähnung seiner Frage, weshalb der Vorstand bei der Wahl der neuen Revisionsstelle nicht einen Zweiervorschlag unterbreiten wollte. Husi wirft im Leserbrief in diesem Zusammenhang gar die Frage auf, ob all die Unterlassungen nicht doch etwa System hätten.

Durchgesickert sind zwischenzeitlich wenig Fakten, dafür viele Mutmassungen, wie Recherchen dieser Zeitung zeigen. Herausfiltern lässt sich: Die überraschende Demission Burris hat offenbar mit vermeintlichen Indiskretionen im Vorstand zu tun. Indiskretionen, die sich im Zusammenhang mit der eben nicht zustande gekommenen Zweierkandidatur betreffs der neu zu wählenden Revisionsstelle ergaben. Wie Husi in seinem Leserbrief erklärt, wäre nämlich auch ein absolut seriöses Treuhandbüro aus Wangen dafür infrage gekommen, welches aber im Vorstand nicht zum Handkuss kam.

Vizepräsident will sich nicht äussern

Der amtierende Vizepräsident des Vereins, Markus Sigrist, möchte zum Rücktritt des ehemaligen Präsidenten und den dafür ausschlaggebenden Gründen keine Angaben machen, ebenso wenig zu den von Walter Husi gemachten Vorhalten. Wann das Präsidium im Verein wieder besetzt sein wird, kann Sigrist noch nicht genau sagen. Nur so viel: «Die Vorbereitungen laufen.»

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