Drei Tage lang durfte Kappel feiern. Am Wochenende war wieder einmal Chilbi-Zeit, die heuer im kleinen Rahmen bereits am Freitag begann (wir berichteten). In diesem Jahr war Petrus den 19 Vereinen mit ihren Stübli wohlgesinnt: Es blieb mehrheitlich trocken. Nur am Freitagabend und am Samstag nieselte es gelegentlich auf die zahlreichen Besucher hinab, die sich den Spass dadurch aber nicht verderben liessen. Wiederum hatte der Gaumen die Qual der Wahl zwischen Raclette, Berliner, Hamburger, Hörnli, Käseschnitten, Würsten, Pommes frites, Pizza und vielem mehr. Ein Rundgang durch die Chilbi beweist: Die «Chappeler», die haben Charme. Und das weiss man auch über die Dorfgrenzen hinaus.

Die Chappeler Chilbi im Zeitraffer

Die Chappeler Chilbi im Zeitraffer.

  

Dorfstross-Buebe Chilbi Kappel

Dorfstross-Buebe Chilbi Kappel

Die «Dorfstross-Buebe» beim Aufbau ihrer zweistöckigen Bar für die Chilbi Kappel.

  1. Die ersten Stübli entführen Besucher an Schweizer Orte
    Gehen Besucher unter dem pinken Torbogen hindurch, der den Anfang der Chilbi-Meile markiert, kommt zuerst eine geraume Zeit nichts. Nur in der Ferne lässt sich schon die Kaffeestube entdecken, die in diesem Jahr erstmals auch auf der Dorfstrasse anzutreffen ist. «Euch muss man jetzt ja beinahe durch die Hütte rennen, wenn man nach Hause will», meint ein Besucher lachend. Ganz dem Charme dieser holzigen Alphütte entsprechend, ist das Innere mit Lebkuchenherzen dekoriert, einige der Serviererinnen tragen sogar Dirndl. Von der Alp geht es direkt weiter ins Tessin: Denn etwas weiter vorne steht das Grottino, ebenfalls themengemäss dekoriert mit schweren italienischen Weinfässern und Traubenranken. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite verraten Holzspäne am Boden, dass man sich jetzt im Kuhstall befindet. Nur das Muhen der Kühe fehlt. Zwischen diesen drei Stübli stehen Tische, die zur Kaffeestube gehören. Dort sitzen am Sonntagmorgen schon wieder die ersten Käffeler. Es sind hauptsächlich Familien, Eltern und Grosseltern. Die etwas jüngere Generation hat sich wohl entschieden, nach einer durchzechten Partynacht erst einmal auszuschlafen. Was jedoch nicht heissen muss, dass einige den Kaffi an diesem Chilbi-Morgen nicht doch bereits mit etwas Schuss geniessen.

  2. Die zweistöckige Himmels-Bar mit imposanter Pyrotechnik
    Etwas weiter die Strasse runter steht der Grund, weshalb wohl viele Jugendliche den Sonntagmorgen im Bett verbringen: Die zweistöckige Bar der «Dorfstross-Buebe». Von dort aus herrscht am Samstagabend dröhnender Bass, Flüssiges gibt es in grossen Mengen. Mit imposanter Pyrotechnik heizen die «Buebe» ihren Partygästen ein. Getanzt wird aber kaum, weil es durch die vielen Besucher einfach unheimlich eng ist. So proppenvoll ist die Bar, dass ein Türsteher teilweise keine weiteren Partygänger auf das obere Deck lassen kann. Zum Glück gibt es nur einige Meter weiter bereits die nächsten Bars: Ob in der Bränte Villa, dem STV-Zelt oder beim Topfun, an der Chappeler Chilbi muss auf jeden Fall keine Kehle trocken bleiben. Wie so oft stauen sich vor der Bränte Villa die Massen. Dort werden noch bis in die frühen Morgenstunden Schweizer Hits wie «W.Nuss vo Bümplitz» oder «Scharlachrot» geschmettert.

  3. Die Kappeler Vereine verleihen der Chilbi ihren Charme
    «Es war einfach wieder eine lässige Stimmung», meint OK-Präsidentin Arzu von Arb zufrieden. «Es gab glücklicherweise auch keine Zwischenfälle, die Security hatte überhaupt nichts zu tun», so von Arb lachend. «Das zeugt natürlich von der guten und friedlichen Atmosphäre an diesem Anlass.» Auch die vielen Beizli seien an beiden Tagen stets gut gefüllt gewesen. «Das freut mich für die Vereine, die immer sehr viel Arbeit in ihre Stübli stecken.» Die Arbeit zahlt sich aus, die Stübli sind authentisch und mit viel Liebe zum Detail dekoriert. Zusammen mit den bunten Lichterketten und den grellpinken Fahnen verleihen sie der Chappeler Chilbi ihren Charme. In diesen Stübli trifft man immer wieder jemanden an, sei es der Nachbar, die ehemalige Schulkameradin oder die vielen Heimweh-Kappeler, mit denen man bei einem Bier alte Freundschaften aufleben lässt. «Hoi Paul», «Sali Vreni», «Grüezi Frou Studer», heisst es in allen Ecken. Die Chappeler Chilbi ist deshalb so familiär, weil sich sehr wahrscheinlich das gesamte 3000-Seelen-Dorf an diesen beiden Tagen auf der Flaniermeile versammelt. Bei so vielen Menschen wird es auf der Gemeindestrasse teilweise eng und der ein oder andere denkt dabei wehmütig an die Zeiten zurück, in denen die Chilbi noch auf der Hauptstrasse stattfinden konnte.

  4. Ponyreiten und eine andere Bar sind die Neuheiten in diesem Jahr
    Auch in diesem Jahr gibt es für die Chilbi-Gäste Neuheiten. So wurde neuerdings ein Ponyreiten angeboten, vor welchem vor allem Mädchen Schlange stehen. Mit grossen Augen warten sie geduldig darauf, an der Reihe zu sein und auf den Ponys und Pferden ihre Runden zu drehen. Der Schanze-Club empfing die Besucher ebenfalls unter einem neuen Motto. «Schiff Ahoi!», sollte es heissen. Nur wurde die Bar bis zum Start der Chilbi nicht fertig, weshalb sich das Schiff nur erahnen lässt.

  5. Zuckerwatte und «Butschi-Bahn» dürfen nicht fehlen
    Den Schluss der Chilbi bilden mitunter zwei Sachen, die an keiner Chilbi fehlen dürfen: Zuckerwatte und die «Butschi-Bahn». Ohne diese beiden Attraktionen wäre eine Chilbi nur halb so spannend. Von Klein bis Gross setzen sich Chilbi-Gänger in die Scooter, fahren umher und «butschen» ineinander. Kinder kreischen vor Vergnügen und halbstarke Männer buhlen in cooler Manier einhändig um die Aufmerksamkeit einer Angebeteten. An der Chappeler Chilbi ist für jeden etwas dabei, ob gemütliches Beisammensein in einem Stübli oder Nervenkitzel auf den Bahnen. Und hat man vom Anfang der Flaniermeile bis zum Schluss alles gesehen, dreht man einfach wieder um und schlendert erneut gemütlich bis zum anderen Ende.