Olten
Verein Stadtgespräche widmet letzt Veranstaltung den Perspektiven SüdWest

Der 2007 gegründete Verein Stadtgespräche um Präsident Thomas Schwab beschloss an seiner Generalversammlung am vergangenen Freitag, sich aufzulösen, lud aber doch zu einer letzten städtebaulichen Talkrunde ein.

Urs Amacher
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Von links Daniel Schneider, Martin Wey, Andreas Hofer, Thomas Schwab und Stefan Nünlist.

Von links Daniel Schneider, Martin Wey, Andreas Hofer, Thomas Schwab und Stefan Nünlist.

Hansruedi Aeschbacher

Der Oltner Verein Stadtgespräche mischte sich immer wieder mit Gesprächsrunden zur Stadtplanung in die öffentliche Diskussion ein. Oder er stiess sie – wie beispielsweise beim damals gefährdeten Columbarium im Friedhof Meisenhard 2010 – erst einmal an.

Das hat vorerst ein Ende. Der 2007 gegründete Verein Stadtgespräche um Präsident Thomas Schwab beschloss an seiner Generalversammlung am vergangenen Freitag, sich aufzulösen, lud aber doch zu einer letzten städtebaulichen Talkrunde ein.

Perspektiven?

Vorstandsmitglied Daniel Schneider führte in den Gesprächsabend ein. «Perspektiven?», lautete das Thema. Perspektiven im doppelten Sinn von Ausblick, Blick in die Zukunft sowie Aussicht, Chancen auf Erfolg, das Ganze versehen mit einem Fragezeichen.

Diesmal nicht auf einem Podium, sondern an der Bar stehend, debattierten der Stadtpräsident und Schuldirektor Martin Wey, der ehemalige Gemeinderat Stefan Nünlist und Andreas Hofer, Architekt und Vorstandsmitglied einer Wohnbaugenossenschaft.

Die Moderation besorgten Daniel Schneider und Thomas Schwab. Baudirektor Thomas Marbet sass im Publikum. Im Fokus stand das Areal der ehemaligen Cementi in Olten Süd-West.

Jetzt, da das erste Baufeld realisiert und die 400 Wohnungen bezogen werden, ist der Moment, innezuhalten. Baut man nun in diesem Stil weiter, und wird man dieses Schema einfach weitere sieben Mal kopieren?

Die Frage so zu stellen, suggeriert bereits die Antwort: eigentlich Nein. Martin Wey erinnerte aber daran, dass am Anfang der Planung die immer noch richtige Idee stand, mit der knappen Ressource Boden weniger verschwenderisch umzugehen und verdichtet zu bauen.

An guter Verkehrslage eine hohe Ausnützungsziffer zuzugestehen, ist nicht von vornherein falsch. In der Hochblüte des «Weniger Staat» galt die Ideologie, dass Wohnungsbau kein «Kerngeschäft» der Stadt und den Privaten zu überlassen sei.

In Zukunft werde man aber mit dem Bauherrn im Gespräch bleiben. Von einer reinen Wohnnutzung werde man sich Richtung besserem Nutzungsmix bewegen müssen. Der Eigentümer wolle gar nicht unbedingt derart monoton weiterbauen.

Er sei auch bereit, (nur) für öffentliche Infrastruktur wie etwa Kindergarten oder Schule Land der Stadt zu verkaufen oder im Baurecht abzugeben. Nünlist verlangte, das nötige neue Schulhaus im Kleinholz zu situieren und zuerst in den Langsamverkehr zwischen den beiden Stadtseiten (Winkelunterführung) zu investieren.

Nach Wey hat aber die Personenunterführung beim Bahnhof Hammer erste Priorität. In einer spontanen Konsultativabstimmung war man sich im Magazin einig: So weiterbauen geht eigentlich nicht.

Balance finden

Die Kunst beim Wohnungsbau sei es, die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden, betonte Andreas Hofer. In der auf dem Hunziker-Areal bei Zürich-Schwamendingen von seiner Genossenschaft realisierten neuen Wohnüberbauung geben es relativ kleine Wohneinheiten für private Rückzugsmöglichkeiten und viel Raum dazwischen für gemeinsame und öffentliche Nutzungen.

«Mehr als wohnen» lautet das Motto. Die Baugenossenschaft hat im Dialog mit den zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner sich für eine Mischung aus drei Bereichen entschieden, für ein Wohnen mit Bereichen für mich, für uns und für alle.

Ruedi Bieri, der im Publikum anwesende Vizechef des Solothurner Amts für Raumplanung, brachte es auf den Punkt: Bei der Planung reden die Fachleute mit, nie aber die Leute, die später in den Häusern leben.

Die letzten Stadtgespräche wurden musikalisch umrahmt vom Oltner Trio Mison Jazz 3 mit Michael Neuenschwander (Trompete, Tuba), Jörg Hurter (Gitarre) und Ernesto Gloor (Schlagzeug). Sie spielten Improvisationen zu Jazz-Standards aus den Fünfzigern wie «Moanin›» von Bobby Timmons oder südamerikanische Rhythmen wie Neuenschwanders Eigenkomposition «Un Paso mas». Un Paso mas – einen Schritt mehr – werden auch die in Olten Süd-West Beteiligten künftig tun müssen.