Verdichtung nach innen
Erlinsbach schafft Platz für 900 Menschen

Bis 2035 soll in Erlinsbach Platz für rund 900 zusätzliche Bewohnende entstehen. Das ist das Ziel der laufenden Ortsplanrevision.

Urs Huber Jetzt kommentieren
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Neu gestaltungsplanpflichtig: das Geviert Hauptstrasse (links), Jöggigässli (unten) und Erzbachstrasse (rechts) wird im Norden begrenzt durch einen Zweig der Hauptstrasse.

Neu gestaltungsplanpflichtig: das Geviert Hauptstrasse (links), Jöggigässli (unten) und Erzbachstrasse (rechts) wird im Norden begrenzt durch einen Zweig der Hauptstrasse.

Bruno Kissling / Oltner Tagblatt

Wo soll man bloss beginnen, wenn’s in Dörfern um die Ortsplanrevision geht und der provisorische Entwurf zur Vernehmlassung steht, wie dies derzeit in Erlinsbach der Fall ist? Gut 50 Interessierte wollten bei der Präsentation zur Vernehmlassung in der Kretzhalle dabei sein, wo Gemeindepräsidentin Madeleine Neumann den ganzen Prozess der Ortsplanrevision zu Recht als «grosse Kiste» bezeichnete.

Auf einen Nenner gebracht: Grundsätzlich beschreitet Erlinsbach konsequent die Verdichtung nach innen, der raumplanerische Zauberbegriff der Gegenwart. Ein Indiz dafür: Die Bauzonenflächen nehmen mit der vorgesehenen Revision, die für rund 15 bis 20 Jahre Gültigkeit haben wird, um knapp 6 Hektaren (ha) ab, das Siedlungsgebiet reduziert sich um gut 3 ha auf knapp 111 ha. Maximal 4500 Bewohnende lässt der revidierte Bauzonenplan zu. Ohne Nachverdichtung liegt dessen Potenzial bei 4300 Bewohnenden, was dem 2018 verabschiedeten Leitbild der Gemeinde entspricht. Ende 2020 zählte die Gemeinde 3630 Personen.

Eine Folge: Gestaltungsplan-Pflicht ausgedehnt

Der Planungsbericht hält denn auch fest: «Die revidierte Nutzungsplanung setzt für die kommenden 15 Jahre konsequent auf die Innenentwicklung.» Folge: Eine Ausweitung der Gestaltungsplanpflicht sowie die Anwendung einer Zone «W2+», welche unter gewissen Bedingungen die Schaffung eines dritten Stockwerks ermöglicht, nicht jedoch ein Attika. Die Erfahrungen mit Gestaltungsplänen seien gut in Erlinsbach, hält der Planungsbericht zudem fest. Bezüglich deren Inhalten gilt eine Reihe von Mindestanforderungen.

Was der Gestaltungsplan enthalten muss

Für alle Gestaltungspläne gelten Mindestanforderungen:

– Sicherstellung verdichtete Bauweise
– Schaffung einer guten Aussenraumgestaltung (attraktive Freiräume, Begrünung und Bepflanzung, Förderung der Biodiversität)
– Klärung des Wohnungsangebots in Abstimmung mit der Gemeinde
– Prüfung des Angebots an Abstellflächen für Autos in Bezug auf allfällig mögliche Reduktion gemäss den kantonalen Vorgaben
– Autoparkierung so weit wie möglich unterirdisch anordnen
– Gedeckte Veloabstellplätze bei Hauseingängen vorsehen
– Förderung erneuerbarer Energien mittels Energiekonzept oder energetischem Nachweis gemäss kantonalen Anforderungen
– Bei Gestaltungsvorschriften (insb. bei Wohnbauten) müssen diese so geregelt sein, dass sie die ästhetische und gestalterische Einheit auch nach Fertigstellung der Anlage und bei Eigentümerwechseln regeln können.

Neu in die Gestaltungsplanpflicht genommen wird das Geviert zwischen Hauptstrasse, Jöggigässli und Erzbachstrasse. Die Überlagerung «W2+» wiederum betrifft speziell jene sehr gut erschlossenen Gebiete, wo «das Veränderungspotenzial durch das Gebäude- und Bewohneralter hoch eingeschätzt wird», wie der Planungsbericht ausführt. Die Überlagerung «W2+» erstreckt sich relativ ausgedehnt über das Dorf in der Ebene. Damit werde die heutige Gesamthöhe der Gebäude nicht überschritten, so der Planungsbericht. Bedingungen, um die Überlagerung «W2+» ausnützen zu können, sind etwa die Schaffung von angemessen mehr Wohneinheiten im Vergleich zur Regelbauweise, eine gute Gestaltung der Bauten und der Umgebung und eine haushälterische Bodennutzung, effiziente Erschliessung und platzsparende Parkierungslösung.

Zündstoff Reservezone?

Allfälliger Zündstoff könnte von den Reservezonen ausgehen.

«Eine Aufhebung von Reservezonen ist immer etwas heikel»,

so Madeleine Neumann. Meist geht eine Aufnahme in die Reservezone mit der Erwartung der Landbesitzenden einher, künftig das Grundstück in der Bauzone zu sehen. «Die Reservezone ist für eine künftig mögliche Bebauung vorgesehen», ist nämlich im Zonenreglement zu lesen. 5,2 ha Land werden aus der Zone entlassen; Eymatt, Buholz, Bodenacker und Hausmesser finden sich im Nordteil der Gemeinde, die Weiermatt im Süden. Neu in die Reservezone aufgenommen dagegen wird das Gebiet ­Galgen, während das Oberredfeld Reservezone bleibt. Aus dem Planungs-bericht: «Eine weitere Entwicklung in die Fläche im Ausmass der heutigen Reservezonen ist von der Gemeinde nicht gewünscht.» Warum ausgerechnet vier Reservezonen im Norden aufgelöst werden sollen, erklären die Fachleute mit deren peripherer und direkt an sensible Ortsbilder grenzender Lage, während sich in Erlinsbach Süd das Gebiet Oberredfeld als Entwicklungsgebiet anbiete. Dieses runde das bisherige Siedlungsgebiet sinnvoll ab.

Bemerkenswert auch, dass in Teilen der Kernzone eine publikumsorientierte Erdgeschossnutzung explizit vorgesehen ist. Um es populär auszudrücken: Im eigentlichen Kerngebiet zwischen der Verzweigung Hauptstrasse/Aarauerstrasse und jener der Hauptstrasse/Stüsslingerstrasse sind Ladenlokale im Parterre möglich. Eine Reduktion der Zonen ist vorgesehen Apropos Zonen: In Erlinsbach erfahren diese eine Reduktion; alle Unterarten der W2-Gruppe werden künftig unter der Bezeichnung Wohnzone 2 (W2) geführt; eine Zone für ausschliesslich eingeschossige Wohnbauten ist nicht mehr vorgesehen. Eine Straffung erfahren auch Kern-, Erhaltungs- und Ortsbildzone, die in der Kernzone aufgehen.

Ein Hoch auf den Dunklen Wiesenknopf-Bläuling

Ein Wort zur Natur: Aus der Erarbeitung des Naturinventars stammt die Anregung, im Gebiet Summerhalden eine kantonale Naturschutzzone zu schaffen. Insgesamt wurden bei der Inventarisierung in diesem Gebiet 104 Tierarten gesichtet. «Beeindruckend ist mit 33 Arten die grosse Vielfalt an nachgewiesenen Tagfalterarten», ist im Naturinventar nachzulesen. Diese Anregung wird im Rahmen der Vorprüfung analysiert. Und im Bereich Müselmatt ist der Dunkle Wiesenknopf-Bläuling heimisch: Der Tagfalter gilt als stark gefährdet und ist in der Liste der prioritären Arten im Kanton Solothurn explizit aufgeführt, wie das Naturinventar verrät. Die Wiese wird im Hinblick auf dessen Vorkommen gemäss Vereinbarung mit dem Bewirtschafter in zwei Schnitten gemäht. Die angepasste Bewirtschaftung ihrer Lebensräume könne die Existenz des Falters fördern, wird im Naturinventar berichtet. Die Vernehmlassung dauert bis 19. November 2021. Die Unterlagen sind seit 30. September auch auf der Gemeindewebsite www.erlinsbach-so.ch aufgeschaltet oder können während der Dauer der öffentlichen Mitwirkung während der Schalteröffnungszeiten auf der Gemeindeverwaltung eingesehen werden.

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