Pfingsten
VC Born in Boningen bittet zur radtouristischen Rundfahrt

Wer sich morgen Montag sportlich betätigen will, dem empfiehlt sich die Teilnahme am Jura-Derby. Es muss ja nicht unbedingt die Surprise-Tour über 140 Kilometer sein.

Michael Forster
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An Pfingsten gehts am ringsten – besonders, wenn die Pace im Hammerrain von einer Gruppe vorgegeben wird.

An Pfingsten gehts am ringsten – besonders, wenn die Pace im Hammerrain von einer Gruppe vorgegeben wird.

Michael Forster

Gott sei Dank: Das Wetter spielt mit an diesem Samstagmorgen. Etwas kühl ist es zwar, aber trocken. Das ist der wichtigste Faktor für ein Gelingen der Veranstaltung, bestätigen die Helfer vor Ort. Die äusseren Bedingungen können schnell einmal ein paar Hundert Teilnehmer plus oder minus ausmachen. Mit 260 Startenden sollten sich Nicole Kappeler, Präsidentin des organisierenden VC Born, und Stephan Kainersdorfer am Ende des Tages übrigens sehr zufrieden zeigen.

Bevors losgeht, ein letzter Blick auf die Ausschreibung. Das Höhenprofil ist doch relativ furchteinflössend, mit den zusammengestaucht dargestellten Kilometern, dafür aufgeblasenen Höhenmeterspitzen. Was daherkommt, wie ein Diagramm der steilsten Alpengipfel der Schweiz, erklimmbar nur mit Haken und Steigeisen, entpuppt sich dann aber, zum Glück, als doch einigermassen fahrbar. So kommen die Derby-Absolventen spätestens im Hammerrain von Herbetswil hinauf nach Welschenrohr erstmals richtig ins Schwitzen, doch das soll auch so sein – wenngleich die erste «Renn»-Stunde noch nicht beendet und der kleine Uhrzeiger die Neun noch lange nicht erreicht hat. Und trotzdem: Die erste Verpflegung kommt gerade recht. Sie ist Treffpunkt und eine gute Gelegenheit dazu, kurz innezuhalten und den bisherigen Verlauf zu diskutieren. Wer ist in Form, bei wem macht sich ein Frühling mit zu wenigen Trainingskilometern bemerkbar?

Weiter gehts. Anstatt die langgezogene Rechtskurve und die folgenden sanften Richtungsänderungen hinunter nach Crémines zu geniessen, wo die Fahrer der Classic-Tour über 100 Kilometer rechts abbiegen, verlassen die Hartgesottenen das Grenzdorf Gänsbrunnen in westlicher Richtung. Der Binzberg lockt, zu erreichen über deftige 300 Höhenmeter, verteilt auf knapp 3 Kilometer. Unbestritten: Die enge Schlucht lohnt die Mühe, ebenso die zügige Abfahrt nach Court und weiter nach Moutier, wo der lange Anstieg zur zweiten Verpflegung bevorsteht. Jetzt befindet man sich auf jenem Teil der Surprise-Strecke, der für eine normale Ausfahrt, wie man sie zum Beispiel an einem Feierabend in Angriff nimmt, schlicht zu abgelegen ist. Perrefitte wird passiert, Les Ecorcheresses angesteuert und dann auch erreicht. Es ist (noch) nicht viel los an diesem abgelegenen Fleck, weder im kleinen Dörfchen, noch bei der Verpflegungsstation. Offenbar hat es die Mehrheit der Fahrer vorgezogen, das grosszügige Zeitfenster für einen Start auszunutzen und sich etwas später auf den Weg zu machen.

Es folgen die eindrücklichsten Meter der jüngsten der drei angebotenen Rad-Strecken: die Pichoux-Schlucht. Die Natur hat hier etwas ganz Besonderes erschaffen; die Anstrengungen der ersten gut 60 von 140 Kilometern werden auf eine spezielle Art und Weise verdankt. Zudem geht es endlich runter, das gibt zusätzlich Mumm und Kraft für die zweite Hälfte der Tour. Coupiert geht es weiter nach dem Erreichen des Talbodens bei Undervelier, mit der Anhöhe in Châtillon, später mit einer immerzu leichten Steigung nach Corban zur dritten Verpflegung.

Dann wartet das Dessert der Tour, das so mancher Fahrer noch so gerne aus dem (bislang schon relativ üppigen) Menü gestrichen hätte: der Scheltenpass. Ein paar erste ruppige Rampen bis zur Scheltenmühle, getoppt von drei steilen Kilometern bis zur Passhöhe. Wer in diesen Kehren die letzten Körner verpufft hat, den bestraft der Wind nach der nicht ganz einfachen Abfahrt nach Ramiswil und Balsthal. Dieser kommt nämlich von vorne und macht die Rückenwindverhältnisse der ersten Rennstunden mehr als nur wett. So wird der Weg zurück nach Boningen zum echten «Chrampf», mit bereits 120 Kilometern in den Beinen. Glücklich, wer sich hier einer Gruppe anschliessen und dabei (die kaum mehr vorhandenen) Kräfte sparen kann. Dass man nach der Tour sitzenbleibt im Festzelt, anstösst und die leeren Energiespeicher mit allerlei Köstlichem füllt, ist Ehrensache. Genauso wie das Wiederkommen im nächsten Jahr.

Wie alles begann – und noch immer boomt

Es war 1975, vor 40 Jahren, und daran erinnert sich Stephan Kainersdorfer noch ganz genau. «Max Bolliger und Peter Wyss kehrten damals von einer Tour über den Schelten nach Hause zurück und berichteten, dass der Pass nun endlich durchgehend geteert sei.» Die Teerung war so etwas wie die Initialzündung für das Jura-Derby, welches sich in den folgenden Jahren in der Region und weit darüber hinaus einen Namen machen sollte. «Wir gingen dann also zu den Leuten in der Scheltenmühle – und seitdem konnten wird dort einen unserer Verpflegungsposten abhalten.»

Kainersdorfer, jahrelanger Präsident des organisierenden VC Born Boningen und heute noch als Kassier im Verein tätig, kann auf die 40 Jubiläumsjahre zurückblicken wie kein Zweiter. Er war schon dabei, als 1976 das 1. Jura-Derby, die «Radtouristische Rundfahrt» über Pfingsten, wie es offiziell heisst, über die (geteerten) Strassen der erweiterten Region rollte. «Früher», erinnert sich Kainersdorfer, «hatten wir zwei Termine: den Pfingstmontag sowie einen im Juli. Damit wollte man sichergehen, dass zumindest einmal schönes Wetter herrschte.» Der Aufwand für zwei separate Termine wurde mit der Zeit zu gross, weshalb man sich auf die Doppelveranstaltung über Pfingsten einigte.

Mit Erfolg, wie die Zahlen der letzten Jahre zeigen. Zweimal verpasste man die Marke von 700 Startenden nur knapp. Die Beliebtheit hat ihre Gründe. So machte man vor 15 Jahren eine grosse Befragung unter allen Teilnehmenden und passte diverse Sachen an. So gibt es beispielsweise keine Medaillen mehr, sondern Naturalpreise. «Medaillen waren nicht mehr gefragt», sagt Kainersdorfer, und so kann man bei der Jubiläumsaustragung wählen zwischen T-Shirt, Biker-Rucksack oder Ärmlingen. Aber auch das Angebot bezüglich Strecken wurde den Bedürfnissen der Fahrer angepasst. Nach und nach kamen verschiedene Bikestrecken sowie die Surprise-Tour über 140 Kilometer zum heute bestehenden Angebot von total sechs Strecken hinzu.

Das grössere Angebot bedeutet für den VC Born aber auch einen grösseren Aufwand. Immer wieder in der Vergangenheit mussten Stephan Kainersdorfer und sein Team auf der Bikestrecke mutmasslich umgesteckte oder gar entfernte Wegweiser in Kauf nehmen, was entsprechend unzufriedene Rückmeldungen von Fahrerseite mit sich brachte. So bleibt die Hoffnung, dass die rund 500 neuen und grösseren Schilder ihren Dienst auch wirklich tun können. Denn grundsätzlich höre er von den Rückkehrern fast ausschliesslich Positives. «Die Fahrer sitzen oft noch zusammen und lassen die Rundfahrt Revue passieren. Das Jura-Derby ist ein gesellschaftliches ‹Ding›, es geht weniger um Einzelkämpfer, denn um Gruppen, welche sich unterwegs bilden. Schliesslich geht es bedeutend einfacher, den Gegenwind im Thal nicht alleine bewältigen zu müssen.»
(mf)

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