Vier Minuten vom Bahnhof. Wenn die Leute bloss wüssten. Hans-Peter Rubi steht vor seiner GlaceGalerie am Klosterplatz und wirft einen Blick über die Aare. Dorthin, wo jeden Tag 80'000 Menschen aus- und umsteigen; die meisten, ohne Olten eines Blickes zu würdigen. Dabei liegt die Oltner Altstadt, dieses unvermutete Kleinod, nur vier Minuten vom Bahnhof entfernt. Hans-Peter Rubi sagt es erneut: Wenn die Leute bloss wüssten.

Der Lotse

Aber Rubi ist ein Mann der Tat. Der gelernte Konditor, der mit seinen 66 Jahren sommers wie winters sechs Tage in der Woche in seinem Glaceladen steht, möchte die potenzielle Kundschaft herüberlotsen. Schliesslich wäre das nicht nur für sein eigenes Geschäft gut. Auch den rund 400 Detailhändlern, Gastrobetrieben und Dienstleistungsunternehmen in der Altstadt und Umgebung würde das in die Hände spielen.

Rubi, der im Jahr 2000 von Grindelwald in die Dreitannenstadt herunterkam, hat eine Idee: Er möchte einen Verein gründen. Möglichst viele Gewerbler will er dafür gewinnen. Und eigentlich hätte er gerne auch die grossen Partner mit ins Boot geholt.

Bei Gewerbe Olten streckte er die Fühler bereits vor zwei Jahren aus. «Aber da fand ich kein Musikgehör», erinnert sich Rubi. Im vergangenen Oktober suchte er das Gespräch erneut, ausserdem schlug er Region Olten Tourismus, der Stadt Olten, der Wirtschaftsförderung Region Olten und Gastro Solothurn eine Zusammenarbeit vor.

Einen Monat später informierte er die rund 400 Unternehmer in der Altstadt sowie 150 Anwohner brieflich von seinem Vorhaben. Und schaltete die Website www.altstadt-olten.ch auf. Dort listete er die Vorzüge des Knotenpunkts Olten «mit den Vorstädten Basel – Luzern und Bern – Zürich» sowie sämtliche Detailhändler, Gastrobetriebe und Dienstleister in der Altstadt auf.

Wenn es bei den SBB Störungen gebe, verliefen sich jeweils Passanten zu ihm in den Laden, sagt Rubi. «Die sind immer ganz überrascht, dass wir so eine schöne Altstadt haben.» Aber wie mehr Laufkundschaft herüberholen? Rubi ist überzeugt, dass die Unternehmer in der Altstadt gemeinsam auftreten sollten. Eben in der Form eines gemeinnützigen Vereins. «Das verleiht uns mehr Gewicht.» Die Statuten zu dessen Gründung hat er bereits vorbereitet.

«Die Idee wäre, die Seite www.altstadt-olten.ch auf der Homepage der Unternehmen zu verlinken. Das wäre ein Mehrwert für die Kundschaft», glaubt Rubi. Vereinsmitglieder könnten sich nach Möglichkeit finanziell einbringen. Besonders am Bahnhof müsse der Verein Präsenz zeigen, etwa über Anzeigen auf Informationsbildschirmen. «Ein teurer Spass», weiss Rubi. Bereits heute ist er Mieter eines Schaufensters in der Martin-Disteli-Unterführung, das für seine GlaceGalerie wirbt. «Darin möchte ich ein Banner anbringen, das auf die Vereinswebsite aufmerksam macht.»

Absagen aus allen Richtungen

Will sein künftiger Verein etwas erreichen, ist dieser auf finanzielle und personelle Unterstützung angewiesen. Umso grösser war daher Rubis Enttäuschung, als ihm Anfang Januar 2018 Region Olten Tourismus, die Stadt Olten, die Wirtschaftsförderung Region Olten und Gewerbe Olten eine Absage erteilten. Gastro Solothurn meldete sich nicht zurück. Von allen Seiten tönte es gleich: «Wir wollen keine neuen Strukturen schaffen, sondern mit den bestehenden Strukturen arbeiten.

Strukturen zu bilden, ist mit Aufwand verbunden», meinte etwa Urs Blaser, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Olten. Etwas salopper formulierte es Stadtschreiber Markus Dietler: «Wir wollen nicht auf tausend Hochzeiten tanzen, sondern unsere Bemühungen konzentrieren.»

Und Daniela Gaiotto, Co-Präsidentin Gewerbe Olten, beschied ihm: «Wir möchten die Kräfte unseres Verbandes nicht verzetteln und uns sowohl ressourcenmässig als auch finanziell weiterhin auf das Wesentliche konzentrieren.» Stefan Ulrich, Geschäftsführer von Region Olten Tourismus, sieht Rubis Engagement für die Stadt positiv.

Die Altstadt sei in die Projekte von Region Olten Tourismus aber bereits eingebunden. Etwa im Schriftstellerweg. Dieser beginnt bereits am Bahnhof, mit einer Hörstation beim Gleis 7. Ausserdem hat auch Region Olten Tourismus in der Martin-Disteli-Unterführung ein Schaufenster gemietet, wo ein Stadtplan die Stationen des Schriftstellerwegs aufzeigt. Und im Idealfall Lust macht, die Stadt zu erkunden.

Zudem gibt Ulrich zu bedenken: «Die Fahrgastfrequenzen im Bahnhof sind zwar hoch. Aber ein grosser Teil der Reisenden hat gar keine Zeit, sich umzusehen. Eine Illusion zu glauben, dass man sie alle in die Stadt holen kann.» Rubi kann also nicht auf die Unterstützung der grossen Akteure zählen. Er hofft nun, Mitstreiter unter den Gewerblern zu finden. Anfang Januar versandte er ein E-Mail, worin er um aktive Beteiligung bat.

Die vereinzelten Rückmeldungen, die er bisher erhalten hat, seien durchweg positiv gewesen, sagt er. «Aber Leute, die sich engagieren wollen, haben sich noch nicht gemeldet.» Er werde seine Idee weiterverbreiten, auf Facebook, per E-Mail und mündlich in der Stadt, sagt er. Wieder wirft er einen Blick über die Aare. Einige der 80'000 Pendler werden doch herüberzuholen sein.