Olten

«Unmöglich für längere Zeit zu überleben»: Gastrounternehmer stellt radikale Forderung auf

Mit Daniel Peyer kämpft einer der grössten Gastrounternehmer der Region gegen Einschränkungen der Behörden und mit ständig ändernden Vorschriften. Er fordert A-fonds-perdu-Beiträge für KMU.

Am Mittwoch will Daniel Peyer die Aarechalet-Saison eröffnen. Für drei Monate gibt es Fondue, Raclette und Burger in gemütlicher Holzhütten-Atmosphäre direkt an der Aare bei der Oltner Holzbrücke. Doch die Coronapandemie und die ständig ändernden Vorschriften der Behörden machen einem der grössten Gastrounternehmer der Region mit vier Restaurants, einer Bar und einem Catering das Leben schwer.

Am Montagnachmittag informierte die Kantonsregierung, dass per sofort höchstens noch vier Personen pro Tisch in den Restaurants erlaubt sind. Das heisst für Peyer und sein Team: Statt rund 50 Personen dürfen an den 9 Tischen im Aarechalet noch maximal 36 Personen sitzen. «Das schränkt uns enorm ein.» Damit die Abstands- und Hygienevorschriften im Holzchalet eingehalten werden können, hat er bereits vor dem Erlass der neuen Vorschriften Plexiglasscheiben beschafft, die er an jedem Tisch anbringen wird. Zudem wurde eine zusätzliche Lüftung verbaut, welche die Luft im Lokal dreimal pro Stunde umwälzt. «Das hat ein paar Tausend Franken gekostet.»

Zu kämpfen hat Peyer auch als Caterer beim EHC Olten. Seit Anfang Saison waren höchstens 2'900 Zuschauer auf Sitzplätzen zugelassen. Vergangene Woche hat der Kanton Solothurn die 1000er-Grenze wieder eingeführt. Trotz des kleineren Maximalpublikums muss Peyer alle Buvetten offen haben, damit die Abstände eingehalten werden können. Und in seinem Betrieb Platzhirsch in Langenthal geht seit vergangenem Freitag gar nichts mehr: Der Kanton Bern liess alle Bars schliessen. Die bereits eingekaufte Ware, die verderblich war, verteilte er an die Mitarbeitenden.

Grosse Unsicherheit

Peyer ist derzeit nicht zu beneiden. Seine Unsicherheit ist gross. Eine längerfristige Planung ist schwierig. «Ich stehe am Morgen auf und weiss nicht, was mich jeweils erwartet.» Er muss seinen Betrieb wegen der sich häufig ändernden Regelungen immer wieder anpassen. Dazu kommen die unterschiedlichen Vorschriften in den zwei Kantonen Solothurn und Bern, wo er seine Lokale hat.

Peyer regt sich aber vor allem darüber auf, dass die Behörden seine Wirtschaftsfreiheit so stark einschränken, dass er kaum noch rentabel geschäften kann. «Mit den derzeitigen Vorschriften können wir unmöglich für längere Zeit überleben.»

Bisher keinen einzigen Mitarbeiter entlassen

Weil er mit seiner Firma in den vergangenen Jahren gutes Geld verdient hat, kann die Peyer GmbH derzeit von den Reserven leben. Zudem sind 30 Mitarbeitende in Kurzarbeit, trotzdem muss er deren Sozialleistungen bezahlen. Keinen einzigen seiner rund 120 Mitarbeitenden – davon 30 Festangestellte, der Rest ist Teilzeit oder arbeitet auf Abruf – hat der Gastrounternehmer bisher entlassen müssen. Diese Jobsicherheit könne er unter den aktuellen Umständen nicht mehr lange garantieren.

Irgendeinmal seien auch die Reserven aufgebraucht und er müsse aus Schadensbegrenzung Leute entlassen. «Man will ja nicht, dass gleich das ganze Unternehmen fällt.» Als Vollblutunternehmer sorgt sich der 37-Jährige vor allem um seine Mitarbeitenden und die vielen Existenzen, die vom Lohn seiner Firma abhängen.

Hilfe soll ausgebaut werden

Er fordert daher von der Politik, dass die Hilfe ausgebaut wird, wenn die Massnahmen immer einschneidender werden. Die Unterstützung sollte in seinen Augen über Beiträge à fonds perdu an die bisher gesunden Betriebe erfolgen. «Es ist mir bewusst, dass dies Staatsgelder sind.» Kredite, die der Bund während der ersten Phase grosszügig verteilt hat, findet er nicht das richtige Mittel. «Damit verschulden sich die Betriebe nur.»

Und bei den geringen Margen wie in seiner Branche, die wegen der Krise derzeit sowieso kaum zu erreichen sind, sei es schwierig, Reserven zur Schuldenrückzahlung anzulegen. Zwar wehrt er sich nicht gegen eine gewisse Strukturbereinigung, doch der Staat muss aus seiner Sicht ein Interesse daran haben, dass die gesunden KMU überleben.

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