Olten
Unia «enttäuscht»: Spaeter AG lehnte Sozialplan-Verhandlungen ab

«Enttäuscht sind wir», sagt Jesus Fernandez von der Gewerkschaft Unia. Enttäuscht, weil die Spaeter AG, die Ende Jahr ihre Biegerei an der Rötzmatt in Olten schliesst und 35 Stellen abbaut, Verhandlungen über einen Sozialplan torpediert habe.

Urs Huber
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Ende Jahr schliesst die Biegerei der Spaeter AG in Olten; 35 Stellen sind davon betroffen.

Ende Jahr schliesst die Biegerei der Spaeter AG in Olten; 35 Stellen sind davon betroffen.

HR Aeschbacher

«Enttäuscht sind wir», sagt Jesus Fernandez als Vertreter der Gewerkschaft Unia. Enttäuscht darum, weil die Spaeter AG, welche Ende Jahr ihre Biegerei an der Rötzmatt in Olten schliesst, auf das Angebot der Unia, über einen Sozialplan zu beraten, nach Lesart der Unia zwar informell eintrat, aber letztlich angedachte Verhandlungstermine immer wieder hinauszögerte, bis der Entscheid firmenintern gefallen war. «Heute sage ich: Wir haben in Treu und Glauben auf die Verhandlungswilligkeit der Spaeter AG vertraut und wurden schliesslich negiert», resümiert der Co-Leiter der Unia Region Biel-Seeland/Solothurn.

Kommt hinzu, dass sich die Unia nicht etwa per se in die Verhandlungen einschalten mochte, sondern von weiten Teilen der Spaeter-Belegschaft hiefür in einer Versammlung ermächtigt worden war. Fernandez nennt die Praxis der Spaeter AG deshalb «handeln wider Treu und Glauben».

Vorschläge im Rucksack

Dabei hatte die Unia gemäss eigenen Angaben durchaus Vorstellung über eine sozial abgefederte Schliessung der Biegerei im Rucksack gehabt. «Wir haben der Firmenleitung unsern Entwurf zukommen lassen, über den hätte beraten werden sollen», sagt Fernandez. Der Unia-Vertreter ist sich durchaus bewusst, dass Verhandlungen nicht immer nach den Vorstellungen der Gewerkschaften ablaufen können und daraus auch befriedigende Ergebnisse resultieren. «Aber es hinterlässt einfach einen schalen Geschmack, wenn die Geschäftsleitung der Spaeter AG stets Verhandlungsbereitschaft signalisiert, dann aber ohne Einbezug der Gewerkschaft in Eigenregie beschliesst.»

Gemäss Angaben von Fernandez wäre ein Sozialplan mit frühzeitigen Pensionierungen ab Alter 60, den Erhalt der Stellen für Arbeitnehmer im Alter zwischen 55 und 60 Jahren sowie eine finanzielle Entschädigung für die künftig stattfindenden Fahrten zwischen Olten und Sins zur Debatte gestanden. Zur letztgenannten Forderung sagt Fernandez: «Man muss sich vorstellen, dass der Arbeitsweg ab Januar 2015 täglich zwei Stunden betragen wird und wer in Schichtarbeit steht, der weiss, dass solche Arbeitszeitverlängerungen auch verstärkt zur sozialen Ausgrenzung führen, weil das gesellschaftliche Leben des Arbeitnehmers effektiv sehr beeinträchtigt ist.» Von den betroffenen Arbeitnehmern wäre die Frühpensionierung begrüsst worden. Sie seien zum Teil schon jahrelang für die Firma aktiv, erst noch für die Eisen und Röhren AG, dann die ERO-Frikart AG, später für die Spaeter AG, schildert Fernandez die Situation. Immerhin bietet die Firma den Autotransport Olten–Sins–Olten unentgeltlich an, eine Beteiligung an den Kosten via Lohnabzug wird es nicht geben. Wer ab Neujahr in Sins arbeitet, wird zu den gleichen Konditionen beschäftigt wie in Olten.

Und was sagt die Spaeter AG?

Nie habe man signalisiert, auf Verhandlungen mit der Unia einzutreten, sagt Peter Wetzel, CEO der Spaeter Gruppe, auf Anfrage. Firmenleitung und Gewerkschaft hätten sich nach Schliessung des Konsultationsverfahrens Anfang September aber durchaus informell ausgetauscht. «Wir sind dabei zur Überzeugung gelangt, nicht allzuweit von den Vorstellungen der Gewerkschaft entfernt zu sein», meint der CEO weiter. Allerdings sei das Modell der Frühpensionierung für die Spaeter Gruppe nie zur Diskussion gestanden. «Das würde den Rahmen unserer Möglichkeiten sprengen», so Wetzel weiter.

Mit Beendigung des Konsultationsverfahrens im September habe die Firmenleitung den Eindruck gewonnen, die Belegschaft mit den getroffenen Massnahmen so weit als möglich zufriedengestellt zu haben. Die da waren? Keine Entlassungen für Mitarbeitende ab 55 Jahren, Unterstützung bei der Stellensuche, maximale Verlängerung des Arbeitsvertrages um drei Monate im Extremfall, Abgangsentschädigungen, die je nach Dienstalter in ihrer Höhe variieren. «Wir hatten zum Ende des Konsultationsverfahrens jedenfalls keine negativen Bemerkungen aus der Belegschaft entgegenzunehmen», erinnert sich Wetzel. Die Fahrdienste nach Sins würden von der Firma bezahlt, auch wenn die Arbeitnehmer mit dem eigenen PW zum neuen Arbeitsort führen. «In diesem Fall wird eine Kilometerpauschale vergütet», sagt Wetzel. Auch in Sumiswald und in Birsfelden hat Spaeter Arbeitsplätze angeboten, allerdings ohne weiteren Support. Dennoch ist er überzeugt: «Nach unserer Auffassung haben wir innerhalb unserer Möglichkeiten alles gemacht, um soziale Härtefälle zu vermeiden.»

Nagelprobe steht bevor

Für die betroffenen Mitarbeitenden steht die Nagelprobe allerdings noch aus, wie man durch die Blume hören kann. Eine gute Handvoll soll ab Neujahr in Sins arbeiten. «Ich glaube nicht, dass die Transporte lange andauern werden», ist aus der Belegschaft zu hören. «Nach und nach werden die dann gefeuert oder aber das Leben wird ihnen so schwer gemacht, dass sie von selbst die Firma verlassen», geht die Mutmassung. Von der Schliessung der Biegerei Ende Jahr sind rund 35 Stellen betroffen.

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