Oltner Kabarett-Tage

Ungebrochene Kabarett-Lust bei Helga Vonmoos und Pio Colombo

Pio Colombo und Helga Vonmoos – ein Duo mit Kabarettaffinität.

Pio Colombo und Helga Vonmoos – ein Duo mit Kabarettaffinität.

Helga Vonmoos und Pio Colombo. Sie gehören zum Stammpublikum der Oltner Kabarett-Tage. Und zwar seit Jahrzehnten.

Sie sind sich weitgehend einig und kennen ihre Favoriten aus der Kabarettszene, auch wenn sich beide eher schwer tun, einen absoluten Liebling zu nennen. Aber soviel ist sicher: Sie mag Gerhard Polt, den eigentlichen Doyen der Szene, er Georg Schramm. Die Rede ist von Helga Vonmoos und Pio Colombo, einem Duo aus Luterbach, welches – addiert – seit rund fünf Jahrzehnten den Oltner Kabarett-Tagen frönt.

Helga Vonmoos’ Wirken dort begann Mitte der 1980-er Jahre, Pio Colombo ist seit fast 20 Jahren dabei. Wie gesagt: Das Kabarett affine Duo ist sich in vielem einig, aber an Andreas Thiel, einem der vielleicht umstrittensten und provokativsten Kabarettmacher unserer Zeit, scheiden sich ihre Geister.

«Zu bürgerlich, versnobt, bourgeois», argumentiert Colombo, während Partnerin Helga in Thiels spitzen Bemerkungen auch subtile Süffisanz ortet, die sie absolut durchgehen lässt. Aber trotz Diskrepanzen: «Wir geraten uns deswegen nicht in die Haare», meinen beide lachend.

Zuccolini mögen sie nicht

Einig hingegen sind sich die politisch Interessierten aus dem Wasseramt in der Bewertung Claudio Zuccolinis; den sie als «No-Go» bezeichnen. Ähnliches gilt übrigens für Peach Weber. Als «zu seicht und mit Klamauk versetzt» apostrophieren die beiden Wasserämter deren programmliche Inhalte.

Helga Vonmoos und Pio Colombo mögen anderes Kabarett, jenes, von welchem philosophische Kraft ausgeht, welches durch Nonkonformismus glänzt, Gewohnheiten infrage stellt, gesellschaftsrelevante Inhalte originell und witzig beleuchtet. Und das finden sie in Olten.

Ein halbes dutzend Mal werden sie heuer an den Kabarett-Tagen anzutreffen sein. «In jüngeren Jahren wars noch öfter», sagt Colombo mit Jahrgang 1943. Helga Vonmoos, Jahrgang 1933, nickt. Heute geht das Duo selektiver vor. Kein Wunder, bei dieser Programmdichte.

Fünf Jahrzehnte ungebrochene Kabarett-Lust: Ein solches Palmarès, so viel Begeisterung, so viel Interesse und Vergnügen – so etwas braucht Ursprünge. Auch wenn sich die Neigung bei keinem der beiden abschliessend klären lässt: Die Anfänge sind doch bekannt.

Für Helga Vonmoos, die Berlinerin, ist klar: Zum Erstkontakt mit Kabarett kam sie durch die von Günter Neumann gegründete Kabarettsendung «die Insulaner»; zwischen 1948 und 1964 fester Bestandteil des Berliner Senders RIAS. Sie lacht noch heute auf, wenn sie darüber spricht.

Und auch Pio Colombo weiss von hiesigen Urgesteinen zu berichten, die ihn umtrieben: «Spalebärg 77a» seinerzeit mit Ruedi Walter und Margrit Rainer. 1950-er Jahre halt. Die Aufzählung ist nicht abschliessend. Viele weitere Kabarett-Begegnungen haben die Leidenschaft der beiden befeuert. Volker Pispers, Urban Priol, Lore Lorenz, Franz Hohler, Dieter Hildebrandt, César Keiser, Elsi Attenhofer, Emil, Zarli Carigiet, Walter Roderer, Alfred Rasser und, und, und.

Als Helga Vonmoos seinerzeit der Gesellschaft Oltner Kabarett-Tage beitrat, steckte diese noch fast in den Kinderschuhen. «Es hatte was sehr Familiäres. Beim seinerzeitigen Präsidenten und Gründer Peter Niklaus und dessen Frau Margrit haben wir stundenlang Couverts eingepackt», erinnert sie sich.

«Und den Aushang besorgt, Flyer aufgelegt. Was man halt als Mitglied der Gesellschaft so machte.» Unvergessen auch die vielen Kabarett-Reisen mit der Gesellschaft: mit dem VW-Bus nach Leipzig etwa; Besuche bei der für Kabarettliebhaber legendären Pfeffermühle. Helga Vonmoos gerät darob ins Schwärmen. «Sie ist ‹kabarettverrückter› als ich,» sagt Pio Colombo lächelnd.

Kaum Distanz

Das seinerzeit die Aufführungen ein viel kleineres Publikum erreichten, ist für Helga Vonmoos keineswegs in schlechter Erinnerung. «Wissen Sie, im Kleintheater Zielemp, da konnte ich mein verletztes Bein auf der Bühnenkante aufstützen. Da gabs ja praktisch keine räumliche Distanz zwischen Publikum und Kabarettisten.»

Gemütlich sei das gewesen, vertraut. Obwohl: Dass heute die Säle ausverkauft sind und Kabarett ein viel breiteres Publikum erreicht, stört weder die gebürtige Berlinerin noch Partner Pio Colombo. Andere Zeiten eben. Volle Häuser sind sich beide sowieso gewohnt.

An der Preisverleihung vom 18. Mai werden sie wieder dabei sein. Dort wollen die Wasserämter Alfred Dorfer, den Cornichon-Preisträger aus Österreich, näher kennen lernen. «Von ihm haben wir bislang nur wenig gehört», erklären beide in gespannter Erwartung.

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