Olten
«Unerträgliche Situation»: Motion fordert Behebung des Schleichverkehrs im Säliquartier

Seit Beginn der Baustelle Bahnhofquai hat der Verkehr im Oltner Säliquartier zugenommen. Ursula Rüegg fordert nun in einer dringlichen Motion, dass umgehend die nötigen Massnahmen zur Behebung des Schleichverkehrs getroffen werden.

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Wer Richtung Niederamt falsch unterwegs ist, findet verbotenerweise den Weg über das Säliquartier Richtung Aarburg.

Wer Richtung Niederamt falsch unterwegs ist, findet verbotenerweise den Weg über das Säliquartier Richtung Aarburg.

Bruno Kissling

Es ist ein Kreuz mit diesem Schleichverkehr: Bei der Informationsveranstaltung zur Baustelle Bahnhofquai Anfang Oktober waren die Verantwortlichen des Kantons noch davon ausgegangen, das Bauvorhaben würde keine Auswirkungen auf das sonst schon von Schleichverkehr geplagte Säliquartier in Olten haben. Was auch logisch schien. Denn im Grunde kann der Verkehr aus allen Richtungen im üblichen Rahmen zirkulieren; mit Ausnahme desjenigen aus Norden, der sich nicht in Fahrtrichtung Aarburg orientieren kann.

Umgehend nötige Vorkehrungen treffen

Nun aber macht eine dringliche Motion auf zunehmenden Schleichverkehr im Säliquartier aufmerksam. Auftrag an den Stadtrat: Umgehend die nötigen Vorkehrungen zu treffen, um diesen im Quartier zu verhindern. Der Vorstoss stammt aus der Feder von Ursula Rüegg (SVP), die von einer «unerträglichen Situation» spricht. «Ich bin viel mit dem Velo unterwegs und muss sagen: Seit der Eröffnung der Baustelle Bahnhofquai hat sich die Situation verschärft.» Ihre Beobachtungen fasst sie mit der Bemerkung zusammen: «Da bewegst du dich regelrecht im Verkehr.»

Eine unerwünschte Wirkung könnte vom in der Unterführungsstrasse Fahrtrichtung Dulliken postierte Schild ausgehen. Es weist Automobilisten, die irrtümlich Richtung Niederamt verkehren, auf die Wendemöglichkeit beim Kreisel Dulliken hin. «Ich glaube kaum, dass jemand mit Ortskenntnissen bis nach Dulliken fährt, um zu wenden», sinniert Ursula Rüegg. «Höchstens der Schwerverkehr.»

Messungen beweisen Verkehrszunahme

Der zunehmende Verkehr im Säliquartier wurde auch im Rahmen des Monitorings festgestellt. Dieses wurde geschaffen, um zum einen die Verkehrsentwicklung im Umfeld der Baustelle Bahnhofquai zu beobachten und zum zweiten allenfalls Massnahmen zu ergreifen, unerwünschte Verkehrsentwicklungen zu beheben.

«Wir haben Messgeräte etwa an der Reiserstrasse postiert und konnten dort in den ersten Tagen nach der Spurschliessung am Bahnhofquai eine Verkehrszunahme feststellen», sagt Oltens Stadtschreiber Markus Dietler, Mitglied eben dieser Monitoringgruppe. Allerdings seien die Zahlen auch Corona-bedingt schwankend und tendierten eher wieder Richtung Normalzustand.

Die Monitoringgruppe kommt Ende November wieder zusammen. Im Rahmen einer Gesamtschau wird sich dann zeigen, inwiefern Massnahmen – auch in der Frage des Schleichverkehrs im Säliquartier – angezeigt sind.

Ungeschützt auf die Strasse treten

Das ändert für Ursula Rüegg nichts am Umstand, dass gemäss ihrer Wahrnehmung speziell Reiser-, Garten- und Sälistrasse grundsätzlich massiv von mehr Schleichverkehr betroffen sind. «Einfamilienhäuser an der Reiserstrasse haben ihre Gartenausgänge direkt zur Strasse hin. Kleine und grosse Bewohner treten somit ungeschützt auf die Strasse», so die Postulatin. Die grösste Verkehrsbelastung sei just dann festzustellen, wenn Kinder zu Schule oder Kindergarten unterwegs sind oder sich auf dem Heimweg befinden.

Auch bezüglich der gefahrenen Tempi hat die SVP-Vertreterin wenig Schmeichelhaftes zu berichten: «Die bewegen sich sicher am oberen Limit», meint sie. Sie habe gute Vergleichswerte, sei sie doch mit ihrem E-Bike zügiger unterwegs als andere Velofahrende. Deshalb könne sie auch bezüglich Schleichverkehr immer wieder feststellen, dass sogar ab Parkhaus Sälipark Fahrzeuglenkende den Weg Richtung Säliquartier wählen, um beim Friedhof Meisenhard dann auf die Aarauerstrasse einzulenken.

Die Duldsamkeit hat ein Ende

«Diese Situation kann unmöglich länger geduldet werden. Die Baustelle auf dem Bahnhofquai wird noch länger andauern und es ist damit zu rechnen, dass ohne Sofortmassnahmen immer mehr Fahrzeuglenker den Weg durch das Säliquartier nehmen werden», schreibt Rüegg in ihren Vorstoss weiter. Und: «Die bestehenden Verkehrsmassnahmen genügen nicht, um die Sicherheit auch nur annähernd zu gewährleisten.»

Als umgehende Sofortmassnahme stellt sich die Motionärin verstärkte Kontrollen bezüglich der Durchfahrten vor, wie sie auf Anfrage zu verstehen gibt. Vor noch nicht allzu langer Zeit habe das Parlament einen Volksauftrag für mehr Begegnung im Säliquartier erheblich erklärt. Die Not der dortigen Bewohner sei damals schon deutlich zum Ausdruck gekommen. Das dringliche Postulat wird für dieParlamentssitzung am 18. November traktandiert.