Olten

Und Hodlers «Nacht» ist auch dabei

Ostfassade der Liegenschaft Untergrundstrasse 2: ein «Hodler» der etwas andern Dimension.

Ostfassade der Liegenschaft Untergrundstrasse 2: ein «Hodler» der etwas andern Dimension.

Das Haus an der Ecke Untergrund-/Grundstrasse glänzt in der Umbauzeit mit spezieller Ostfassade

Üblicherweise bewahren der Fassade vorgehängte, öde Schutznetze die nähere Umgebung vor Bauimmissionen. Das ist auch auf der Baustelle Ecke Untergrund-/Grundstrasse nicht anders. Und doch unterscheidet sich der Ort von Baustellen herkömmlicher Provenienz: Neben den bereits besagten Netzbahnen nämlich ist der Ostfassade ein weiteres Netz mit markantem Bild vorgespannt. Dimension: ziemlich; vielleicht sechs auf vierzehn Meter. Das Bild zeigt eine Reproduktion von Ferdinand Hodlers «Nacht». Ein Werk aus den Jahren 1889/1890, mit welchem dem damals 37-jährigen Hodler der Durchbruch gelang: Das Gemälde thematisiert die Motive Schlaf, Tod und Sexualität. Die Ausstellung des Bildes im Musée Rath in Genf wurde seinerzeit in letzter Minute verhindert, das Gemälde als sittenwidrig verurteilt. Eine daraufhin privat organisierte Ausstellung wurde zum grossen Erfolg. Es folgten für Hodler Ausstellungen und Ehrungen in Paris, München und Venedig.

Nicht fantasievolle Handwerker

Nun, wer vermutete, dass der «Hodler» etwa durch einen besonders fantasievollen Handwerksbetrieb montiert wurde, sieht sich getäuscht. Der «Hodler von Olten» stammt eigentlich aus dem Kunstmuseum Bern und war selbst auch mal Element, welches eine Fassadenrenovation am Kunstmuseum Bern optisch ergänzte. Quasi als Ersatz für ein Wandbild des bekanntesten Schweizer Malers des 19. Jahrhunderts.

Der Hausherr in Olten, Roman Studer, arbeitet im Kunstmuseum Bern und hatte deshalb die Möglichkeit, auf das Element im Museumsfundus zurückzugreifen. Quasi zum selben Zweck. «Wir werden die Fassade in Olten wohl sandstrahlen, da brauchts eine gute Abschirmung gegen aussen», so der Bauherr. Und weil das Hodlernetz etwas dichter und damit fester als übliche Schutznetze ist, kam dieses aus dem Fundus gerade gelegen. «Die Sache ist mit meinem Arbeitgeber natürlich abgesprochen», lacht Studer.

So lässt sich «Nacht» noch ein paar Monate im «Freilichtmuseum Untergrund-/Grundstrasse» bewundern. Bis Ende Jahr nämlich sollten die groben Fassadenarbeiten dort beendet sein.

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