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Dauerregen lässt Pegel gefährlich ansteigen: So steht es derzeit um die Flüsse im Kanton Solothurn

Die heftigen Gewitter und die anhaltenden Regenfälle haben die Gewässer im Kanton Solothurn teils markant ansteigen lassen. Wie sieht die Situation aus? Und wie zufrieden ist der Kanton mit der Regulierung der Aare aus Bern?

Lea Durrer und Noël Binetti
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Die Solothurner Gewässer (hier die Oesch in Halten) bringen viel Wasser mit sich.

Die Solothurner Gewässer (hier die Oesch in Halten) bringen viel Wasser mit sich.

Rahel Meier

Die Pegelstände der Gewässer im Kanton Solothurn sind in den letzten Tagen teils stark angestiegen. Kleinere und mittlere Fliessgewässer sind stellenweise über die Ufer getreten. Grössere Überschwemmungen konnten hingegen verhindert werden. Auch da sich nach heftigen Gewittern das Wetter jeweils einige Stunden oder Tage beruhigte.

Eine Übersicht über einige Flüsse auf Kantonsgebiet:

Aare

Dank der Regulierung der Aare beim Abfluss aus dem Bielersee konnten bis jetzt grössere Schäden im Unterlauf, insbesondere im Niederamt, verhindert werden.

«Wir beobachten die Situation sehr genau und stehen mit dem Kanton Bern im Austausch», sagt Gabriel Zenklusen, Chef beim kantonalen Amt für Umwelt. Noch habe der Bielersee etwas Kapazität, dieser werde über Nacht noch etwas abgelassen, um neue Kapazitäten zu schaffen. Im Moment beruhige sich die Lage eher wieder. «Die überregionale Regulierung funktioniert soweit», so Zenklusen. Bei der Murgenthaler Messstelle seien die bewältigbaren 850 Kubikmeter pro Sekunde noch nicht überschritten.

In Olten sei bekanntermassen das Aarebistro an erster Stelle gefährdet. Dort kam die Aare am Dienstag auch übers Ufer. Doch auch da beruhigt Zenklusen: «Erste Massnahmen wurden dort nun umgesetzt.»

Fabian Muster

Zenklusen rechnet nicht mit einem weiteren Anstieg in den nächsten Stunden, im Gegenteil: «Wir haben nun erste Vorbereitungen getroffen, so dass auch im Niederamt bestehende Lücken für Durchgänge schnell geschlossen werden könnten. Insgesamt ist die Lage im Moment unter Kontrolle.» Man habe jetzt gemacht, was man könne, der Austausch mit dem kantonalen Hochwasser-Piquet und den Wehrdiensten funktioniere gut.

Emme

An der Emme wurde letzten Freitag ein Abfluss von über 300m3/s gemessen. Dies entspricht rund dem Hundertfachen der normalen Abflussmenge um diese Jahreszeit. «Es kam jedoch zu keinen Überschwemmungen, die Hochwasserschutzmassnahmen haben sich bewährt», heisst es von Seiten des Kantons.

Auf den Brücken in Biberist, Derendingen und Luterbach/Zuchwil bleiben viele Velofahrer und Fussgänger stehen und zücken das Handy um zu fotografieren. Sogar die Autos fahren langsamer, um kurz Richtung Fluss zu blicken.

So kommt die Emme am Dienstag daher – gefilmt unter der Emmebrücke in Derendingen:

Rahel Meier

Und hier noch weitere Bilder von der braunen Emme:

Pegelstand der Emme am 13. Juli 2021 in Derendingen.
6 Bilder
Schwemmholz unter der Emmebrücke Derendingen
Blick von der Eisenbahnbrücke emmeabwärts
Alles Schwemmholz beim Wehr in Biberist wurde entfernt
In Luterbach ist der Zugang zur Emme und zu den Spazierwegen gesperrt
Der Veloweg in Luterbach ist zurzeit nicht befahrbar

Pegelstand der Emme am 13. Juli 2021 in Derendingen.

Rahel Meier

Dünnern

Am Dienstagmorgen stieg die Abflussmenge stetig und bis auf über 50 m3 pro Sekunde. Das zeigen die Daten des Bundesamts für Umwelt für die Messstation Olten, Hammermühle.

Im Thal ist die Wassermenge der Dünnern laut Markus Schindelholz, dem Leiter des Führungsstabs Thal-Gäu, stabil. «Wir hatten bisher Glück.» Man beobachte die Lage weiterhin, erwarte aber keine Überschwemmung des Flusses.

Die Dünnern in Oensingen.

Die Dünnern in Oensingen.

Rahel Bühler

Oesch

Die Oesch ist in Halten bis oben hin gefüllt. Das zeigt ein Augenschein am Dienstagnachmittag. Viele Haltnerinnen und Haltner spazieren rund um die Baustelle an der Hauptstrasse gegen Kriegstetten hin und machen Fotos. «Die Oesch ist schon lange nicht mehr so hoch gekommen», meint ein Einheimischer.

Wasserstand der Oesch in Halten am 13. Juli 2021, zirka 15.30 Uhr. Weil die Oeschbrücke noch nicht wieder aufgebaut ist, sieht man den Bach besonders gut.

Wasserstand der Oesch in Halten am 13. Juli 2021, zirka 15.30 Uhr. Weil die Oeschbrücke noch nicht wieder aufgebaut ist, sieht man den Bach besonders gut.

Rahel Meier

17 m3 pro Sekunde wurden hier am Mittag gemessen. Normal ist 1 m3/s. Die Oesch kommt hoch, aber doch nicht prekär hoch. Feuerwehrkommandant Roger Kaufmann erklärt am Nachmittag: «Es ist noch alles ruhig. Wir haben noch nichts unternommen, beobachten die Situation aber.»

Die Baustelle bei der Oeschbrücke liegt momentan still. Die Bauarbeiter können nicht in die Baugrube gelangen, wenn so viel Wasser fliesst. 4,5 m3/s wären das Maximum. In den letzten Wochen gab es mehrere Tage, an denen wegen Hochwasser nicht gearbeitet werden konnte. Dies zum einen zwischen dem 23. und 30. Juni. Dort wurden mehrere Spitzen zwischen 7 und 11 m3/s gemessen.

Abflussmenge Oesch.pdf

Und wann kann an der neuen Brücke weitergearbeitet werden? «Der Pegel muss sinken, dann kann aufgeräumt und weitergearbeitet werden», so Peter Portmann vom Amt für Verkehr und Tiefbau. Er spricht von Glück, dass bisher kein Schaden an der Baustelle entstanden ist. Finanziell und auch zeitlich würde sich die Hochwasser-Pause aber schon bemerkbar machen. «Wir müssen schauen, dass wir die verlorene Zeit am Schluss wieder aufholen können», so Portmann.

Birs

Das Gewitter am Dienstagmorgen liess die Birs stark ansteigen, ohne dass dies weitreichende Überschwemmungen auf Solothurner Kantonsgebiet zur Folge hatte.

Blick auf die nächsten Tage

Die Wasserstände bleiben auch in den kommenden Tagen auf einem sehr hohen Niveau. Für Donnerstag sind ergiebige Regenfälle prognostiziert. «Insbesondere der Pegelstand der Aare wird zur Entlastung der Jurarandseen auf einem hohen Niveau bleiben», schreibt der Kanton.

Die Bevölkerung ist gebeten, sich von den Uferwegen fernzuhalten.