Am Freitag wurden in der Kantonsschule Olten und im Hotel Arte insgesamt neun Klassen aus allen vier Profilen die Maturzeugnisse überreicht. Bewegende Feiern, berührende Rückblicke auf die Zeit an der Kantonsschule Olten und glückliche Gesichter der stolzen Maturandinnen und Maturanden prägten den Abend.

Schwerpunkt Sprachen und Literatur

In den letzten Jahren sei ihre Schulzeit laut, vibrierend und überwältigend gewesen, nicht nur fachlich und inhaltlich, sondern ebenfalls faktisch geprägt vom Umbau. Der Umbruch von alt zu neu sei sozusagen Metapher für ihre Schulkarriere, erklärte Seline Ebner zur Eröffnung der Feier; diese wurde von Govind Sharma und Jeanne Send moderiert und stand unter dem Motto «Abflug». Konrektor Thomas Henzi spannte dementsprechend den Bogen zur grenzenlosen Freiheit in Reinhard Meys Lied «Über den Wolken» und warf einen Blick zurück auf die vier Jahre Gymnasium. Eine Schülerband (Anna Loosli, Julien Stäbler, Jana Winistörfer, Dana Wyser) umrahmte das Lied «Flying In The Moon», vorgetragen von Zoë Spielmann.

Die Poetry-Slammerin Lisa Christ hielt die Maturrede als Ratschläge an ihr eigenes achtzehnjähriges Ich: Im echten Leben gebe es keine Noten, am bedeutendsten seien sie selber, es gelte keine Angst zu haben und zu erkennen, wer man sei, riet sie den Maturandinnen und Maturanden. Nach der Zeugnisabgabe und einem Musikstück der Band trug Zoë Spielmann ihren Text über den Hardwald und die Zeit in der Klasse vor, eine zarte Hommage an die Kanti als einen Ort des guten Miteinanders.

Schwerpunkt Musik und Bildnerisches Gestalten

An der Maturfeier der Klasse 4aM ging es um Eignung und Neigung. Patrick Heller, der Konrektor des Profils für Musik und Bildnerisches Gestalten, erwähnte in seiner Eingangsrede, dass die Schule die Schülerinnen und Schüler dazu animiert, ihre Neigungen zu entdecken, diese ausbildet und fördert, aber auch die Aufgabe hat, die Eignung zu testen. Den Maturandinnen und dem Maturanden – dem einzigen männlichen Schüler in dieser Klasse – wünschte er, dass ihre Eignung für ihre Neigung reiche, wobei dies mit dem Maturzeugnis in der Hand kein Problem darstellen sollte, da dieses fast alle Türen öffnet.

Des Weiteren gaben die Maturanden sowie der Klassen- und zugleich Französischlehrer Fabio Castellani der Feier ihre ganz persönliche Note. Es wurden von beiden unvergessliche Anekdoten sowie pointierte Gedichte zu den einzelnen Schülerinnen und Schülern vorgetragen. Ausserdem wurden die FachlehrerInnen der Klasse mit witzigen Geschenken verdankt. Den Rahmen bildeten die musikalischen Einlagen der Klasse. Passend zur Maturfeier sangen die Maturandinnen und Maturanden als Intro das Lied «Conquest of Paradise» – so ein Maturzeugnis in der Hand zu halten ist fast ein paradiesischer Zustand - und als Abschluss «Hit the Road, Jack, don’t you come back no more».

Schwerpunkt Mathematik und Anwendungen der Physik

Die Maturfeier der naturwissenschaftlichen Abteilung stand im Zeichen der Neurowissenschaften.

Die 8-köpfige Band, bestehend aus Maturandinnen und Maturanden, läutete die kurzweilige und hochstehende Feier mit dem groovigen Lied «Valery» von Amy Winehouse ein. Nach dem Appell von Konrektor Patrick Heller, dass die Maturanden, die dank dem Maturzeugnis weit offenstehenden Türen nicht alleine, sondern mit Gleichgesinnten durchschreiten sollen, trat die habilitierte und am Kinderspital Zürich forschende Neurowissenschaftlerin Karin Kucian vor das Rednerpult.

Mit ihren spannenden, oft witzigen und leicht verständlichen Ausführungen über das Gehirn, insbesondere das sich im Umbau befindende Gehirn der angehenden Studenten, zog sie das Publikum in ihren Bann. Obwohl die Maturandinnen und Maturanden nun als reife und mündige Bürger angesehen werden, seien sie noch immer im Stadium der Adoleszenz, einer Periode, in der das Hirn – wie auch die Kanti – eine Grossbaustelle darstellt. Dieser Zustand äussere sich durch Neugierde aber auch durch draufgängerisches und unvorsichtiges Verhalten. Dies sei zu vergleichen mit einem Sportwagen mit Turbobeschleuniger, dessen Bremsen aber defekt seien.

Als weiterer Höhepunkt der Feier sind die persönlichen Einlagen der Maturanden zu erwähnen. Zum einen war da die originelle Rede der 4aN, die das positive Klassenklima trotz der grossen Diversität der Schülerinnen und Schüler lobten. Dies wurde auch im Brief der abwesenden Klassenlehrerin Viktoria Langadaki deutlich, welcher sich auf 602 zum Teil liebevollen Whatsapp-Nachrichten bezog. Zum anderen lauschte das Publikum den charmant vorgetragenen Porträts inklusive Zukunftsplänen der 4bN. Nach der Zeugnisvergabe und der Verleihung der Maturpreise durften sich die Anwesenden für den Apéro, beziehungsweise die Finissage in die Mensa begeben, die ab Montag ebenfalls zur Baustelle werden wird.

Schwerpunkt Wirtschaft und Recht

Im Profil Wirtschaft und Recht führten Joe Beck (4aW) und Luca Nüssel (4iG) durch die Feier, indem sie immer wieder aus einem dicken mittelalterlichen Buch vorlasen, getreu dem Motto der diesjährigen Abschlussklassen. Sie geleiteten Prinz Henzissimus (Konrektor Thomas Henzi) zur Begrüssung, Minnesängerin Lisa Christ zur Maturrede, die Klassenlehrerinnen und -lehrer zur Zeugnisübergabe. An der Tafelrunde zur Überreichung der Urkunden stellten sich die Knappen (eine weibliche Form gibt es nicht) mit kurzen, prägnanten Sätzen gegenseitig vor – manchmal (4iG) in den unterschiedlichsten Sprachen. Die Rhythmen der schuleigenen Band Jazz Workshop passten perfekt zur sich steigernden Wärme.

Den Höhe- und Schlusspunkt bildete der spritzig-freche, aber doch tiefsinnige Slam «Bestimmung» von Lisa Christ. In einem Moment, der vorgaukelt, dass allen alles möglich sei, zeigt sie in witzigen Sprachbildern, dass gewisse Konstanten eben doch gegeben sind. Eine junge Frau kann sich beispielsweise nicht zu einem Eichhörnchen umbauen lassen, auch wenn sie alles dafür täte. Sogar wenn sämtliche plastischen Operationen gelängen – unwahrscheinlich genug –, die Erdnussallergie würde bleiben. (mgt)