Fabio Corbo ist in Olten zu Hause. Und ein bisschen auch im Internet. Am einen oder am anderen Ort haben ihn die meisten schon gesehen. Denn der 43-Jährige ist viel unterwegs, im realen wie im virtuellen Leben. Es gibt kaum eine Hochzeit in Olten, auf der Corbo nicht tanzt. Vor Ort zückt er jeweils sein Handy, schiesst einige Bilder, gerne auch ein Selfie, gerne auch an der Seite eines Promis. Und postet das Resultat auf seinem persönlichen Facebook-Konto.

Sein Name ist ein Begriff. Den über 5800 Mitgliedern der Facebook-Gruppe Olten und seinen 1331 Facebook-Freunden. Obschon er sie nicht alle persönlich kennt. Manchmal wird er in der Stadt von Unbekannten gegrüsst. Meistens ist er da zu Fuss unterwegs. Besucht die Chilbi, das Street Food Festival, das Schulfest. Geht ins Kino, in ein Café oder an ein Konzert. Wo gerade etwas läuft. Er wundert sich dann jeweils ein wenig.

Baschi kennt ihn

In der Facebook-Gruppe Olten zeigt Corbo regelmässig Morgenstimmungen der menschenleeren Altstadt und der alten Holzbrücke mit der Aare. Die beiden Orte gefallen ihm. Stadtansichten, auf denen keine Menschen zu sehen sind, findet er reizvoll. «Das sieht man so nicht so häufig.» Wenn sich etwas tut in Olten, hält er es bildlich fest. Wenn ein Geschäft eröffnet. Oder zugeht. Wenn eine Rolltreppe in der Unterführung gesperrt ist. Fabio Corbo weiss Bescheid.

Dass er sich mit der Dreitannenstadt so ausgiebig beschäftigt, hat für ihn einen einfachen Grund: «Weil es meine Heimat ist.» Der Halb-Oltner, Halb-Sizilianer ist in der Nähe der Usego aufgewachsen. Auch heute noch wohnt er im Quartier. Gibt es Neuigkeiten in der Stadt, postet er sie auf Facebook. Er postet viel auf Facebook. «Aus Freude», sagt er.

Corbo ist auf Achse. Er besitzt ein Generalabonnement. In seiner Freizeit fährt er nach Zürich, Basel, zu Freunden. Unternimmt einen Ausflug ins Alpamare oder geht wandern. Der ausgebildete Elektriker arbeitet zu 50 Prozent in einer Kita. Er macht gerne «etwas mit Menschen». Aus demselben Grund hält er sich mehrmals wöchentlich im Cultibo auf. Das Begegnungszentrum im Bifang nennt er seine «dritte Heimat»: nach seiner Wohnung und dem Zuhause seiner Freundin. Regelmässig isst er hier auch zu Mittag. Und lädt ein Foto seiner Mahlzeit auf Facebook hoch.

Berühmte Menschen ziehen ihn an. Auf sein Facebook-Profil stellt er regelmässig Selfies mit Prominenten wie Baschi, Xherdan Shaqiri, Sara Bachmann oder Melanie Oesch. Ihn interessiert der Aufstieg dieser Stars. «Ich spreche sie an und frage, ob ich ein Interview mit ihnen führen darf.» Dieses nimmt er mit dem Handy auf. Einfach, weil es ihm Spass macht. Manchmal ist aber auch er derjenige, der angesprochen wird. Von Baschi etwa. Sie haben sich schon einige Male unterhalten. Der kennt ihn schon.

«Super bis weniger gut»

Die Rückmeldungen, die Corbo auf seine Facebook-Beiträge erhält, sind «super bis weniger gut». «Manchmal denke ich, die können meine Posts ja ignorieren. Das mache ich bei anderen ja auch», sagt er. Aber an die Reaktionen hat er sich gewöhnt. So schlimm wie früher sind sie nicht mehr. Man könnte sagen, er nimmt sie mit Humor. Auf seinem Facebook-Profil steht im Abschnitt «Über mich»: «Bin lustig.» «Weil mir das schon viele Leute gesagt haben. Aber ich finde das gar nicht unbedingt.»

Häufig fährt er nach Solothurn. Auch Chris von Rohr hat schon mit ihm für ein Selfie posiert. Die Stadt findet Corbo toll zum Shoppen – eines seiner vielen Hobbys. Aber leben würde er da nicht wollen. Zu hochnäsig erscheinen ihm viele Leute hier. Er kommt deshalb immer gern nach Olten zurück. Jemals von hier wegzuziehen, kann er sich nicht vorstellen. Denn: «Olten ist meine Heimat.» Und, für ihn ganz wichtig: «Der Knotenpunkt der SBB.»