Olten
Über Rivalität und Zusammenhalt der St. Sebastiansgemeinde

Mit Gelberbssuppe mit Gnagi, Berner Platte, Rahmkirschtorte und Kaffee Crème huldigten die Stadtschützen am St. Sebastiansferier wie jedes Jahr ihrem Schutzpatron.

Urs Huber
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320 Gäste, Gelberbssuppe mit Gnagi, Berner Platte, Rahmkirschtorte und Kaffee Crème: das sind so quasi die «äusseren Werte» der Bastiansgemeinde, die wie jedes Jahr auch gestern Sonntag wieder aus der ganzen Schweiz nach Olten strömte. Die «inneren Werte» der von den Stadtschützen Olten organisierten Feier zu Ehren des Schutzpatrons der Schützen sind dann meist verbalphilosophischer Art. Sie zeugen vom vaterländischen Geist und von der manifesten Überzeugung, diesen stets bedroht zu sehen.

Eine Portion Selbstironie und Liebreiz

Das wäre auch gestern Sonntag im Konzertsaal nicht anders gewesen. Aber da stand mit Daniel Rossier (Petit-Lancy) ein charmanter Bastiansvater 2012 am Rednerpult, der mit einem reizenden Akzent die kleinen eidgenössisch innerbetrieblichen Rivalitäten – etwa solche zwischen Waadtländern und Genfern – mit einer Portion Selbstironie und Liebreiz beschrieb und auf die nationale Tonart eigentlich gänzlich verzichtete.

An die Adresse der Deutschschweizer meinte Rossier auf jeden Fall keck, die Genfer hätten es lieber, wenn ihre Stadt als Genève bezeichnet würde, wogegen man gegen die Bezeichnung Genfersee gar nichts einzuwenden hätte, da dies einem Nadelstich ins Herz des Waadtländers (Lac Léman) gleichkomme, dem Urfeind des Genfers. Und hinsichtlich der in der Deutschschweiz gepflegten Dialektvielfalt meinte Rossier, diese würden die vielen eingewanderten Deutschen schon einebnen und den Welschen damit das sprachliche Tor zur Deutschschweiz aufstossen.

Der Mann hatte viele Lacher auf seiner Seite. Dass Rossier schliesslich auch den unkomplizierten Umgang der Schützen über den Röstigraben hinweg untermauerte, war klar. So viel Schützenrhetorik musste bei allem Charme halt einfach doch sein. Egal: Der Genfer machte für seine Region beste Werbung. Im Übrigen, so Rossier, strahle die Ehre seines Amtes auch auf die ganze Welschschweiz aus; seit knapp 40 Jahren wurde erstmals wieder einem Romand diese Ehre zuteil.

Prägnante Ehrenbrüder

Überraschend prägnant meldeten sich auch die neuen Bastiansehrenbrüder zu Wort. Übrigens: «Ehrenbruder kann werden, wer sich durch Treue zum Schiesswesen, für das Ansehen der Stadtschützen im Besonderen oder durch den Einsatz im öffentlichen Leben und um unser Land Verdienste erworben hat», so Heinz Eng, Präsident der Stadtschützen Olten. Vor hinterlistigen Machenschaften, ja verbreiteter Arglist warnte etwa John Hüssy, Oberembrach. Dies wohl in Anspielung auf die äusserst umstrittenen Kredite Flugzeugbeschaffung.

Es gelte dafür einzustehen, was Väter und Mütter einst geschaffen hätten, so Hüssy weiter, der unter anderem als Mitglied der «Gilde der Bombenwerfer» (1904 – im Anschluss an das kantonale Schützenfest zur Erinnerung an das grosse Freischiessen von 1504 – von einer Gruppe von Zürcher Stadtschützen gegründet) klare Worte fand. Auch er erhielt
für sein Votum Applaus auf offener Szene, während Pius Kyburz, Obergösgen, vor allem für ein verstärktes Jugendschiessen plädierte. Das Interesse sei nämlich vorhanden.

Begleitet wurde die Bastiansgemeinde auch heuer wieder durch die Stadtmusik Olten und die Tambouren der Jugendmusik. «St. Sebastiansgemeinde – da weiss man, was man hat» ist das immerwährende Motto dieser Veranstaltung, so wie dies die Losung der Stadtschützen Olten bleibt: «in Ehre und Treue» nämlich.