Olten

Trotz Notstand gibt’s wieder Marktatmosphäre – und zwar im Wirtshaus

Ab diesem Donnerstag verkauft die Familie Grob ihre Waren in der Oltner «Schlosserei-Genussfabrik». Der Wirt Nicolas Castillo stellt seinen Barbereich unentgeltlich zur Verfügung.

Wegen des Notstands dürfen seit Mitte März draussen auch keine Warenmärkte mehr durchgeführt werden. Für Roman Grob vom Grob Gemüsebau aus Winznau daher eine schwierige Zeit. Seine Familie besucht seit Jahren in Olten die beiden Märkte am Donnerstag und Samstag. «Ein grosser Teil des Umsatzes fällt nun weg», hält er fest. Zum Teil kompensiert werden die Einnahmenausfälle durch die besseren Verkaufszahlen in den beiden Hofläden oder dem neu aufgebauten Lieferservice. Grob sagt aber: «Uns fehlt halt die Marktatmosphäre.» Zudem besteht auch die Gefahr, dass er einen Teil seiner Ernte wegwerfen muss. Doch nun bekommt er ab diesem Donnerstag die Chance, seine Produkte wieder in Olten zu präsentieren. Nicolas Castillo, der Wirt des Restaurants Schlosserei-Genussfabrik, überlässt seinem Nachbarn in Winznau ein Teil seines Lokals. Die Idee dazu hatte seine Tochter, als sie vergangenes Wochenende gemeinsam Pizza assen und über die Bauern und ihre Verkaufsmöglichkeiten sprachen. «Wie wäre es, wenn du dem benachbarten Landwirt dein Lokal zur Verfügung stellen würdest», fragte sie gemäss Castillo. Gesagt, getan.

Restaurant in Olten zu Gemüsemarkt umfunktioniert

Restaurant in Olten zu Gemüsemarkt umfunktioniert

Das Coronavirus hat auch den Inhaber des Restraurants Schlosserei in Olten zu einer Pause gezwungen. Dessen Tochter kam jedoch auf die Idee, das Lokal einem Bauern zur Verfügung zu stellen. Kurzerhand machten sie aus dem Restaurant einen kleinen Gemüsemarkt.

Auch Lee Aspinalls Alpkäse ist dabei

Seit Mittwoch hat sich Roman Grob und seine Crew im Barbereich des Gastrobetriebs eingerichtet. Am Donnerstag von 8 bis 11.30 Uhr sowie am Samstag zur gleichen Zeit verkauft die Familie Grob alle jene Waren, die sie sonst auch am Markt in Olten anbieten. Diesmal halt einfach indoor wie andere Lebensmittelläden auch. Zudem veräussert auch der Oltner Lee Aspinall seinen Alpkäse. Seine «solidarische Idee», wie es Castillo nennt, stiess in seinem Umfeld auf Unterstützung. Die Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit werden eingehalten, versichert Castillo. In dem 100-m2-grossen Barbereich werden nur so viele Leute reingelassen wie vorgeschrieben wurde.

Castillo selbst wird dabei nichts verdienen, weil er das Lokal unentgeltlich zur Verfügung stellt. Er hat auch davon abgesehen, einen Take-away-Service aufzubauen. «Man soll jetzt wenn möglich zu Hause bleiben und selbst kochen», sagt er. Zudem bezweifelt er, ob ein Abholservice überhaupt rentiert. Daher hat er seine Angestellten für die Kurzarbeit angemeldet. Über sich selbst sagt er: «Ich bin krisenerprobt.»

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