Olten
Trotz Aus für Ballsport-Center: Landhockeyverband strebt nationales Leistungssportzentrum an

Swisshockey strebt trotz Rückzug des Projekts Ballsport-Center ein nationales Leistungssportzentrum für Landhockey im Kleinholz an. Olten sei ein "idealer Standort", sagt der Geschäftsführer des Verbands.

Fabian Muster
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Der einheimische HC Olten beim ersten Training nach dem Lockdown auf dem Kunstrasenplatz im Kleinholz.

Der einheimische HC Olten beim ersten Training nach dem Lockdown auf dem Kunstrasenplatz im Kleinholz.

Bruno Kissling (12.5.2020

Die Initianten rund um den Oltner Unternehmer Marc Thommen und Architekten Massimo Hauswirth wollen das Ballsport-Center nicht in Olten realisieren. Sie haben das Projekt vor zehn Tagen zurückgezogen und versuchen nun eine Umsetzung in einer Gemeinde in der Region an. Thommen sagt dazu auf Anfrage, dass er aus umliegenden Gemeinden «tolle Rückmeldungen» erhalten hätte. Bis nächsten Herbst will er wissen, wie es mit dem Projekt weitergehen könnte. Ein Teil des abgespeckten 20-Millionen-Projekts nämlich wäre bereits finanziert: Rund 50 Prozent der benötigten Eigenmittel von bis zu 7 Millionen Franken sind zusammen. Thommen ist sich sicher, dass genügend Kapital aufgetrieben werden könnte: «Ein Grossteil der Investoren sagt erst zu, wenn gebaut werden kann.»

Es gibt aber Hoffnung, dass wenigstens eine der ursprünglich fünf Ballsportarten, die im geplanten Center eine neue Trainingsstätte gefunden hätten, doch noch nach Olten kommt: das Landhockey. Thommen wird sich diese Woche mit Vertretern der Stadt und des Verbands Swisshockey zu einer Sitzung treffen, um auszuloten, ob das offizielle Olten Interesse an einem nationalen Leistungssportzentrums für Landhockey hätte. Wie diese Zeitung aus sicherer Quelle weiss, gibt es dazu mehrere Bedingungen, damit das Projekt zum Fliegen kommt. Die Stadt Olten müsste zwei Kunstrasenfelder im Kleinholz zur Verfügung stellen, damit diese fürs Landhockey genutzt werden könnten. Derzeit gibt es dort einen Platz, der allerdings seine besten Tage schon hinter sich hat. Um die Felder auch im Winter bespielen zu können, würden diese mit einer Traglufthalle überdeckt. Die Gesamtkosten müsste die Stadt Olten übernehmen. Swisshockey würde aber eine Vereinbarung eingehen für die Nutzung. Zudem ist ein finanzieller Zustupf für das Leistungssportzentrum-Projekt zu erwarten: zum einen vom Bund via Fördertopf nationales Sportanlagenkonzept und zum anderen vom Kanton via Sport-Toto-Fonds. Marc Thommen gibt auf Anfrage nicht preis, wie hoch die Investitions- und Betriebskosten für das Projekt wären. Auch Stadtpräsident Martin Wey sagt auf Anfrage nur, dass er sich das Projekt zuerst anschauen und im Stadtrat diskutieren möchte, bevor er sich dazu äussert.

Gesprächiger ist Paul Schneider. Er ist Geschäftsführer des Verbands Swisshockey und würde ein nationales Leistungssportzentrum Landhockey in Olten sehr begrüssen – trotz dem Rückzug des Projekts Ballsport-Center. Der ehemalige Trainer der Schweizer Nati sagt, dass Olten nach wie vor «ein idealer Standort» wäre. Sowohl verkehrstechnisch wegen der guten Lage, als auch wegen der langen Tradition als (Land)Hockeystadt – Olten spielt seit Jahren mit der Frauen- und Herrenmannschaft in der NLA und hat die Schweiz auch an vielen Europacups vertreten. Zwar gebe es noch mit Steffisburg BE und Zürich zwei Alternativstandorte, doch die Planung mit Olten «ist am weitesten». Mit dem Ballsport-Center wäre die Sache laut Schneider noch spannender gewesen – die Geschäftsstelle hätte bei genügender Infrastruktur auch von Horw LU nach Olten gezügelt werden können.

Damit auch im Winter gespielt werden kann, bräuchte es über dem Kunstrasen eine Traglufthalle, deren Kosten sich gemäss Schneider in Grenzen halten. Zudem hätten auch die einheimischen Vereine etwas davon, welche die Plätze dank eines eingelegten Hallenbodens nutzen könnten. Mit einem Leistungssportzentrum in Olten – bisher gibt es schweizweit keines fürs Landhockey – könnten auch internationale Turniere ausgetragen werden. Nicht zuletzt findet Schneider die Idee Thommens, das bald ausgediente Untersuchungsgefängnis als Hostel zu nutzen, eine gute Sache. «Die Sportler brauchen bezahlbare Unterkünfte.»

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