FC Wangen
Trotz 1:8-Klatsche ist offenbar alles o.k.

Das zu schmale Kader und Verletzungssorgen sollen die Gründe für die Misere des FC Wangen sein. «So kenne ich den FC Wangen gar nicht», sagt Bejtush Rrustolli, Wangens ehemaliger Goalgetter und jetziger Assistenztrainer, nach dem jüngsten Tiefschlag.

Raphael Wermelinger
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Vor der Saison waren der Staff und die Spieler des FC Wangen noch zuversichtlich, jetzt ist das Krisenmanagement von Trainer Salvatore Romano (2. von rechts) und seinem Assistenten Bejtush Rrustolli (rechts aussen) gefragt.

Vor der Saison waren der Staff und die Spieler des FC Wangen noch zuversichtlich, jetzt ist das Krisenmanagement von Trainer Salvatore Romano (2. von rechts) und seinem Assistenten Bejtush Rrustolli (rechts aussen) gefragt.

Markus Müller

Die Verantwortlichen des FC Wangen sind sich einig. So etwas haben sie in den knapp zwanzig Jahren, in denen der Klub mittlerweile in der 1. Liga spielt, noch nie erlebt: Gegen den FC Black Stars, das vorherige Schlusslicht der Liga, kassierten die Wangner am letzten Samstag eine bittere 1:8-Klatsche und liegen somit nach acht Meisterschaftsspielen nun selber auf dem letzten Tabellenrang der 1. Liga.

«So kenne ich den FC Wangen gar nicht», sagt Bejtush Rrustolli, Wangens ehemaliger Goalgetter und jetziger Assistenztrainer, nach dem jüngsten Tiefschlag. Sportchef Günay Sengül pflichtet bei: «Diese Niederlage werde ich sicher nicht so schnell wieder vergessen. Die Mannschaft ist am Tiefpunkt angekommen, kein einziger Spieler konnte überzeugen. Doch wir müssen das Spiel abhaken, etwas anderes bleibt uns gar nicht übrig.»

Erst fünf Punkte auf dem Konto

Das 1:8 gegen die Black Stars war bereits die fünfte Saisonniederlage für Wangen. Es war nach dem 0:3 im Startspiel gegen den FC Baden immerhin erst die zweite deutliche. Die weiteren Niederlagen wären sogar vermeidbar gewesen: Gegen Münsingen (1:2) führte Wangen lange mit 1:0, gegen Buochs (2:4) sogar mit 2:0 bis zur Halbzeit. Auch gegen den FC Schötz (1:3) sah es bis kurz vor Schluss nach einem Punktgewinn aus. Dazu reichte es schliesslich aber nur gegen Muri (1:1) und Delémont (1:1) sowie beim einzigen Sieg bisher, dem 2:1 gegen Bassecourt vor knapp drei Wochen.

«Wir sind für Erstliga-Verhältnisse schon mit einem sehr schmalen Kader in die Meisterschaft gestiegen», begründet Sportchef Sengül den schwachen Start. «Dann kanns im Fussball halt manchmal sehr schnell gehen: Zwischendurch mussten wir wegen Verletzungen und Sperren auf sechs oder sogar sieben Stammspieler verzichten.»

Deshalb musste Coach Salvatore Romano immer wieder auf Spieler aus der 2. Mannschaft zurückgreifen. «Denen mache ich natürlich keinen Vorwurf», so Sengül, «aber der Unterschied von der 4. zur 1. Liga ist halt doch riesig.» Der Sportchef betont, dass der FCW im Sommer gerne mehr Spieler verpflichtet hätte, um dem Kader die nötige Breite zu verleihen.

Doch dies sei nicht möglich gewesen: «Was Transfers angeht, hat der FC Wangen nur beschränkte Möglichkeiten, wenn man es mit den Ligakonkurrenten vergleich. Spieler sind teilweise im letzten Moment wegen besseren Angeboten abgesprungen.»

Auch Assistenztrainer Bejtush Rrustolli sieht das schmale Kader, gepaart mit Verletzungssorgen, als Hauptgrund für die zuletzt schwachen Resultate. «Unsere Mannschaft verfügt insgesamt über elf Spieler mit 1.-Liga-Niveau», stellt der 47-Jährige klar. «Gegen die Black Stars waren vier von diesen elf Spielern verletzt. Dann reichts halt einfach nicht. Die Absenzen sind der Grund, weshalb wir so schlecht gespielt und so hoch verloren haben.»

Rückstand (noch) in Grenzen

Direkte Konsequenzen auf die 1:8-Pleite wird es beim FC Wangen nicht geben. Es liege nicht am Trainergespann, dass die Resultate nicht stimmen, sagt Sportchef Günay Sengül: «Wir stehen absolut hinter Trainer Salvatore Romano und seinem Assistenten Bejtush Rrustolli.»

Der FC Wangen habe sich in den letzten Jahren schon mehrmals aus brenzligen Situationen befreien können und werde dies auch jetzt wieder schaffen, ist er überzeugt: «Wenn die verletzten Spieler zurückkommen, haben wir eine gute Mannschaft. Und mit einer kleinen Siegesserie ist man in dieser Liga auch schnell wieder bei den Leuten.» Aktuell beträgt der Rückstand auf einen rettenden Tabellenrang nur zwei Punkte.

Reaktion gegen Thun II?

Auch Assistenztrainer Rrustolli blickt überraschend gelassen in die Zukunft: «So langsam sind alle Spieler wieder fit. Jetzt kommt es gut.» Doch nicht nur die Rückkehr der angeschlagenen Spieler weckt neue Hoffnungen.

Wangen wird in den nächsten Tagen ausserdem die Spielberechtigung für zwei Neue erhalten: Zuletzt vereinslos war der 20-jährige Mittelfeldspieler Hasan Ates, der beim FC Basel ausgebildet wurde. Vom Erstligisten FC Köniz kommt der 22-jährige Mittelstürmer Patrik Gjidoda. «Zwei gute, junge Spieler», kommentiert Rrustolli die beiden Zuzüge.

Salvatore Romano, der gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, und Rrustolli wollen am Wochenende von ihrem Team eine deutliche Reaktion sehen. «Im Moment ist die Stimmung natürlich schlecht», gibt Rrustolli zu Bedenken.

«Doch die Spieler sind in ihrem Stolz gekränkt und wollen so schnell wie möglich beweisen, dass sie es besser können.» Einfach wird diese Rehabilitation indes nicht: Am nächsten Samstag ist der Tabellenvierte der 1. Liga, die zweite Mannschaft des Super-League-Klubs FC Thun, auf der Chrüzmatt zu Gast. Und in zwei Wochen kommts zum Derby gegen Solothurn.

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