Ein Blick auf die Aare genügt, um zu erkennen: Es ist schon lange kein Regen mehr gefallen, von Schnee gar nicht erst zu sprechen. Der ausgehende Monat wurde in der Region als trocken wahrgenommen, sehr trocken. Dieses Empfinden deckt sich mit den Niederschlagsdaten des Kantons: An den Messstandorten Dulliken, Fulenbach, Kestenholz, Matzendorf und Stüsslingen liegt die Gesamtniederschlagsmenge diesen Dezember bei 0,3 mm, 1,0 mm, 1,7 mm, 5,7 mm respektive 1,8 mm.

Der November 2016 im Vergleich: 103,9 mm, 112,7 mm, 88,8 mm, 95,4 mm und 93,0 mm. Seit dem 21. November verharren die Niederschlagswerte regional auf Minimalniveaus. Erst Anfang Januar soll es laut Prognosen schneien.

Stress durch extremes Wetter

Wie wirkt sich die aktuelle Wetterlage auf die Natur aus? Georg Nussbaumer, Revierförster in den Forstrevieren Olten und Unterer Hauenstein, zählt die derzeitige Trockenheit zu den klimatischen Extremlagen, wie sie in den letzten Jahren vermehrt aufgetreten sind. «Für die Bäume bedeutet eine solche Situation Stress», sagt er.

Es habe in letzter Zeit «viel zu wenig» Niederschlag gegeben – die Auswirkungen, ist er überzeugt, wird man in den nächsten Jahren an den Bäumen ablesen können. Aber damit nicht genug: Die einheimischen Baumarten hätten bereits mit anderen Kalamitäten zu kämpfen. Eschen etwa mit einem asiatischen Pilz, Buchen mit mangelnden Nährstoffen aufgrund hoher Stickstoffwerte.

Kommen nun extreme Klimaverhältnisse hinzu, hätten die Bäume «Mühe, überhaupt zu existieren», so Nussbaumer. «Im ohnehin schon schmalen heimischen Baumartenspektrum gibt es welche, die dem Stress durch extreme Wetterverhältnisse nicht gewachsen sind», zeigt sich der Förster besorgt. In Zukunft führe das dazu, dass einheimische Bäume vermehrt Gastarten Platz machen müssten. Rottannen beispielsweise, die hohe Temperaturen schlecht vertragen, würden durch hitzeresistentere nordamerikanische Douglasien ersetzt.

Nussbaumer relativiert: Da die Bäume in der kalten Jahreszeit weniger Wasser benötigen, sei die derzeitige Situation noch nicht gravierend. «Schlimm wäre es, wenn die Trockenphase andauern würde», fügt er an. Der Trockensommer 2003 etwa habe «Riesenschäden» bis ins Jahr 2008 nach sich gezogen. Folgten indes ab kommendem Januar zwei bis drei nasse Monate, würde sich das Dezembermanko nicht erheblich bemerkbar machen. Er und seine Kollegen würden nun darauf achten, die Bäume besonders schonend zu behandeln.

Kein Feuerwerkverbot

Auch Michael Haberstich, Präsident des Fischereivereins Olten und Umgebung, sagt: «Jetzt, wo es so kalt ist, spielt der ausbleibende Niederschlag keine grosse Rolle.» Im Sommer wäre er ein «Riesenproblem», da sich das Wasser bei niedrigerem Pegel schneller erhitze und die Fische an Sauerstoffmangel litten oder gar zugrunde gingen. Zurzeit werde ohnehin kaum gefischt. Zudem haben Forellen bis Mitte März Schonzeit.

Für Andreas Grob, Gemüsebauer in Winznau, stellt die Wetterlage ebenfalls kein Hindernis dar – im Gegenteil: «Wir konnten schön arbeiten.» Er baue derzeit wenig Freilandgemüse an; das Wetter verursache «keine grossen Einbussen». Schlimmer wäre zu viel Niederschlag, schiebt er nach. Einzig wenn das Grundwasser zurückginge, würde die Situation heikel – was nicht der Fall ist.

Gute Nachrichten auch von der Kantonspolizei Solothurn: Zwar herrscht im Kanton mässige Waldbrandgefahr. Sie ist insbesondere oberhalb der Nebelgrenze in südost- und südwestexponierten Lagen erhöht. Es besteht aber kein Feuer- oder Feuerwerkverbot. Beste Voraussetzungen für die heutige Silvesternacht - mit der gebotenen Vorsicht.