Der Trimbacher Marco Furter lebt seit Dezember 2013 mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Hongkong und arbeitet dort als Geschäftsführer eines internationalen Unternehmens. Der 36-Jährige verliess die Stadt kurz vor den ersten Demos und kehrte diese Woche wieder in die Sonderverwaltungszone zurück.

Waren Sie überrascht, als Sie von den Demos erfuhren?
Marco Furter: Da ich die politischen Aktivitäten über mehrere Newsportale und Zeitungen verfolge, habe ich schon seit Juni/Juli bemerkt, dass da was kommen wird. Da die Proteste während meiner Ferien in der Schweiz begonnen haben, habe ich es aus den Medien erfahren.
Aus meiner persönlicher Sicht war klar, dass die Hongkong-Chinesen die letzten politischen Entscheide nicht einfach so hinnehmen würden. Die Forderung nach mehr direkter Demokratie ist gerechtfertigt. Die Ängste bezüglich Missachtung der Rechte auf demokratische Wahlen sind da. China funktioniert anders als Hongkong. Es heisst ja «Ein Land, zwei Systeme». Leider werden aber auch in Hongkong die direkt-demokratischen Elemente wohl nur unter Pekinger Kontrolle Anwendung finden.

Wie ist die Stimmung auf den Hongkonger Strassen?
Grundsätzlich habe ich nicht viele Änderungen wahrgenommen. Es wird aber enorm viel diskutiert und die Proteste sind Thema Nr. 1 in den Medien und im Internet wie auch bei den Menschen hier.

Haben Sie Angst?
Nein überhaupt nicht. Die Proteste sind mehrheitlich friedlicher Natur.

Die Demos haben also keine Auswirkungen auf Sie persönlich?
Nach den ersten Tagen zurück in Hongkong muss ich sagen, die Proteste haben keine Auswirkungen auf mich und meine Familie, wie auch keine auf geschäftlicher Seite.
Und das wird wohl auch in Zukunft so bleiben.
Ich lebe mit meiner Familie ausserhalb des Stadtzentrums und wir haben keine Befürchtungen, dass diese Proteste irgendwelche Auswirkungen auf uns haben. Auch wenn sie anhalten würden.

Denken Sie denn, dass sie anhalten werden?
Ich denke, es wird ähnlich wie in Festland China sein. Solange es viele Leute gibt, die mehrheitlich vom Aufstieg Chinas profitieren können, werden diese Stimmen (mehrheitlich Studenten) nach mehr Demokratie eher gering bleiben. In Hongkong ist der Ausbildungsstand natürlich besser und die Leute sind sich eine bestimmte Demokratie gewöhnt, daher auch die grössere Anzahl von Protestteilnehmern zu Beginn. Und dennoch haben diese Studenten eher schlechte Karten in der Hand, um etwas bewegen zu können. Auch gemäss meinen Mitarbeitern ist es schwierig abzuschätzen, wie es hier weitergeht.

Bringen die aktuellen Demos überhaupt etwas?
Die Proteste werden mehrheitlich von Studenten geführt und zeigen gleichzeitig auch, dass dies ein Generationenkonflikt in Hongkong ist. Auch bei meinen Mitarbeitern gibt es familieninterne Diskussionen, wie die Zukunft Hongkongs aussehen soll. Die Hongkonger Jugend will sich klar von Chinas Politik distanzieren, wobei die ältere Generation denkt, dass eine Änderung wohl nötig ist, aber dies wohl noch etwas Zeit braucht. Gemäss dem Feedback meiner Mitarbeiter ist der Alltag voll mit Diskussionen, wie dieses Problem gelöst werden soll und kann. Leider sehen die Älteren keinen Sinn in den Protesten und teilweise auch in den Forderungen von den Jungen. Dies, obwohl die Älteren natürlich auch klar für mehr Demokratie in Hongkong sind. Mit den Demos wird jetzt zumindest darüber gesprochen.

Auch in den Medien? Wird den Einwohnern ein realitätsnahes Bild der Situation vermittelt?
Ich denke, dass die Leute in Hongkong sehr genau wissen, was abgeht. Sie haben Zugriff auf viele Newsportale. Zumindest seit ich zurück bin (und ich denke auch davor) wird alles sehr transparent in den Nachrichten berichtet. Bestimmte Zeitungen, zum Beispiel South China Morning Post, haben sogar einen Liveticker.