Die F. Murpf AG ist laut der neuesten Wirtschaftsrankingsbeilage «Top 100» mit 475 Angestellten die 13.-grösste Firma im Kanton Solothurn und gehört damit im Transport- und Logistikbereich zum stärksten Player. Das Familienunternehmen will weiter wachsen und möchte möglichst rasch ein weiteres Logistikcenter für rund 25 Millionen Franken bauen. Mindestens 30 Mitarbeiter würden damit neu eingestellt. Bevor das Projekt realisiert werden kann, müssen allerdings ein paar Hürden genommen werden. Verwaltungsratsmitglied Thomas Murpf, der fürs operative Geschäft zuständig ist, sagt welche.

Herr Murpf, die Firma will weiter wachsen. Welches wäre der bevorzugte Ausbaustandort?

Thomas Murpf: Der bevorzugte Ausbaustandort wäre natürlich westlich vom bisherigen Gelände auf der Wiese rechts neben der Kantonsstrasse, wenn man von Egerkingen her kommt. Da wären wir in einem Gebiet, wo wir vom Lärm her niemanden stören, keinen zusätzlichen Verkehr im Dorf selbst generieren würden und nahe bei der Autobahnausfahrt wären. Vom Kanton und von der Gemeinde haben wir bisher allerdings keine positiven Zeichen erhalten, damit das Landwirtschaftsland eingezont werden könnte. Wir haben daher eine gewisse Planungsunsicherheit. Wir hoffen nun nach den Gesprächen von heute mit Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss, dass es in dieser Sache vorwärtsgeht (siehe auch separaten Text unten).

Murpf AG Hägendorf

Murpf AG Hägendorf

Sie haben einen Landabtausch vor. Was heisst das genau?

Wir besitzen an einigen Orten in Hägendorf und in Kappel Land, allerdings eher im Dorfzentrum, welches wir bebauen könnten. Dies würde aber zu zusätzlichem Verkehr durchs Dorf führen, was wir vermeiden möchten. Daher gäbe es für uns die Option Landabtausch: Wir möchten Land, das uns gehört, tauschen mit Land westlich vom bisherigen Gelände neben der Kantonsstrasse, das noch nicht in unserem Besitz ist, aber wir bebauen möchten.

Gibt es einen Plan B, wenn das bevorzugte Projekt nicht zustande käme?

Es gibt verschiedene Pläne B. Eine Option wäre, in Kappel auszubauen, wo wir 30 000 m2 Land besitzen und seit 2017 die Schlosserei und Malerei steht. Eine weitere Alternative gäbe es in Hägendorf Ost, wo wir 2009 ein Logistikcenter mit 12 000 zusätzlichen Palettenplätzen eröffnet haben. Bei beiden wäre der Standort aber nicht so optimal gelegen wie beim bevorzugten Projekt und würde zu Mehrverkehr durch die Dörfer führen.

Ausser die ERO+ würde realisiert, die an beiden Standorten vorbeiführt.

Das ist so. Doch weil die ERO+ noch nicht einmal in einer Planungsphase ist, gehe ich nicht davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren mit dem Bau begonnen wird. Wir müssten aber eigentlich schon gestern gebaut haben (lacht).

Was heisst diese Unsicherheit für den derzeitigen operativen Betrieb?

Wir haben in Egerkingen, Neuendorf und Roggwil BE Zwischenlager zugemietet. Die Güter müssen wir aber hier in Hägendorf zusammenführen, um sie weiterverarbeiten zu können. Das ist teuer und organisatorisch umständlich. Wir könnten natürlich effizienter arbeiten, wenn die Ware in Hägendorf gelagert wäre.

Das heisst, ein Wachstum ist derzeit gar nicht mehr möglich?

Wir hätten noch die Möglichkeit, auf dem heutigen Gelände etwas zu wachsen, etwa mit einem zusätzlichen Gebäude. Doch nicht in dem Ausmass, wie es eigentlich der Markt verlangen würde.

Doch nicht nur ein möglicher Ausbau bereitet Ihnen derzeit Kopfzerbrechen, sondern auch die Stausituation auf den Autobahnen.

Wegen der Staus sind die Touren weniger planbar und kosten uns mehr. Wir wissen zum Teil nicht mehr, wann ein Camion bei den Kunden ankommt. Unsere Forderung ist daher, dass man den Pannenstreifen vor dem 6-Spurausbau zwischen Oensingen und Egerkingen für den Verkehr öffnen könnte, zumindest während des morgendlichen Stossverkehrs, wie es etwa auch zwischen Lausanne und Genf möglich ist. Zudem würde es Sinn machen, wenn das Nachtfahrverbot um je eine Stunde abends und morgens gelockert würde und nur noch von 23 bis 4 Uhr gelten würde. So hätte man während des Berufsverkehrs morgens und abends weniger Fahrzeuge gleichzeitig unterwegs.

Auch der Fachkräftemangel macht der F. Murpf AG zu schaffen.

Der Fachkräftemangel ist bei uns ein grosses Thema. Der Beruf des Lastwagenchauffeurs ist zunehmend unattraktiv. Wir haben nun das ehemalige Personalhaus auf dem Allerheiligenberg gemietet und können so den Chauffeuren 45 Wohnungen und Zimmer zu günstigen Konditionen anbieten. Zudem führen wir seit rund acht Jahren eine eigene Lastwagenfahrschule, wo wir Leute selbst ausbilden.