Wenn der Tod den Löffel abgibt, gerät das Leben auf der Erde aus den Fugen. Wie genau das aussieht, erfährt man im neuen Stück des tausendStrassen Theaters. «Hin-über oder anders gesagt tot, töter, am tötesten» feiert kommenden Freitag, 2. Juni, in der Oltner Pauluskirche Premiere. Unter der Regie von Murielle Kälin bereiteten sich elf Schauspieler auf eine anspruchsvolle Aufgabe vor: Sie spielen ein Theaterstück, das sich mehrheitlich um den Tod dreht, aber dennoch alles andere als trist sein soll.

Geschrieben hat das Stück, das den Spagat zwischen unterhaltsam und besinnlich schafft, Kälin selbst. Durch ihre Arbeit als konfessionsunabhängige Abschiedsgestalterin hat sie eine natürliche Herangehensweise an das sonst sehr schwere Thema. Sie kennt sich damit aus, wie unterschiedlich Menschen mit dem Tod umgehen und weiss das gekonnt auf der Bühne umzusetzen.

Der Tod will nicht mehr

Zum Stück: Nachdem der Tod immer 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche ohne ein Wort der Dankbarkeit am Arbeiten war, hat er genug. Er macht eine Kaffeepause. Was passiert, wenn der Tod eine Pause macht? Niemand stirbt mehr. Was auf den ersten Blick gut tönt, stellt sich als grosses Problem heraus. Denn solange niemand stirbt, kann auch kein anderer geboren werden. Und aus Trotz stellt er die Uhr um 24 Stunden zurück, sodass fünf Menschen ins Leben zurückgeholt werden. Sie alle waren an diesem Tag unter mehr oder weniger unglücklichen Umständen gestorben. Der Schutzengel eines Wiederauferstandenen kann den Tod unter einer Bedingung ins Amt zurückholen: Der Tod muss sich nicht mehr den Vorstellungen des Sterbenden entsprechend verkleiden und die Schutzengel bereiten ihre Schützlinge auf den Tod vor.

Danach sterben alle fünf Wiederauferstandenen ein zweites Mal. Kälin sagt dazu: «Sie sterben zwar noch einmal, doch mit einer ganz anderen Qualität.» Was sie damit meint, wird schnell klar. Es gibt viel weniger Hoffnungslosigkeit. Das Stück zeigt auf, dass der Tod ein Bestandteil des Lebens ist und dass ohne ihn kein Leben möglich ist. So wird eine Geschichte wahr, die trotz vieler Tode ein Happy End hat. Das war auch das Ziel der Regisseurin: «Es gibt bereits genug Geschichten ohne Happy End.»

Bunt gemischte Schauspielertruppe

Damit diese spezielle Geschichte richtig erzählt werden kann, hat Kälin auf eine aussergewöhnliche Auswahl an Schauspielern gesetzt. Einige haben bereits viel Erfahrung, zum Beispiel Lorenzo Pedrocchi und Jamie Mahlstein. Sie haben im vergangenen Jahr bei den Schlossspielen Falkenstein in Niedergösgen Romeo und Julia verkörpert. Andere hingegen, wie die zehn-jährige Cheyenne Feuz, sind noch Neulinge. Mit dabei sind auch drei Senioren und ein Schauspieler mit einem Handicap. Benny Hügi ist beinahe blind. Dennoch meistert er seine Aufgabe gut und vermag seine Kollegen zu erstaunen.

Mit dieser Gruppe gelingt es Murielle Kälin, sogar schwierigste Themen wie Suizid angemessen aufzugreifen und darzustellen. Und das, ohne die Zuschauer zum Schluss mit einem schlechten Gefühl zu entlassen, sondern ihnen viel Hoffnung mit auf den Weg gibt.