Am 20. Juli wurde Roger Grimm an der 109. Generalversammlung zum neuen Präsidenten des FC Olten gewählt. Vorgestern trat der 45-Jährige, nicht ganz freiwillig, offiziell von seinem Amt zurück. Grimm hat es geschafft, auf dem Kleinholz innert sieben Wochen jeglichen Kredit zu verspielen. Seine Worte beim Amtsantritt klingen in Anbetracht der jetzigen Situation paradox: «Um mehr Unterstützung zu bekommen, müssen wir am Image arbeiten. Der FC Olten muss von der Öffentlichkeit wieder in einem positiven Licht wahrgenommen werden.»

Passiert ist das Gegenteil. Das Tohuwabohu der letzten Wochen macht den FC Olten zur Lachnummer, das Gespött in der Fussballszene ist gross. Wie sehr Grimm dem Verein effektiv geschadet hat, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Ausgebadet wird das Schlamassel nun von Grimms Vorgängern Claudio Richard und Bruno Misteli. Letzterer bezeichnete Grimm vorgestern auf Facebook als «Hochstapler, Betrüger und notorischer Lügner, vor dem gewarnt werden muss».

Konkret wollte sich Misteli noch nicht zu diesen Vorwürfen äussern. Er prüft Roger Grimms Machenschaften gerade bis ins Detail, spricht von rund zwei Dutzend Anklagepunkten. Die Vorwürfe sind happig. Grimm soll Verträge eigenmächtig unterzeichnet und Geld in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Beim bisher einzigen Heimspiel des Fanionteams in dieser Saison hat Misteli übrigens die Schiedsrichterkosten von 660 Franken übernommen, weil sich offenbar sonst niemand zuständig fühlte: «Vieles wurde in letzter Zeit schlicht verschlampt», sagt er. «Grimm hat null Ahnung.» So warten beispielsweise die polnischen Verstärkungen seit acht Wochen auf ihre Spielberechtigung.

Das Projekt läuft weiter

Es wird also definitiv noch ein Nachspiel geben. Im Moment scheint man beim FC Olten vor allem froh zu sein, dass Roger Grimm, der sich nicht äussern will, weg ist. Einen Rattenschwanz wird dies nicht nach sich ziehen. Die Trainer Ryszard Komornicki, Petar Aleksandrov und Mirko Pavlicevic werden ihre Arbeit weiterführen. Auch Investor Giuseppe Landolfi ist weiterhin an Bord.

Er hatte Roger Grimm vor dem gemeinsamen Engagement beim FC Olten nicht gekannt. «Ich wollte von ihm von Anfang an eine Übersicht zur finanziellen Situation des FC Olten erhalten.» Landolfi wollte zum Beispiel wissen, wie hoch die Schulden sind und mit welchen weiteren Altlasten er noch rechnen muss. «Bis heute habe ich keine Zahlen gesehen.» Dafür war er plötzlich der offizielle Finanzchef des FC Olten, so steht es bis heute auf der Football.ch-Homepage. «Das war nicht vereinbart, denn ich wollte explizit im Hintergrund bleiben.»

Landolfi ist aber immer noch überzeugt vom Fünf-Jahres-Plan. Beim FC Olten soll in dieser Zeit eine professionelle Nachwuchs-Academy entstehen und die erste Mannschaft soll mittelfristig in der 1. Liga positioniert werden. Er bezeichnet das Projekt FC Olten als Herausforderung, die ihn reizt. «Die Voraussetzungen beim FC Olten wären eigentlich ideal. Deshalb wollen wir mit sehr guten Trainern etwas Professionelles auf die Beine stellen.

Mit dem Fokus auf die Nachwuchsförderung. Aber vonseiten des Präsidenten wurde von Anfang an nicht professionell gearbeitet.» Das weitere Vorgehen will er nun mit dem Ex-FCO-Präsidenten Claudio Richard besprechen. «Es kommt gut», verspricht er, «es braucht aber viel Geduld und noch mehr Nerven. Zuerst müssen wir jetzt endlich einen genauen Finanzplan aufstellen.»

Kein Material, keine Löhne

Für das Fanionteam, welches mit vier Niederlagen in die 2.-Liga-inter-Saison gestartet ist, ist die Situation ebenfalls nicht einfach. Auch die Spieler spüren die Auswirkungen des Wirrwarrs an der Klubspitze. «Wir bekamen natürlich alles mit, vieles allerdings hintenrum», sagt Angreifer Luca Schifferle. Inwiefern war die erste Mannschaft direkt betroffen von der Situation? «Wir hatten lange Zeit kein Material, keinen Masseur und auch die versprochenen Löhne und Spesenentschädigungen wurden nicht bezahlt», so Schifferle.

Das fehlende Material wurde schliesslich von den Trainern aus dem eigenen Sack berappt. Ihnen windet Schifferle ein Kränzchen: «Die Trainingseinheiten sind eine Bombe, etwas vom Besten, das ich in meiner Zeit als Fussballer je erlebt habe. Die Trainer schauen wirklich sehr gut zu uns.» Die Stimmung im Team sei gut, daran habe auch der Fehlstart in die Meisterschaft nichts geändert. «Jetzt wollen wir uns auf das konzentrieren, was uns Spass macht – Fussballspielen», schliesst die Nummer 17 das Thema ab.

Die vier Niederlagen führt er auch darauf zurück, dass bislang viele Spieler der zweiten Mannschaft und B-Junioren eingesetzt werden mussten. Die drei polnischen Verstärkungen sind zwar seit zwei Monaten im Training dabei, werden aber für das heutige Spiel immer noch nicht qualifiziert sein. «Sonst sind aber endlich alle dabei», blickt Schifferle auf das Kellerduell gegen das Schlusslicht Adliswil voraus. «Jetzt gibt es keine Ausrede mehr. Der erste Sieg muss her.»