Für Bedürftige
«Tischlein deck dich» verteilt in Olten weniger Lebensmittel seit dem Lockdown

Freiwillige Helferinnen der Organisation Tischlein deck dich erreichen an der Abgabestelle in Olten jede Woche rund 50 Haushalte. Wegen der Coronakrise fällt die Menge an Nahrungsmittel aber spärlicher aus als sonst.

Rebecca Rutschi
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Tischlein deck dich
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Grossfamilien erhalten zum Teil gespendete Lebensmittel in Grossverpackungen
Bezahlen müssen die Bezüger symbolisch einen Franken.
Die Säcke werden vorher von den Freiwilligen gleichmässig gefüllt.

Tischlein deck dich

Bruno Kissling

Die Organisation «Tischlein deck dich» erreicht an 134 Abgabestellen in der ganzen Schweiz jede Woche rund 20'000 Menschen. Eine der Abgabestellen befindet sich in Olten, wo sich am Mittwochnachmittag jeweils 50 armutsbetroffene Personen einfinden und zwei Taschen mit Lebensmittel erhalten – je nach Grösse des Haushaltes mal etwas mehr oder weniger gefüllt.

Um die Nahrungsmittel entgegennehmen zu dürfen, müssen die Bezügerinnen und Bezüger ihre Bezugskarte vorweisen und den symbolischen Beitrag von einem Franken zahlen. Auf ihrer Bezugskarte steht, wie viele Personen der Haushalt der oder des Betroffenen zählt. Die Karten werden von örtlichen Sozialdienststellen ausgestellt. Die Kriterien, um eine solche Bezugskarte zu erhalten, seien dieselben wie auch bei den «KulturLegi» von Caritas, erzählt Cornelia Sommer, Sozialarbeiterin im Sozial- und Beratungsdienst der katholischen Kirche Olten. Berechtigt seien also unter anderem Working-poor-Familien und Menschen, welche Ergänzungsleistungen oder Sozialhilfe beziehen.

Lebensmittel von Grosshändlern gespendet

Sommer bedauert, dass sie in Olten nur rund 50 Bezugskarten vergeben darf. Im Vergleich zu anderen Stellen seien 50 aber schon eine Menge. Die Anzahl der Bezugskarten wird jeweils von der nationalen «Tischlein deck dich»-Geschäftsstelle in Winterthur festgelegt. Diese koordiniert die Distribution und kann – je nach Menge der Lebensmittel, die Grosshändler ihnen spenden – mal mehr oder mal weniger Bezugskarten vergeben.

Die Lebensmittel werden alle von Grosshändler gespendet – namentlich zum Beispiel von Coop, Migros und Prodega. Welche Nahrungsmittel verteilt werden können, variiere von Woche zu Woche, erzählt Danielle Rogger, eine freiwillige Helferin an der Abgabestelle in Olten. Es seien oft Artikel, von denen zu viel produziert wurde und die nicht oft gekauft würden. Es gehe bei der Essensabgabe aber nicht darum, den Wocheneinkauf zu ersetzen, sondern Menschen mit Lebensmittel zu versorgen, welche sie sich selbst vielleicht nicht leisten könnten. So zum Beispiel Früchte, Fleisch oder Süssigkeiten. Manchmal bekämen sie auch Grossverpackungen – zum Beispiel 2- oder drei 5-Liter-Olivenölflaschen wie diese Woche. Solche verteilen die Freiwilligen dann an Grossfamilien mit 7 oder 8 Personen.

Gefahr für Risikopatienten

Als freiwillige Helferinnen engagieren sich besonders oft pensionierte Frauen. Deswegen musste die Abgabestelle dieses Jahr zeitweise geschlossen werden, um Risikopatientinnen nicht zu gefährden. Als die Stelle nach dem Lockdown aber wieder in Betrieb genommen wurde, tauchte bald eine neue Herausforderung auf. Zuvor war es noch möglich, Grossfamilien jeweils zwei, statt nur eine Tasche mitzugeben. Im Moment reichen die Lebensmittel dazu aber nicht mehr aus. Der Geschäftsführer der Organisation «Tischlein deck dich», Alex Stähli, bestätigt, dass zurzeit weniger Lebensmittel zur Verfügung stünden.

«Wir bekommen weniger Produktspenden, aber die Anzahl der Kundinnen und Kunden hat generell zugenommen», erklärt er. Zum einen könne das daran festgemacht werden, dass der Heimkonsum steige – wohingegen die Kantinenverpflegung sinke. Dies, weil viele Menschen in der aktuellen Situation öfters Zuhause seien und im Homeoffice arbeiteten. Somit würden mehr Produkte im Detailhandel gekauft, welcher dieser dann nicht spenden kann. Zum anderen, so mutmasst Stähli, seien aber auch die Produzenten von coronabedingten Einschränkungen betroffen.

Doch trotz der zusätzlichen Hindernisse engagieren sich die Freiwilligen gerne. «Für mich ist es immer ein Glücksmoment, wenn ich den Leuten das Essen geben darf», erzählt Verena Schenker, eine der Helferinnen, strahlend. Und auch die Betroffenen sind dankbar. «Ich bin wirklich froh, dass es das Angebot gibt», sagt eine Bezügerin.

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